Gutachten zum Wolf: Der Balg ist reif


Für längere Zeit waren Wölfe in Deutschland ausgerottet. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich Canis lupus auch bei uns wieder in starker Kopfzahl etabliert. Er ist jedoch quasi in ein anderes Land gekommen. Seit seiner Ausrottung hat sich Deutschland noch weiter in Richtung Kulturlandschaft gewandelt. Nicht überall findet der Wolf bei uns ideale Habitate, was ihn jedoch nicht an der Ausbreitung hindert. Das Beutespektrum des Wolfs und seine weitere Ausbreitung bedingen eine stetig wachsende Zahl von Übergriffen auf Nutztiere. Mit steigender Wolfszahl werden Mensch-Wolf-Begegnungen zunehmen.

Niemand kann ausschließen, dass unter Umständen auch Menschen vom Wolf angegriffen werden. Bleiben Annäherungen des Wolfs an den Menschen dauerhaft ohne Konsequenzen für die Wölfe, ist mit solchen An- und Übergriffen verstärkt zu rechnen. Die von vielen Wolfsbefürwortern in diesem Zusammenhang stets ins Feld geführte „natürliche Scheu“ des Wolfs ist in die Kategorie Schutzbehauptung einzuordnen. Es ist in diesem Zusammenhang verantwortungslos, gut dokumentierte Übergriffe und Angriffe des Wolfs auf den Menschen auch in jüngster Vergangenheit als übertrieben oder gar als Märchen abzutun.

4 Der junge Rüde samt Schützen und einem weiteren Jäger.


In unserem Land gibt es drei Fraktionen mit unterschiedlicher Einstellung zum Wolf. Einige Hardliner meinen, er habe in unserer Kulturlandschaft nichts zu suchen und müsse ausgerottet werden. Bedenkt man, welche Konsequenzen die Anwesenheit dieses Topprädators für die Weidewirtschaft hat, kann man Verständnis für diese Haltung aufbringen. Diejenigen, die den Wolf unter allen Umständen total schützen wollen und jegliche jagdliche Regulierung vehement ablehnen, stellen ebenfalls eine Hardlinerfraktion dar, die sich vorwiegend aus urban geprägten Menschen speist.

Für sie ist der rechtliche Schutzstatus des Wolfs unantastbar. Es wird immer wieder auf den geforderten „günstigen Erhaltungszustand“ hingewiesen, der bei unseren Wölfen in Deutschland noch nicht erreicht sei. Zweierlei wird dabei außer Acht gelassen. Einmal ist die Zahl von 1.000 adulten Individuen theoretisch für Wildwiederkäuer abgeleitet und bezieht sich auf eine Population. Außerdem sind unsere Wölfe ganz sicher keine eigene Population im Sinne der FFH-Richtlinie.

Streitpunkt Europäische Population

Die Versuche, europäische Wolfspopulationen zu definieren und gegen einander abzugrenzen, haben wenig mit dem Genaustausch zwischen europäischen Wölfen zu tun. Man kann diese Populationen als Subpopulationen einer Metapopulation auffassen, die vollständig in einem Zusammenhang stehen. Keinesfalls darf jede Population als isoliert im Sinne der FFH-Richtlinie betrachtet werden. Separat für jede dieser benannten Populationen einen günstigen Erhaltungszustand mit 1.000 geschlechtsreifen Individuen zu fordern, ist weder rational noch dient diese Forderung dem Artenschutz in Anbetracht der schon jetzt bestehenden Konflikte. Unsere „deutschen Wölfe“ als Teil einer eurasischen Metapopulation sind bereits heute in einem günstigen Erhaltungszustand.

Die dritte Fraktion sagt ja zum Wolf, aber er muss, wie alle größeren Tierarten bei uns, mit jagdlichen Mitteln an die Landeskultur angepasst werden. Dadurch wird er nicht ausgerottet, jedoch werden Konflikte minimiert, auch deshalb, weil Isegrim durch die Bejagung seine Scheu vor dem Menschen beibehält. Die Fakten zum Erhaltungszustand des Wolfs in Mitteleuropa liefern keine ausreichende Begründung für eine weitere Einordnung dieser Tierart in höchste Schutzkategorien. Die Bundesregierung sollte daher verstärkt dazu aufgefordert werden, sich für eine Überführung des Wolfs in Deutschland von Anhang IV der FFH-Richtlinie nach Anhang V einzusetzen. Dass dies möglich ist, zeigen beispielsweise die baltischen Staaten.

Hier finden Sie das komplette Gutachten zum Wolf, den vollständigen Artikel dazu lesen Sie in der November-Ausgabe der unseren Jagd.


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