Jagd auf Schwarzwild mit Taschenlampen


Lediglich die Sterne und eine dünne Mondsichel stehen am klaren Winterhimmel. Dem in der Dunkelheit besonders geschärften Gehörsinn des Jägers entgeht auf seiner Kanzel das Rascheln im Bestand nicht. Angespannt lauscht er dem lauter werdenden Knacken – Sauen! Vertraut treten die Schwarzkittel aus, verteilen sich auf der Kirrung. Der Weidmann backt seine Büchse an und stellt seinen Fuß auf ein Pedal. Die an der Kanzelbrüstung befestigte Taschenlampe taucht die Kirrung in langsam heller werdendes rotes Licht.

Im Glas erkennt er erst nur die Umrisse, doch mit zunehmendem Licht kann er die Stücke deutlich ansprechen. Die Sauen scheint es nicht zu stören – sie brechen munter weiter. Da zerreißt ein Schuss die nächtliche Stille. Die Rotte verlässt zügig die Kirrung, verhofft kurz im Bestand und zieht dann zurück in die sichere Dickung. Nach einigen Minuten des Wartens baumt der Jäger ab, um den properen Frischling in Besitz zu nehmen, der im roten Schein der Lampe liegt.

Mit künstlichen Lichtquellen die Jagd auf Schwarzwild auszuüben – vielen Jägern missfällt dieser Gedanke. Sie halten es schlichtweg für unfair dem Wild gegenüber. Zusätzlich befürchten sie, dass diesem aufgrund der Lampen keinerlei Rückzugsmöglichkeiten mehr gegeben werden könnten. Andere begrüßen wiederum die Freigabe der technischen Hilfsmittel, da sie letztlich ein sicheres Ansprechen und Erlegen erlauben. Ich für meinen Teil sehe den Waidmann in der Pflicht, die künstlichen Lichtquellen verantwortungsbewusst einzusetzen.

Das Rundum-sorglos-Paket aus Österreich: „Der Schweinwerfer“. © David Ris

Das Rundum-sorglos-Paket aus Österreich: „Der Schweinwerfer“.

Seuchenprävention mit Lampe

Die hohe Bestandsdichte und das unstete Verhalten der Sauen sind nach Ansicht der Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts große Risikofaktoren für die Verbreitung der ASP. Daher sahen sich einige Bundesländer zum Handeln gezwungen und suchten nach Möglichkeiten, die Jagd auf Schwarzwild zu intensivieren und zu erleichtern. Vor allem wollte man die Jäger unabhängig von der Mondphase machen. Und so entfiel das Verbot der künstlichen Lichtquellen.

Unter deutschen Jägern gibt es bisher nur wenige, die über Praxiserfahrung verfügen. Hauptsächlich findet man solche unter den Auslandsjägern, die in Ungarn, Österreich oder den USA auf Jagd gehen. Eine künstliche Lichtquelle zur Saujagd zu nutzen, ist dort nichts Verwerfliches. Mein Bekannter Michael ist ein jagdlicher Globetrotter. Dabei haben es ihm wilde Schweine besonders angetan, egal ob Warzenkeiler in Afrika, Razorbacks in den USA oder das klassische Wildschwein in Ungarn. Kein Wunder, dass ich ihn sofort anrufe, um ihn zum Thema künstliche Lichtquellen auszuhorchen.

Die Qual der Lampenwahl

Text der Bildunterschrift.


Laserlampen nutzt er nicht. „Der Lichtkegel ist mir zu begrenzt, und es gibt keine, die sich dimmen lässt. Ich will eine gute Ausleuchtung der Kirrung, damit ich nicht das Licht nachführen muss, wenn die Sauen sich bewegen. Und das erreiche ich mit den LED-Lampen auf die üblichen Distanzen an der Kirrung sehr gut“, führt der passionierte Sauenjäger aus.

Er ergänzt: „Deshalb verstehe ich die Diskussion um die Montage direkt an der Waffe auch nicht. Zum einen ist es bei den üblichen LED-Lichtkegeln nicht nötig – und zum anderen verführt es dazu, die Sauen direkt anzuleuchten. Außerdem wird häufig ein eventuell vorhandenes Korn angestrahlt – das kann im Glas ganz schön irritieren.“ Lediglich wenn der erfahrene Schwarzwildjäger Sauen nachts auf dem Feld angeht, nutzt er seine Taschenlampe mit dem kabelgebundenen Dimmer. Diese befestigt er mit Gewebeband an seinem Zielstock. Den Dimmer bedient er mit der Hand, die die Auflage greift.

 

Auch mit einem „GorillaPod“ lässt sich die Lampe am Hochsitz befestigen. © David Ris

Auch mit einem „GorillaPod“ lässt sich die Lampe am Hochsitz befestigen.

Bei der Farbe habe er lediglich die Erfahrung gemacht, dass Blau und Weiß in der Regel schlecht ausgehalten werden. Grün sei recht praktikabel, er bevorzuge jedoch klar Rotlicht. Dies deckt sich auch mit den Beobachtungen aus der Wildbiologie. Denn das Farbsehen ist nicht alles! Vielmehr sind es die auf Dämmerungsleistung ausgelegten Seher, die der Jäger bedenken sollte. So sind die lichtempfindlichen Stäbchen überproportional auf der Netzhaut des Schalenwildes vertreten. Wird es angestrahlt, erkennt es also immer noch den Helligkeitsunterschied!

Die genutzte Lampe sollte daher über mehrere Intensitätsstufen verfügen. Denn in der Regel reicht die „Sparflamme“ vollkommen aus. „Optimal sind Lampen, die sich dimmen lassen, aber da muss man ein wenig nach suchen – ich hab kürzlich in Österreich ein gut funktionierendes System gefunden. Aber das zeige ich dir nachher im Revier“, führt Michael weiter aus.

Ein Klemmstativ ist eine Möglichkeit, die Lampe am Sitz zu befestigen. © David Ris

Ein Klemmstativ ist eine Möglichkeit, die Lampe am Sitz zu befestigen.

Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir das Waldrevier meines Bekannten. Im Auto reden wir intensiv über Michaels Taktik, das Wild anzuleuchten, ohne es zu vertreiben. „Am Anfang haben wir in Ungarn die Sauen direkt mit starkem Rotlicht angeleuchtet – nach dem Motto viel hilft viel. Das hat ab und an mal funktioniert, aber die intelligenten Schwarzkittel haben unglaublich schnell dazugelernt. Dann sind wir dazu übergegangen, mit den Lampen über die Sauen zu leuchten – meist mit der schwachen Einstellung. So bekommt das Wild zuerst das Streulicht ab und es wird dann langsam heller. Das war aber schlichtweg unpraktisch. Ein befreundeter Bogenjäger aus den USA hat mir den Tipp mit den dimmbaren Lampen gegeben. Und das geht richtig gut“, erklärt mein Jagdfreund.

An einer seiner Kirrungen angekommen, zeigt er mir sein neues Setup, das von dem Österreicher Alexander Weinbacher entwickelt wurde: den „Schweinwerfer“. Mittels eines Klemmstativs mit Kugelkopf wird eine Taschenlampe mit roter LED an der Kanzelbrüstung installiert und ausgerichtet. Als Stromversorgung dient eine Powerbank. Und dann positioniert Michael noch das dazugehörige Fußpedal auf dem Hochsitz:

„Damit lässt sich die Lampe stufenlos dimmen – während ich im Anschlag bin! Früher habe ich mit einem kleinen Klemmstativ und einer dimmbaren Taschenlampe gejagt, das ging auch gut. Aber das Fußpedal ist einfach klasse, weil beide Hände frei sind“, Michael ist schwer begeistert. Wir verbringen den Abend gemeinsam auf dem Hochsitz. Leider lassen sich die Sauen heute nicht blicken. Aber eines ist sicher: Ich werde es demnächst auch mal mit der Lampe auf Sauen probieren.


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