Futter-Vorrat: Eicheln, Kastanien und Co

Reichlich Mast für Dam- und Rotwild


Wenn im Herbst die Kastanien fallen, finden sich unter den Alleebäumen Scharen von Eltern mit kleinen Kindern ein. Sie sammeln die dunkelbraun glänzenden Früchte, um die für die Herbstzeit typischen Kastanienmännchen zu basteln. Dort, wo Schalenwild – insbesondere aber Dam- oder Rotwild – vorkommen, sammeln auch Jäger alljährlich gern das wertvolle Futter, um sich einen Vorrat für den Winter anzulegen.

Die Rosskastanie kam in der Mitte des 16. Jahrhunderts aus Kleinasien nach Mitteleuropa. In früheren Hofjagdrevieren und Wildparks erkannte man aber sehr schnell den Beliebtheitsgrad, den die Früchte beim Damwild genießen. Die schnellwüchsigen Bäume ruktifizieren im Alter von 15 Jahren relativ früh und bringen jährliche Masten. Gerade Damwild ist oft dabei zu beobachten, dass es zur Zeit der Reife regelrecht unter den Bäumen auf herabfallende Kastanien wartet. Für Reh- und Muffelwild sind die Früchte in der Regel zu groß. Gehäckselt und entsprechend siliert, nehmen die beiden Wildarten diese jedoch gern an. Lediglich Schwarzwild hält von Rosskastanien gar nichts.

Die Ess- oder Edelkastanie spielt in unseren Breiten eine untergeordnete Rolle. Sie wächst aufgrund ihrer Standortansprüche nur in wärmeren Gegenden, also in den gemäßigteren Breiten Süd- und Mitteleuropas. Ihre Früchte sind zwar etwas kleiner, dafür aber bei allem Schalenwild, insbesondere den Schwarzkitteln, sehr beliebt.

Kastanien haben einen ähnlichen Nährwert wie Kartoffeln oder Weizen. Der Gehalt an Stärke und Proteinen ist gleich, wobei der Zuckeranteil deutlich höher ist. Durch diesen hohen Anteil an Kohlehydraten, bei gleichzeitig geringem Wassergehalt, sind die Früchte leicht verderblich, vertrocknen schnell und werden ruckzuck von Schimmelpilzen und Insekten befallen. Sie sollten dem Wild daher direkt angeboten oder sicher konserviert werden.

Beim Ankauf größerer Mengen Eicheln oder Kastanien stellt sich für den Revierinhaber ohnehin oftmals das Problem einer entsprechenden Lagerung, damit die leicht verderbliche Kost nicht schimmelt und damit unbrauchbar wird. Für eine befristete Lagerung ergeben sich für den Jäger unterschiedliche Möglichkeiten mit mehr oder weniger Arbeitsaufwand, die nachfolgend beschrieben werden.

In der Salzlake halten sich die Waldfrüchte ohne Probleme mehrere Monate.

Walnüsse lassen sich sehr gut in Kartoffelsäcken lagern.

In warmen Regionen ist die Esskastanie ein beliebtes und energiereiches Wildfutter.

Natürliche Mast im Revier nicht einsammeln!

Die Eicheln der heimischen Stiel- und Traubeneiche werden von allem Schalenwild, Enten, Tauben und Fasan gierig aufgenommen. Sie sind unter allen Waldfrüchten eindeutig die Favoriten. Die Früchte der aus Nordamerika stammenden Roteiche werden – wohl aufgrund der harten Schale – erst nach den heimischen Eicheln angenommen. Dadurch reichen sie aber oft bis ins kommende Frühjahr. Ein weiterer Vorteil sind die jährlichen Masten. Bucheckern, Hasel- und Walnüsse sind beim Schalenwild ebenfalls beliebt. Allerdings ist aufgrund ihrer Größe das Sammeln in lohnenswerten Mengen mühsam, sehr zeitaufwendig und somit entsprechend teuer. Diese Waldfrüchte wurden deshalb bei den bisherigen Betrachtungen ausgespart, wenngleich ihre Konservierung und Lagerung ähnlich verlaufen würde. Dort, wo sie natürlich vorkommen, sollte man sie unbedingt im Revier belassen!

Leider wachsen nämlich insgesamt gesehen in vielen Revieren zu wenig Mastbäume, um dem Schalenwild täglich frische Waldfrüchte vor den Äser fallen zu lassen. Die Mast der wenigen im Revier vorhandenen Bäume sollte deshalb nicht gesammelt werden. Das Wild findet sie schnell und kann sie gleich äsen.


Wildmeister Matthias Meyer Als Berufsjäger leitet er den Jagdbetrieb in der Fürst zu Oettingen-Spielberg’schen Forstverwaltung in Oettingen/ Bayern. Er ist außerdem erfahrener Schweißhundeführer und langjähriger PIRSCH-Autor.
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