Verlockend: Lockstoffe für die Fuchsjagd


Passionierte Fangjäger haben im Laufe der Zeit oft ein Spezialrezept für ihre Fallen entwickelt, um auch den vorsichtigsten Fuchs hineinzulocken. Doch in den vergangenen Jahren sind auf dem Markt einige neue Lockmittel aufgetaucht, deren Hersteller behaupten, das „universelle Wundermittel“ entwickelt zu haben. Wir wollten es genauer wissen und haben sieben Produkte im Revier getestet.

In einem lichten Buchen-Eichen-Bestand legten wir sieben „Probepunkte“ fest. Diese waren jeweils 300 bis 400 Meter voneinander entfernt. Jeder Lockstoff wurde auf einen Schwamm aufgetragen und mit einem Draht an einem Baum in einer Höhe von 50 Zentimetern befestigt. Vor jedem Schwamm installierten wir eine Dörr Wildkamera, um die Lockstoffe Tag und Nacht zu überwachen. Der Testzeitraum betrug vier Wochen. In dieser Zeit wurden weder das Lockmittel erneuert noch die „Probepunkte“ aufgesucht. Der Test sollte zeigen, wann, wie oft und wie lange der Lockstoff Füchse interessierte. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass ein und derselbe Fuchs an mehreren Lockstoffen Interesse hatte. Auch anderes Raubwild wie Dachs, Marder und Waschbär zeigten sich vor den Lockstoffen, wie die Wildkameras verrieten.

 

Echter Fuchsurin verbreitete anfangs einen scharfen Geruch. © Florian Standke

Echter Fuchsurin verbreitete anfangs einen scharfen Geruch.

Fuchsbrunz

Bei Kieferles Fuchsbrunz handelt es sich um reinen Fuchsurin. Mit diesem Lockstoff macht sich der Jäger das Territorialverhalten der Rotröcke zunutze. Zum einen weckt er Interesse, zum anderen schafft er Vertrauen, da bereits ein Artgenosse an diesem Ort gewesen sein muss. Der Lockstoff wird in einer 100-ml-Flasche geliefert und kann tropfenweise ausgebracht werden. Der ­scharfe Geruch ist sofort wahrnehmbar.
Ergebnis: Drei Tage nach dem Ausbringen des Lockmittels zeigte sich der erste Fuchs vor der Wildkamera. Er schien Interesse zu haben, hielt aber Abstand. Nach der ersten Fuchssichtung zeigte sich kein Rotrock mehr auf den Fotos. Für die menschliche Nase war nach dem Test kein Geruch mehr wahrnehmbar. Preis: 12 Euro.

 

Wildmagnet wird aus einer Tube ausgebracht. © Florian Standke

Wildmagnet wird aus einer Tube ausgebracht.

Wildmagnet

Der Lockstoff wird in einer kleinen Tube (30 g) geliefert und als Universallockmittel angepriesen, das auch Schalenwild anziehen soll. Es ist ein fester bräunlicher Brei mit kleinen Körnern. Beim Ausbringen war kein Geruch wahrnehmbar. Laut Hersteller genügt ein kirschkerngroßer Klumpen, um Wild zu locken. Ergebnis: Es dauerte eine Woche, bis sich der erste Fuchs vor der Kamera zeigte. Danach war lange keine Bewegung vor dem Testschwamm zu verzeichnen. Doch kurz vor Ende der vierwöchigen Testphase interessierte sich Reineke noch mal fürs Lockmittel. Preis: 16 Euro.

Dank Sprühflasche leicht aufzutragen. © Florian Standke

Dank Sprühflasche leicht aufzutragen.

Anis Ultra

Anis wird schon lange zum Locken verschiedener Wildarten genutzt. Der würzige Geruch soll Schalenwild und Raubwild gleichermaßen betören. Geliefert wird der Lockstoff in einer kleinen 50-ml-Sprühflasche. Dank des Sprühkopfes kann die Flüssigkeit sehr gezielt ausgebracht werden.
Ergebnis: Nach dem Ausbringen ist der intensive Geruch sofort wahrnehmbar. Bereits wenige Sprüher genügten, und der Testschwamm war mit dem Lockstoff gefüllt. Der Duft war auch noch nach vier Wochen zu riechen. Der erste Fuchs zeigte sich bereits am ersten Abend nach dem Ausbringen des Lockstoffes. Die Lockwirkung hielt die gesamte Testphase an. Regelmäßig war Raubwild auf der Wildkamera. Neben Füchsen interessierte sich auch Schwarzwild für Anis Ultra. Preis: 17,90 Euro.


Eike Mross Der Redakteur der UNSERE JAGD stammt aus dem Grenzgebiet von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt an der Elbe. Er ist leidenschaftlicher Sauen- und Rehwildjäger. Weitere Interessen sind Wildbiologie sowie Bau- und Fallenjagd.
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