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Warten auf die Schweine

Gemeinsam Jagd erleben - Autor
am
Donnerstag, 01.01.2015 - 11:04
zwei Frauen machen Selfie in Hochsitz © gemeinsam Jagd erleben

Als Melli mich fragt, ob sie mal mit mir jagen fahren kann, sage ich sofort ja und erzähle ihr von der Aktion 'Gemeinsam Jagd erleben'. Der Hochsitz und das lange Warten beim Jagen sind Dinge, die sie als gebürtige Berlinerin nicht kennt, denn in Berlin wartet man eher kurz. Die U-Bahnen fahren im Schnitt im Fünf-Minuten-Takt, die S-Bahnen im Zehn-Minuten-Takt. Man wartet auf der Rolltreppe, an der Ampel, auf dem Gehweg. Immerzu ist es ein kurzes Warten auf irgendetwas oder irgendjemanden.
Ein paar Wochen später sitzen wir also in der Brandenburger Pampa und - richtig - wir warten. Länger. Auf Schweine.
Der Maisacker liegt, zum zweiten Mal neu bestellt, vor uns. Der Landwirt, der auch Jäger ist, Humor hat und die ganze Lage sportlich nimmt, hat Ackerrandstreifen mit Süßlupine angelegt und genau da liften sich jetzt die Hasen aus ihren Sassen. Wir beobachten Meister Lampe beim Yoga, denn nach einem Nickerchen muss man die langen Läufe dehnen. Danach geht's ans Buffet: Die Mümmelmänner schlagen in der Lupine ordentlich zu und mein Herz bei einem solchen Anblick gleich höher. Ich erkläre Melli, warum ich noch nie einen Hasen geschossen habe und in Zukunft - bei den regionalen Beständen - auch keinen schießen werde. Abgesehen davon ist gerade Schonzeit. Wer das denn festlegt, mit den Jagd- und Schonzeiten, fragt sie. Ich erkläre ihr, dass sich die Jagd- und Schonzeiten weitestgehend nach der Wildbiologie der Tierarten richten. Aber auch danach, wann wir Jäger jagen müssen, etwa um Wildschäden zu vermeiden und auch danach, wann wir gut und effektiv jagen können, etwa im Herbst, wenn die Blätter von den Bäumen und Sträuchern sind und man im Wald bei Drückjagden mit vielen Jägern weit sehen und gut ansprechen, also die Tiere erkennen kann.

Der Wind ist gut und die Mümmelmänner rücken näher an den Hochsitz heran. Aber auch die Dämmerung schreitet fort - und kein Schwein weit und breit.
Wir unterhalten uns viel, natürlich nur im Flüsterton, über Kindergärten, Familie, Schweine, Landwirtschaft, gutes Fleisch, langes Warten und Ruhe. Aber wahrscheinlich sind wir für den Ort und die Zeit so laut wie eine Kindergartengruppe mitten in Berlin. Zu laut für die Schweine, denn die kommen nicht. Melli sagt, dass es ihr dennoch gut gefallen hat. Die Ruhe in der Natur und die sofort viel bessere Luft, wenn man in Brandenburg aus dem Auto steigt. Gern würde sie wieder mitkommen. Vielleicht müssen wir dann einfach leiser warten. Gast: Melanie Bach (30) (Beruf: Dipl.-Sozialpädagogin), Jägerin: Anna Martinsohn (34) (Beruf: Pressereferentin DJV)