Mit schrägem Vogel zur Weltmeisterschaft

Dynamisch: Für den Rehbock gibt<br>es kein Entkommen. Foto: Bettina Diercks © Bettina Diercks

Mit einem Sprung versucht der Rehbock seinem Jäger zu entkommen. Doch der Luchs hat ihn bereits gepackt. Die dramatische Szene spielt sich wenige Schritte vor den Augen der Besucher ab. Groß ist die Versuchung, dazwischen zugehen. Doch das würde nicht nur den Zauber brechen, sondern es ist auch streng verboten. Bei der Präparatoren-Weltmeisterschaft, bei der 130 Präparatoren aus 22 Ländern ihre Meisterwerke ausstellen, gilt: „Nur gucken, nicht anfassen!“ Allein den 14 internationalen Juroren der „The World Taxidermy Championships“ ist es gestattet, die Exponate zu berühren. Vorsichtig streichen sie über Bälge, begutachten deren Haltung und füllen Bewertungsbögen aus.
Die Juroren haben in diesen Tagen viel zu tun, denn es gilt aus 402 Präparaten, dazu in 17 verschiedenen Kategorien (z. B. „Kleine Vögel“, „Kleine Säugetiere“ oder „Kopf-Schulter-Präparate“), die Besten ihrer Art zu finden. Mit leblos von der Trophäenwand glotzenden Rehhäuptern, wie man sie früher in Jagdzimmern und verrauchten Dorfkneipen fand, haben die Kunstwerke nichts zu tun. Materialien, Technik und Anspruch haben sich deutlich weiterentwickelt.

Auf der Jagd nach Punkten

Afrika pur: Ein Alter Kaffernbüffel<br>mit Madenhacker. Foto: 
Bettina Diercks © Bettina Diercks

Afrika pur: Ein Alter Kaffernbüffel<br>mit Madenhacker. Foto: Bettina Diercks

Wer in Salzburg den Titel „Best in World“ erhalten möchte, muss nicht nur die höchste Punktzahl in der jeweiligen Kategorie erreichen, sondern das Präparat muss auch mit über 90 Punkten bewertet worden sein. Zusätzlich werden in Salzburg erste Plätze (ab 90 von 100 Punkten) vergeben. Zu erkennen sind diese Meisterstücke an der blauen Schleife. Mit dem zweiten Platz werden Präparate ausgezeichnet, die 80 bis 89 Punkte erreichen. Sie tragen eine rote Schleife. 70 bis 79 Punkte (gelbe Schleife) reichen für den dritten Platz.
Der Wettbewerb ist nicht nur in diverse Kategorien unterteilt, sondern auch in drei Leistungsklassen: Master, Professional und Novice. Während es sich bei den Novicen um Einsteiger und Jugendliche handelt, die auf dem Gebiet der Taxidermy die ersten Schritte wagen, messen sich bei den „Professionals“ Präparatoren, die bereits sehr viel Erfahrung haben. „Master“ stellt die höchste aller -Klassen dar - die Champions League gewissermaßen. Wer hier gewinnt, darf sich „Master of Masters“ nennen.

Berliner Überflieger

Perfekt: Robert Stein wurde mit seinem Kea nicht nur Weltmeister, sondern auch „Best of Show“. Foto: Bettina Diercks © Bettina Diercks

Perfekt: Robert Stein wurde mit seinem Kea nicht nur Weltmeister, sondern auch „Best of Show“. Foto: Bettina Diercks

In diesem Jahr schoss Robert Stein vom -Naturkundemuseum Berlin – natürlich nur im übertragenen Sinne – den Vogel ab. Der 31-Jährige hatte einen Kea (Bergpapagei) so lebensgetreu präpariert, dass die Juroren glänzende Augen bekamen. „Wirklich authentisch“, lobte einer der Richter. Haltung, Augen, Gefieder und Umsetzung seien einfach perfekt. „Ich habe stundenlang in der Voilere gesessen, um die Vögel zu studieren“, erklärt Robert Stein. Doch er habe auch viel Glück gehabt, sagt er: „Der Kea war einfach super im Gefieder.“ Am Ende gewann er mit dem Prachtstück nicht nur die Weltmeisterschaft in der Kategorie „Kleine Vögel“, sondern bekam auch noch die Auszeichnung „Best of Show“ und gewann den „Simon T. Blackshaw Award“. Mehr geht nicht. Oder etwa doch? Und ob! Denn der Berliner gewann mit seinem Sperbergeier auch bei den „großen Vögeln“.

Deutschland räumt Titel ab

Neben Stein schuf auch Jan Panninger aus Stuttgart ein außergewöhnlich gutes Stück. Er präparierte einen Nasenbärwelpen, der gerade gewogen wird. „Der sieht aus, als würde er leben und einem sagen: ,Nimm mich und bring mich zurück‘“, schwärmte ein Juror. Dafür wurde der Präparator mit dem Titel „Best in World“ in der Kategorie „Kleine Säugetiere“ belohnt. Auch Christian Blumenstein aus Potsdam überzeugte: Mit seiner „Hausspitzmaus-Karawane“ wurde er Weltmeister in der Klasse „Gefriergetrocknet/PEG“. Thomas Bauer siegte beim „Livemodellieren“ mit seinem Muffel–Widder. Detlev Gregorczyk schloss den deutschen Siegerreigen. Er wurde in der Kategorie „Reproduktion und Nachbildung“ mit einer überdimensionalen Kaisermantel–Puppe Weltmeister. Larry Blomquist, Eigentümer der „The World Taxidermy Championships“ überlegte während der Siegerzeremonie bereits laut, den Wettbewerb 2016 erneut in Salzburg auszutragen. Schön wär’s!
Bettina Diercks


Die Gewinnerliste als PDF-Dokument finden Sie hier.