Jagdspaniel: Sauhunde von der Insel

1 Cocker Spaniel „Dakar“ und „DaVinci“ warten auf ihren Einsatz.


Ach Gottchen, sind die niedlich. Und wie süß sie gucken.“ Christian Stahl kennt diese Reaktion der meist weiblichen Jagdteilnehmer, wenn er seine beiden Cocker Spaniel „Dakar“ und „DaVinci“ aus dem Auto lässt. Die zierlichen, etwa 40 Zentimeter hohen Hunde mit dem seidigen Fell wedeln fröhlich jeden an. Sie sind quirlig und freuen sich, so viel Aufmerksamkeit der Umstehenden zu bekommen. Die aus England stammende Rasse gibt es in Deutschland zwar häufig, ist aber auf großen Bewegungsjagden ein seltener Anblick.

Von den neun Jagdspaniel-Rassen (Englisch Cocker Spaniel, American Cocker Spaniel, English Springer Spaniel, Welsh-Springer Spaniel, Field Spaniel, Sussex Spaniel, American Water Spaniel, Clumber Spaniel und Irish Water Spaniel) sind heute zwei dabei, um den Schwarzkitteln Beine zu machen. Einige English Cocker in den unterschiedlichsten Farbvarianten warten schon darauf, von der Leine gelassen zu werden. Es gibt sie in rot, schwarz-weiß, orange-weiß, braun-weiß und, und, und …

Sauen stecken in der Dickung

Gleich geht es für die beiden Spaniel und den Jagdterrier los.


Die etwas größeren braun-weißen, English Springer Spaniel bekommen gerade ihre Sauenschutzwesten angelegt. Ob diese scharf an den Sauen jagen, werden die kommenden Stunden zeigen. Die Stöbereigenschaften und ihr unermüdlicher Arbeitswille eilt den Hunden von der Insel voraus. Doch ging es dort drüben hauptsächlich auf Federwild und nicht auf wehrhaftes Schwarzwild. So soll zum Beispiel der vor 300 Jahren erstmals erwähnte Cocker Spaniel seinen Namen vom englischen Wort Woodcock (Schnepfe) haben.

Langsam setzt sich die Hundetruppe in Bewegung. Christian Stahl ist nicht zum ersten Mal hier und kennt sich daher bestens aus. Er geht voran. Die Dickungen sollen voller Sauen stecken. Das Kommando, das Treiben zu beginnen, knackt durchs Funkgerät. Kaum sind die kleinen Stöberhunde von der Leine, verschwinden sie im Unterholz. Das Treiben beginnt langsam im lichten Buchenaltholz. Ein Reh bringt sich mit weiten Sätzen als Erstes in Sicherheit. Nur wenige hundert Meter weiter ist Hundelaut in einer Fichtendickung zu hören. Schnell schließen sich weitere Hunde an. Es entsteht ein kleiner Tumult. Christian Stahl schaut auf seinen Tracker und setzt sich rasch in Bewegung.

Mit vereinten Kräften sprengen die Hunde die Schwarzwildrotte.


„Dakar“ und „Da Vinci“ sind beide standlaut. Schnellen Schrittes nähert er sich der Dickung. Nun hört man auch das wütende Grunzen der Sauen und das Getrampel ihrer Schalen. „Die Hunde sind nur 20 Meter vor uns“, ruft Christian. Da purzeln die beiden Vierbeiner auch schon rückwärts aus den Fichten. Einige Überläufer haben sich entschlossen, den Angreifern Feuer unter den Hintern zu machen. Den beiden Cockern ist nichts passiert, und so stürzen sie sich wieder in das Getümmel. „Ich gehe rein!“ gibt der 50-jährige seinen Kollegen über Funk Bescheid.

In der Dickung haben die Schwarzkittel eine Wagenburg gebildet und weichen vor den Hunden keinen Zentimeter zurück. Immer wieder machen sie kleine Ausfälle, um besonders aufdringliche Jagdhunde zu vertreiben. Als sie den Hundeführer eräugen wird es ihnen dann doch zu viel. Sie brechen weg. Ein Überläufer flüchtet nur wenige Zentimeter an Christian vorbei, der ihn mit dem Lauf seiner Waffe auf Abstand hält.

Als seine beiden Jagdhelfer wieder da sind, kontrolliert er sie auf Verletzungen. Beide Hunde tragen Sauenschutzwesten der Firma „Bunter Hund“, die Christian Stahl vor fünf Jahren gegründet hat. Jede Weste ist individuell angepasst und nach den Wünschen und Erfahrungen der Jäger gestaltet. Auch die Springer Spaniels von Sabine tragen Christians Westen. Sie sollen etwas schärfer an den Sauen arbeiten und auch mit zupacken, wenn krankes Wild gebunden wird.

Mit den Sauen auf Tuchfühlung

Flüchtig geht vor den Treibern eine Sau aus der Dickung – ein Überläufer.


Das Treiben geht weiter. Vor einer großen Dickung wird gewartet, bis mehr Hunde da sind, um gemeinsam den Bereich durchzudrücken. Da erklingt schon wieder Standlaut. Ein Blick auf sein GPS-Gerät verrät dem Hundemann, dass auch seine beiden wieder am Schwarzwild arbeiten.

Er rennt los. Als er den Bail erreicht, haben vier Hunde, darunter auch die Cocker Spaniels, einen kranken Frischling gebunden. Ohne zu zögern fängt der Sauerländer das Stück ab. Nach einer kleinen Verschnaufpause geht’s weiter. Immer wieder machen die tapferen Finder Sauen hoch. Dann ist Mittagspause. Nicht nur die wuseligen Engländer freuen sich über eine halbe Stunde Ruhe und etwas im Magen. Auch die Hundeführer stehen dichtgedrängt ums Lagerfeuer.


Nach einer Portion Suppe geht es weiter. „Dakar“ startet als Erster durch und nimmt eine frische Fährte auf. Kaum in der Dickung verschwunden, kracht es auch schon auf der anderen Seite. Zwei Überläufer wollten sich aus dem Staub machen. Der eine liegt am Anschuss, der zweite ist noch geflüchtet. „Dakar“ bleibt ihm auf der Fährte. Seine feine Nase führt ihn zu dem kranken Stück. Durch seinen Standlaut angelockt, schlagen sich auch die Springer Spaniels von Sabine und andere Hunde dem Bail bei.

Gemeinsam halten sie den Schwarzkittel fest, bis ein Hundeführer ihn erlösen kann. Eine bunte Truppe wuselt jetzt um die Sau: Terrier, Weimaraner, Teckel, Kopov und die Spaniels. Keiner zankt sich oder knurrt den anderen an. Die Ruhe hält nicht lange vor. Die Hunde haben ein kleines Rudel Rotwild aufgestöbert, das flüchtig abgeht. Ohne Pause stöbern die Spaniels weiter. Sie scheinen voll in ihrem Element zu sein. Von „harmlosen Mädchenhunden“ keine Spur. Auch Wasser nehmen sie gerne an.

Auch Enten gehören zum Repertoire

Am Ende der Jagd sind Hund und Führer geschafft und freuen sich auf etwas Ruhe.


Ein weiteres Einsatzgebiet der eifrigen Engländer ist die Entenjagd. Dabei stöbern sie die Breitschnäbel im Schilf auf und bringen die erlegten Vögel dem Jäger. Doch heute müssen die Spaniels erstmal durch einen Sumpf und einen Graben, um an die Sauen zu kommen. Ohne zu zögern springen sie ins eiskalte Nass, vor dem sie dank ihres dichten Fells gut geschützt sind.

Am anderen Ufer angekommen, bleibt kaum Zeit zum Schütteln, schon geht es weiter. Auch das zweite Treiben steckt voller Sauen, die von den Vierbeinern auf die Läufe gebracht werden. Als am Abend ein leichter Schneeregen einsetzt, sind alle froh, dass die Jagd für heute vorbei ist. Die Treiber und Hundeführer helfen noch eine Weile beim Wildbergen. Dann wird Strecke gelegt.

Über 100 Sauen zehn Stück Rotwild und 15 Rehe konnten gestreckt werden, alle sind zufrieden. Der Jagdleiter dankt den Hundeleuten für ihre Arbeit. Die Spaniels hören das Lob schon nicht mehr. Eng in die Hundebox gekuschelt, schlummern sie schon im Kofferraum und träumen von den Schwarzkitteln, die sie auf der nächsten Jagd in Bewegung setzen werden.


Eike Mross Der Redakteur der UNSERE JAGD stammt aus dem Grenzgebiet von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt an der Elbe. Er ist leidenschaftlicher Sauen- und Rehwildjäger. Weitere Interessen sind Wildbiologie sowie Bau- und Fallenjagd.
Thumbnail