Folge dem Schrei der Hirsche: Rotwildbrunft erleben

<b>Tolles Erlebnis: Warum nicht mal mit der Ehefrau zur Hirschbrunft an die Küste?</b>


Ein spannendes Erlebnis auch ohne Gewehr: Wer sich für die Hirschbrunft oder gar eine geführte Wanderung zu einem Brunftplatz interessiert, erhält hier Anregungen, wo es möglich ist, die"hohe Zeit"des Rotwildes in freier Wildbahn oder auch in großzügigen Wildparks mit zu erleben.

Hier sind Orte und Informationen dazu aufgelistet, die die Chance bieten,das fazinierende Schauspiel in den kommenden Wochen erleben und verfolgen zu können.

1. Mecklenburg-Vorpommern: Der Darß

Reiseziel: Westlich der Inseln Hiddensee und Rügen liegt die Ostseehalbinsel Darß. 5600 Hektar der Fläche gehören zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft – einem der schönsten Schutzgebiete Deutschlands.

Beste Sicht: Der Darßer Ort im Norden der Insel ist die absolute Top-Adresse. Dort kann das Rotwild mit der Ostsee im Hintergrund beobachtet werden. Vom Nothafen Darßer Ort bei Prerow beginnt ein Rundweg über Bohlenstege zum Weststrand/Leuchtturm. Von den Eichenbohlentürmen ist das brunftende Rotwild sehr gut zu sehen. An der Buchhorster Maase steht zudem eine Aussichtskanzel, die allerdings nur mit einer geführten Exkursion betreten werden darf. Karten-Verkauf in der Darßer Arche in Wieck (Tel.: 03 82 33-201).

Guter Rat: Frühes Kommen sichert die besten Plätze auf den Beobachtungsplattformen. Das Schwarzwild ist tagaktiv und lässt sich ebenfalls gut beobachten.

Kunst & Kultur: Im Herbst rasten auf dem Darß bis zu 60 000 Kraniche und unzählige nordische Gänse. Jäger sollten unbedingt das kleine Borner Forst- und Jagdmuseum Ferdinand von Raesfeld besuchen. (Chausseestraße 64, 18375 Born).

Entspannt ankommen: Anfahrt über B 105 und L 21. Der Darßer Ort und die Aussichtspunkte sind nur zu Fuß, per Fahrrad oder Pferdekutsche ab Prerow zu erreichen. Autos sind in diesem Teil des Nationalparks tabu.

Wohnen & Schlafen: Hotels, Ferienwohnungen, Häuser, Campingplätze, Privatunterkünfte stehen für den Urlaub zu zweit, mit Hund, mit Familie oder mit Freunden reichlich zur Verfügung.

www.fischland-darss-zingst.de

2. Mecklenburg-Vorpommern: Müritz-Nationalpark

Reiseziel: Der Müritz-Nationalpark befindet sich auf halber Strecke zwischen Berlin und Rostock, im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte. Das Gebiet ist über 32 000 Hektar groß. Mehr als 70 Prozent der Fläche sind mit Wald bedeckt, 13 Prozent mit Wasser. Der Rest besteht aus Mooren, Wiesen und Weiden. Rotwild kommt vor allem im westlichen Teil des Nationalparks vor.

Beste Sicht: Bis 30. September bietet das Nationalparkamt Müritz kostenlose Führungen an. Diese starten ab der Information in Schwarzenhof, jeweils Montag, Mittwoch und Samstag um 5.30 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Guter Rat: Am sichersten für die Brunftbeobachtung sind die Beobachtungstürme am Specker Horst zwischen Schwarzenhof und Boek.

Kunst & Kultur: Romantiker gönnen sich eine Kremserfahrt durch den Nationalpark. Start: ab Kargow. Im Müritzeum, Deutschlands größtem Süßwasseraquarium, werden in einer interaktiven Ausstellung die Schönheiten der Mecklenburgischen Seenplatte und des Müritz-Nationalparks gezeigt.

Entspannt ankommen: Mit dem Auto erreicht man von Westen kommend den Nationalpark von der A 19 von den Abfahrten Röbel (Müritz) oder Waren (Müritz) über die Bundesstraßen B 198 bzw. B 192. Aus südlicher Richtung besteht mit der B 96 aus Berlin eine direkte Verbindung nach Neustrelitz. Von Osten kommend, bietet sich die A 20 mit der Abfahrt Friedland an, von der eine Weiterfahrt in Richtung Neustrelitz über die B 198 möglich ist. Einfach auf die Wegweiser Richtung Nationalpark achten.

Wohnen & Schlafen: Bei einem der zertifizierten Müritz-Nationalpark-Partner (Hotels etc.) werden Besucher fündig.

www.mueritz-nationalpark-partner.de

3. Hamburg: Duvenstedter Brook

Reiseziel: Der Duvenstedter Brook ist mit rund 780 Hektar das zweitgrößte Naturschutzgebiet (NSG) der Hansestadt Hamburg und gilt als die Wiege der Giganten. Gemeinsam mit den NSG Wohldorfer Wald, Klein-Hansdorfer Brook und der Hunauniederung bildet er eine landschaftsräumliche Einheit und zugleich den ­größten Naturschutz­gebietskomplex im Hamburger ­Umland.

Beste Sicht: Das Rotwild lässt sich im Duvenstedter Brook von acht Aussichtspunkten beobachten. Hunde dürfen leider nicht ­mitgenommen werden.
Guter Rat: In keinem anderen ­Gebiet sind in den vergangenen Jahren so viele starke Hirsche gefallen!

Kunst & Kultur: Ein besonderes Schauspiel bieten an Herbst­abenden die Schlafplatzflüge der Stare. Bis zu 100 000 Vögel fallen dann im Schilf ein! Die ­Hamburger Innenstadt wartet mit unzähligen Sehenswürdigkeiten auf. Tipp: eine Stadt­rundfahrt mit der historischen Hochbahn Ringlinie U 3.

Entspannt ankommen: Zu erreichen ist der Duvenstedter Brook über die A 1, A 7, B 432 oder mit dem öffentlich Nahverkehr vom U-Bahnhof Ohlstedt, mit der U 1, drei ­Kilometer Fußweg entlang des Kupfer­redders, danach mit dem Bus 276 bis zur ­Haltestelle Duvenstedter Triftweg. Dann zu Fuß 20 Minuten entlang des Trift­weges. Dort befindet sich ein Naturschutz-Informationshaus mit einem Waldparkplatz.  

Wohnen & Schlafen: Die Übernachtungsmöglichkeiten (Hotels, Ferienwohnungen etc.) in der Hansestadt Hamburg und im Umland sind vielfältig. Da findet jeder eine passende Bleibe.

www.hamburg.de/familienurlaub

4. Sachsen-Anhalt/Nds.: Nationalpark Harz

Reiseziel: Rund um den 1141 Meter hohen Brocken erstreckt sich der ­Nationalpark Harz. Er entstand 2006 durch die Fusion der Nationalparke Hochharz (Sachsen-Anhalt) und Harz (Niedersachsen).

Beste Sicht: Bis zum 25. September bieten NP-Ranger Führungen zur Hirschbrunft im Bereich des Clausthaler Flutgrabens an. Start ist jeweils um 18 Uhr am Biathlonstadion Sonnenberg bei 37444 Sankt Andreasberg. (Anmeldung über  Tel. 0 55 82-91 89-41; E-Mail: unterwegs@nationalpark-harz.de) Eine weitere Beobachtungs-Möglichkeit besteht bei Bad Harzburg in der Nähe der ­Nationalpark-Waldgaststätte Molkenhaus. Ein schmaler Fußweg führt zur Kanzel.

Guter Rat: Rechtzeitig zu den ­Führungen anmelden! Eine barrierefreie Wildtier-Beobachtungsstation besteht seit 2010 im Odertal bei Sankt Andreasberg. Diese ist durch eine kurze Wanderung vom Wanderparkplatz Oderhaus zu erreichen.

Entspannt ankommen: Am besten erreichen Besucher den Harz über Goslar (A 7), Bad Harzburg (A 395) oder Wernigerode (B 6). Innerhalb des Nationalparks Busse oder die Schmalspurbahn benutzen.

Wohnen & Schlafen: Wer Wert auf einen Urlaub legt, der im Einklang mit der Natur steht, ist bei den ­Nationalpark-Partner in der Nationalparkregion Harz an der richtigen Adresse.

www.nationalpark-harz-partner.de

5. Brandenburg: Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Reiseziel: Nordöstlich von Berlin gelegen, befindet sich das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, Honeckers ­ehemaliges Jagdgebiet. Es ist mit 129 161 Hektar eines der größten Schutzgebiete Deutschlands und umfasst 240 Seen, Moore und Wiesen. 

Beste Sicht: Nahe Parlow-Glambeck (Landkreis ­Barnim) wird die Brunft zum Erlebnis. Von dort führt die Straße L 239 nach ­Joachimsthal. Bevor sie den Wald erreicht, rechts auf eine mehrere Hektar große ­Fläche achten. An deren Rand erhebt sich ein für ­Naturfreunde gebauter Hochsitz.

Guter Rat: Rotwild ist tagaktiv und mit etwas Glück zu jeder Zeit an­zutreffen. Eine bequeme Sitzge­legenheit ist bei längeren Warte­zeiten Gold wert.

Kunst & Kultur: Geschichtsinteressierte Weidmänner sollten unbedingt das Jagdschloss Hubertusstock (Joachims­thal) am Werbellinsee (786 ha) sowie das Jagdschloss in Groß Schönebeck besuchen, um auf den ­Spuren der Mächtigen ­(Friedrich Wilhelm I, Kaiser ­Wilhelm II, H. Göring, E. Honecker) zu wandeln. Empfehlenswert sind auch der Gedenkstein-Wanderweg (Kaisersteine) und der Rundweg um den Werbellinsee. Im nahege­legenen Wildpark Schorfheide können Wisent, Wolf, Luchs und zahlreiche andere Wildtiere ­beobachtet werden.

Entspannt ankommen: Auf der Autobahn A 11 Richtung Prenzlau die Abfahrt ­Joachimsthal nehmen. Von dort führt die etwa acht Kilometer lange Straße L 239 rechts ab nach Parlow-Glambeck. Etwa 500 Meter vor dem Ort direkt an der Straße auf einen Hochsitz achten.
Wohnen & Schlafen: Die Schorf­heide bietet unzählige Übernachtungsmöglichkeiten. Geheimtipp: Café Wildau am Werbellinsee oder das Ringhotel (Hubertusstock)!

www.schorfheide.de

6. Sachsen/Sachsen-Anhalt: Naturpark Dübener Heide

Reiseziel: Der Naturpark Dübener Heide befindet sich zwischen Wittenberg, Dessau und Leipzig. Seine Größe beträgt etwa 75 000 Hektar. Eingebettet in die Flusslandschaften von Elbe und Mulde prägt Mischwald das Landschaftsbild.

Beste Sicht: Gute Beobachtungsbedingungen bestehen von der Kanzel am Nordrand des Wildenhainer Bruchs bei Torfhaus. Vom Nordrand des Dorfes führt ein ausgeschilderter Weg in Richtung Wildenhain. Nach etwa einem Kilometer ist die Beobachtungskanzel erreicht.

Kunst & Kultur: Leip­zig, Halle und Dessau sind nur einen Katzensprung entfernt. Familientipp: „Neuseenland“ im Süden Leip­zigs und der Vergnügungspark Belantis. In Altjeßnitz (Anhalt-Bitterfeld) befindet sich der älteste Natur-Irrgarten Deutschlands.
Entspannt ankommen: Anfahrt über A 9 und A 14. Die B 183 ­zwischen Bad Düben und Torgau führt durch das Presseler Heide- und Moorgebiet mit seinem Kern, dem Zadlitz- und Wildenhainer Bruch.

Wohnen & Schlafen: So abwechslungsreich wie die Region, so vielfältig sind auch ihre Übernachtungsmöglichkeiten.

www.naturpark-duebener-heide.com

7. Niedersachsen: Naturpark Südheide

Reiseziel: In der Lüneburger Heide, nur wenige Kilometer nördlich von Celle, zwischen den Heide­orten Eschede, ­Hermannsburg, ­Müden/Örtze, Faßberg und Unterlüß ­erstreckt sich der 48000 Hektar große Naturpark Südheide.

Beste Sicht: Ende September kann man bei Starkshorn (Nähe Eschede) die Brunft von der Straße aus beobachten. Es sammeln sich ­jedes Jahr bis zu 200 Stücke auf den ­Grün­flächen!
Tipps: Das Celler Gebiet hat die höchste Rotwilddichte Niedersachsens. Frühes Kommen sichert die besten Plätze. Mitunter rücken pro Tag mehr als 50 ­Autos an.

Kunst & Kultur: Das Schloss in Celle erzählt die Geschichte der Welfen. Das Panzer-Museum in Munster und der Heidepark Soltau sind einen Besuch wert. Empfehlenswert:  eine Kutschfahrt durch die Lüneburger Heide oder ein Besuch bei Joe ­Bodemann‘s Filmtierpark in Eschede.
Entspannt ankommen: Mit dem Auto über die A 7 bis Soltau-Süd, dann auf der B 3 bis Bergen und weiter auf der L 281 nach Starkshorn. Mit dem Zug über Hannover nach Eschede. Tipp: Fahrrad mitnehmen.

Wohnen & Schlafen: In Hermannsburg und Umgebung sind zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten vorhanden.

www.hermannsburg-urlaub.de

8. Nordrhein-Westfalen:Nationalpark Eifel

Reiseziel: Nur eine Stunde von Köln entfernt, liegt der 11 000 Hektar große Nationalpark Eifel – inmitten des Deutsch-Belgischen ­Naturparks Hohes Venn-­Eifel. Er ist geprägt von ausgedehnte Laub- und Nadelwälder, große zusammenhängende Offenlandflächen und Fließgewässer. Die fast baumfreie Dreiborner Hochfläche (ehemals Truppenübungsplatz Vogelsang) ist Dreh- und Angelpunkt für die Rotwild­population.

Beste Sicht: Im Jahr 2010 wurde auf der Dreiborner Hoch­fläche eine Empore zur Wildbeobachtung gebaut. Sie bietet 60 Sitzplätze und ist auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Während der Brunft steht ein Ranger mit fachkundigen Auskünften und Spektiven an der Empore bereit.

Guter Rat: In den Morgen- und Abendstunden, aber auch am späten Vormittag, ist die Chance am größten, Rotwild zu sehen.

Kunst & Kultur: Der Wildnis-Trail gilt als einer der schönsten Wander­wege in Nordrhein-Westfalen. Einen Besuch wert ist auch die rund 65 Hektar große Greif­vogelstation-Hellenthal sowie die Ordensburg Vogelsang oberhalb der Urfttalsperre.

Entspannt ankommen: A 1 Abfahrt Wißkirchen. Dann B 266 über Kommern/Mechernich, Herhahn. In Herhahn links auf L 207 Richtung Dreiborn/Monschau abbiegen. In Dreiborn an dem ausgeschilderten Parklatz halten und von dort zur Empore laufen (ca. 5-10 ­Minuten).

Wohnen & Schlafen: Insgesamt 39 Unterkunfts- und Gastronomiebetriebe in der Nationalparkregion Eifel tragen das Markenzeichen ­„Nationalpark-Gastgeber”. Rund um das Schutzgebiet und sogar mittendrin finden Gäste eine gemütliche Unterkunft.

www.nationalpark-eifel.de

9. Baden-Württemberg: Naturpark Südschwarzwald

Reiseziel: Der Naturpark umfasst ein 394 000 Hektar großes Gebiet im äußersten Südwesten Deutschlands. Hier findet man neben Wald sowie offenen Weideflächen eine struk­turreiche Landschaft.

Beste Sicht: Erste Adresse ist die Beobachtungsstation am „Wüstengraben“ in Schluchsee-Blasiwald. Unbedingt vorher anmelden: Haus der Natur, Dr. Pilet Spur 4 in 79868 Feldberg, Tel. 0 76 76-93 36-30). Aber auch an der ehemaligen Fütterung „Tierlache“ im Staatswald St. Blasien ist Rotwild zu sehen.

Guter Rat: Rechtzeitig anmelden, um an einer professionellen Führung teilnehmen zu können! Das Rotwild ist tagaktiv und (theoretisch) zu jeder Zeit anzutreffen.

Entspannt ankommen: Über die A 81 bis Donaueschingen, auf A 864 Ausfahrt B 27 nehmen, weiter bis St. Blasien. Vom Parkplatz „Wildgehege” (Muchenländerweg) führt ein Wanderweg zur Tierlache.

Wohnen & Schlafen: Tourismus und Naturpark arbeiten eng zusammen. Beispiele dafür sind die 22 ­Naturpark-Hotels, die Wert auf die Verwendung regionaler Produkte und Nachhaltigkeit legen.

www.naturpark-suedschwarzwald.de


Anna Lena Kaufmann ist freie Journalistin, Jägerin und Falknerin. Ihr Büro liegt im Herzogtum Lauenburg, wo sie lebt und jagt.
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