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Vollmond an der Schneise im Mais

Gemeinsam Jagd erleben - Autor
am
Donnerstag, 01.01.2015 - 10:40
Mädchen auf Hochsitz © gemeinsam Jagd erleben

'Ich liebe Fleisch und ich liebe Tiere. Ich weiß, dass das nur schwer zusammen geht, also esse ich mittlerweile echt selten Fleisch. Immer nur dann, wenn es vom Bauernhof kommt, auf dem ich aufgewachsen bin oder wenn es wirklich Bio und nicht Discounter-Bio ist oder wenn Anna bei der Jagd etwas geschossen hat. Mir ist es wichtig, dass das Tier ein gutes Leben hatte und einen für mich vertretbaren Tod. Ob man den jetzt als 'human' bezeichnen möchte oder als 'tiergerecht' oder als noch etwas anderes, ist hinlänglich. Was bleibt ist doch viel mehr, dass man sich damit auseinander setzen muss, dass etwas anderes stirbt, wenn man selbst Fleisch essen will und das will ich. Als ich Anna in Berlin besuche, gibt es die  thailändische Suppe Tom Kha Gai, allerdings ohne Gai (Huhn) aber dafür mit Reh, also Tom Kha Reh. Superlecker! Am Samstag Nachmittag fahren wir zum Sommerfest eines Forstbetriebes der Landesforsten. Dort gibt es Wildschwein vom Spieß, gegrillte Wildbratwürste und Wildburger und ich kann mit gutem Gewissen endlich mal wieder richtig zuschlagen. Außerdem werden verschiedene Jagdhunderassen vorgestellt. Ich wusste gar nicht, dass es so viele Verschiedene gibt.

Danach fahren wir ins Revier und setzen uns an ein Maisfeld, direkt vor eine riesige Schneise, die das Jagen auf Wildschweine erleichtern soll. Ich will heute unbedingt ein Wildschwein sehen und hoffe sehr, dass wir eins schießen können. Hinter uns ist der Wald. Links und rechts ist Waldrand und Wiese. Da es nicht mein erstes Mal auf der Jagd mit Anna ist, kenne ich den Moment gut, wo man einfach zu Ruhe kommt. Man schaltet so schön ab. Außerdem entdeckt man viel mehr Tiere, die man sonst nie sehen würde. Es dauert nicht lang, da zeigt Anna auf ein Reh, das weit entfernt aus dem Wald kommt und auf der Wiese zu fressen beginnt. Kurz danach hoppelt ein Hase durch das Bild. Auf der anderen Seite taucht ein Fuchs am Rand des Maisfeldes auf und läuft auf uns zu. Ich kann ihn lange beim Mäuse jagen beobachten und finde ihn wahnsinnig schön mit seinem frechen Gesicht und dem glänzenden Fell. Etwas später verschwindet er im Wald.

Dann dämmert es und der Mond geht so schnell auf, dass man zusehen kann, wie er sich über die Silhouette der Baumspitzen schiebt. Es ist Vollmond und deshalb besonders spektakulär. Immer wieder raschelt und knackt es hinter uns. Es wird schnell kälter und ein warmer, süßlicher Geruch strömt vom Maisfeld zu uns. Eine seltsame Stimmung voller Spannung, aber wir haben kein Glück und sehen keine Schweine. Trotzdem war es sehr schön und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Anna und ich irgendwann gemeinsam auf der Jagd doch noch etwas schießen werden.' Gast: Johanna (24) (Beruf: Studentin der Islamwissenschaften), Jägerin: Anna (34) (Beruf: Redakteurin beim DJV)