06.12.2016

Der Muffel-Untergang

Die seit 100 Jahren in der Göhrde heimischen Mufflons sind von den zugewanderten Wölfen bereits deutlich dezimiert worden. Wo bleibt der Protest der Natur- und Artenschützer?

In der Göhrde stirbt ein Wildart aus. Ein großer Teil des dortigen Muffelwildbestandes ist bereits von Wölfen gerissen worden.
Sie werden also verschwinden. Von den 250 Stück Muffelwild in der Göhrde sind nur noch 25-50 Stück übriggeblieben. Der Bestand steht vor dem Kollaps! 'Ich gehe davon aus, dass er innerhalb der nächsten drei Jahre erloschen ist', so die düstere Prognose des Leiters der Hochwild-Hegegemeinschaft Göhrde, Peter Pabel, jüngst in der 'Allgemeinen Zeitung der Lüneburger Heide'.
Wo bleibt der sonst übliche Aufschrei der vielen Natur- und Artenschützer? Hier verschwindet eine Wildtierart auf Nimmerwiedersehen! Der älteste und genetisch besonders reine Muffelwildbestand Deutschlands wird von Wölfen aufgefressen und keinen aus der Fraktion derer, die sich als Artenschützer sonst stets lautstark positionieren, scheint das zu interessieren. Aber wehe, wenn Ortolan oder Feldhamster, Fischotter oder Biber einmal in Bedrängnis kommen. Dann wird Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um diese Tiere zu retten.
Und wir Jäger als anerkannter Naturschutzverband? Sind wir auf dem (Wild-)Artenschutz-Auge erblindet? Wenn ich mich richtig erinnere, zierte einmal unsere Werbebanner und Aufkleber auch der Schriftzug 'Anwalt des Wildes'. Es mutet wie der Kampf Davids gegen Goliath an, wie einige wenige Wild-Artenschützer rund um die Göhrde herum alles Mögliche versuchen, um die spärlichen Reste des dortigen Muffelwildes noch vor der Übermacht der Wölfe zu retten.

Treppenwitz des Artenschutzes

Das Muffelwild in der Göhrde erfreut sich seit 100 Jahren bester Gesundheit und hat sich gut vermehrt. Nun wird sein Anblick dort immer seltener.
Die Göhrde-Mufflons haben sich seit mehr als 25 Generationen erfolgreich fortgepflanzt. Damit sind sie eine heimische Wildtierart, kein Fauna-Verfälscher. Über 100 Jahre leben sie hier. Unbestritten ist, dass die ersten 1913 von einem Hamburger Kaufmann, der Naturliebhaber, jedoch kein Jäger war, hier ausgesetzt wurden. Er empfand seine Aktion als Bereicherung der damaligen Fauna. Daraus erwuchs dann dieser einzigartige Bestand in der Göhrde. Wer den Mufflons nun das Daseinsrecht abspricht wegen dieser ihrer nur 100 Jahre währenden Anwesenheit in bester Gesundheit und Vermehrungsfreude und weil Muffelwild nach Meinung des Umweltministeriums hier als 'nicht heimisch' zu betrachten ist, verschweigt auch bewusst Folgendes: Noch bis zum Beginn der Jungsteinzeit (3500-1800 v. Chr.) war der Mufflon nicht nur in Ungarn, Mähren und dem Mittelmeerraum, sondern auch in Süddeutschland verbreitet. Der einzigen Wildschafart in Deutschland nun plötzlich den Artenschutz zu verweigern, wie Pressesprecherin Dunja Rose vom Umweltministerium verkündet, ist doch wohl nur als Treppenwitz zu verstehen.
Mufflons sind nach der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources/ deutsch: Weltnaturschutzunion) als gefährdet eingestuft. Es ist eine unerträgliche Arroganz der niedersächsischen Artenschutz-Bürokraten, einfach mal so und willkürlich Zeitepochen zu bestimmen, mittels derer sie verfügen, ob und welche unserer wildlebenden Tiere als 'heimisch' oder 'nicht heimisch' zu betrachten sind. Also entweder mit allen Artenschutzsegnungen des grünen Umweltministers Wenzel beglückt werden oder - weil durchs Sieb gefallen - einfach verschwinden können/sollen. Artenschutz ist nicht teilbar!
Es schlägt zudem dem Fass den Boden aus, dann auch noch auf Nachfrage der Presse zu behaupten: 'Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Eintreffen des Wolfes und einem Rückgang der Mufflon-Population ist über die vom Land Niedersachsen geführten Riss-Statistiken nicht erkennbar, da Mufflon als wildlebende Art nicht unter die Richtlinie Wolf fallen.' Diese Statistik ist mittlerweile wie eine Laterne im Hafen, die einem betrunkenen Seemann eher als Halt denn als Erleuchtung dient.

Menschenfreie Gebiete für Wölfe?

Natur- und Artenschutz sollten ehrlich verkauft werden. In unserer dicht besiedelten und intensiv genutzten Landschaft sind die 'Freiheitsrechte' aller unserer wildlebenden Tiere zwangläufig eingeschränkt. Wie die unseren. Leider. Aber das ist nun mal so. Denn wir leben nicht beispielsweise in Kanada mit vier Menschen auf einem Quadratkilometer, sondern in Deutschland mit 227 auf eben dieser Fläche. Es wäre deshalb den euphorischen Wolfsenthusiasten dringend anzuraten, bei ihrem rosaroten Blick auf ein 'wildes Wolfs-Niedersachsen' die Augen auch einmal auf jene Literatur zu richten, in der wolfserfahrene Praktiker die Folgen beschreiben, wenn sich Wolfspopulationen in dicht besiedelten Landschaften 'ungesteuert' entwickeln (dürfen). Warum also ducken wir Jäger uns weg und machen nicht den Rücken gerade? Unter unseren Augen erlischt eine Wildtierart, zu deren Hege und Erhalt wir (nicht nur gesetzlich) verpflichtet sind!
Der Wolf kann unsere Artenvielfalt bereichern. Aber nur zu den Rahmenbedingungen, in denen sich auch das Miteinander jeder anderen wildlebenden Tierart gestaltet, die in unserer 'Legoland'-Landschaft lebt, leben kann und soll. Wer das verneint und von einer 'grenzenlosen' Freiheit für Wölfe in Deutschland träumt, ist für mich ein Phantast. Oder ist es Vision, für die Wölfe Gebiete menschenfrei zu schaffen?
Rüdiger Wnuck




KOMMENTAR ARCHIVIEREN DRUCKEN _______________________________________

Kommentare

Sie können diesen Artikel kommentieren und mit jagderleben.de-Lesern und der Redaktion über das Thema diskutieren. Zum Kommentieren bitte anmelden.



Anzeige
JAGDWETTER
Deutschland Österreich Schweiz Wetter Mondlicht Österreich Mondlicht Deutschland Mondlicht Schweiz Aussichten für Deutschland, Österreich und die Schweiz - reviergenau, tagesaktuell Deutschland Österreich Schweiz -8° -5° -7°
Anzeige
Anzeige
BILDERSERIEN

Bilder von der Hirsch-Rettung

Drahtgeflecht fhrte dazu, dass sich die Kontrahenten verkmpften. Foto: Loitfellner Vorsichtig nherte sich der erfahrene Jger den Tieren. Foto: Loitfellner Der Grnrock kannte die Geweihten durch die sechs monatige Winterftterung. Foto: Loitfellner Glcklicherweise beruhigte sich der noch lebende Hirsch... Foto: Loitfellner ... als der Waidmann auf ihn einredete und an den Stangen fasste. Foto: Loitfellner Wieder frei wechselt das Stck in seinen Einstand zurck. Foto: Loitfellner Dem anderen war durch die Befreiungsversuche wohl das Rckgrat gebrochen. Foto: Loitfellner

1. uJ-Keiler-Cup

Andreas Telm (l.) und Frank Luck bei der Ansprache. Foto: FS Sehenswert: Pokal des 1. uJ-Keiler-Cup. Foto: FS Die Hauptpreise: Zeiss Victory V8 1,1-8x30, Mercury Bchse und Steiner MRS sponsored by Frankonia, Zeiss Fieldshooting Event 2017 in Ulfborg und ein individuell gravierters Puma-Messer Saubart. Foto: FS In der 25-Meter-Duelhalle mussten die Schtzen ihr Knnen mit dem FLG unter Beweis stellen. Foto: FS Zwischen den Disziplinen war Zeit, um sich auszutauschen. Foto: FS Zufriedene Teilnehmer des 1. uJ-Keiler-Cup. Foto: FS Konzentriert lauschen dieses beiden Schtzen der Ansprache. Foto: FS Einer der drei mit hochwertigen Preisen bestckten Tische. Foto: FS Die Blaser R8 Professional Success mit Schalldmpfer weckte das Interesse der Schtzen. Foto: FS Mithilfe der uJ-Organscheibe wurden auf der 100-Meter-Bahn die Treffer ausgewertet. Foto: FS Gemtliches Puschen zwischen den Disziplinen. Foto: FS Frankonia und Steiner traten nicht nur als Sponsoren auf, sie prsentierten den Teilnehmern vor Ort Produkte. Foto: FS

Mangold-Kalender 2017

JOBS DER WOCHE
Alle Stellenangebote anzeigen
BRANCHENBUCH