Entenjagd am Kleingewässer

Waidmannsheil gehabt: Innerhalb weniger Minuten kamen auf dem Abendstrich zehn Stockenten zur Strecke.


Besonders gut werden Gewässer angenommen, deren Ufer von ­Eichen umgeben sind. Plumpsen im Herbst die dicken Früchte ins ­Wasser, fallen die Stockenten dort Tag für Tag ein. Mit ihren starken ­Muskelmägen ­gelingt es ihnen spielend, die stärkehaltigen Eicheln zu ­zerreiben.

Sind die Ufer nur mit Erlen, Birken oder Weiden bewachsen, kann der Jäger mit etwas Kirrmaterial nachhelfen, um die Enten zum Einfallen zu bewegen. Am besten nehmen sie Mais, Weizen oder Gerste an. Aber auch mit gesammelten Eicheln lassen sich Stockenten ans ­Gewässer binden. Die dicken Happen haben den Vorteil, dass sie nicht so ­auffällig sind und nicht jeden Tag ­gekirrt werden muss.

Am besten wird das Kirrmaterial im ­knöcheltiefen Wasser angenommen, weil die Enten dort bevorzugt gründeln und sie sich sicher fühlen. Wenn das Kirren im ­Gewässer verboten ist ­(Landesjagdgesetz beachten!), wird der Mais am Ufer verstreut. ­Dabei ist es ­wegen der Gefräßigkeit der Enten wichtig, mehrere kleine Kirrstellen statt ­einer großen einzurichten. Ein, zwei ­Kilogramm Mais genügen ­zunächst, um die Enten auf die neue Futterquelle aufmerksam zu machen. Wird das ­Entenbuffet regelmäßig abgeräumt, was in der Regel sehr schnell geschieht, wird die Menge ­erhöht.

Ententeich Abendstimmung © CS

An Kleingewässern lassen sich hervorragende Entenjagden erleben, wenn die Breitschnäbel dort etwas zum Gründeln finden.

Die Jagd am Abendstrich

Haben die Stockenten das Gewässer angenommen, kann gejagt werden. Am erfolgversprechendsten ist dabei der Abendstrich, der je nach Lage des ­Kleingewässers zwanzig Minuten bis eine Viertelstunde vor Ende des Büchsenlichts einsetzt. Aufgrund der dichten Vegetation ist es in der ­Regel nicht nötig, einen Tarnschirm aufzubauen. Ein Tarnanzug mit passendem Muster ­genügt, um sich vor den neugierigen Blicken des Federwildes zu ­verbergen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, ­benutzt ­zusätzlich eine Gesichtsmaske und Handschuhe. Wenn der Schleier beim Schießen stört, sollte einen breitkrempigen Hut oder eine Kappe aufgesetzt werden. Entscheidend ist, dass das helle Gesicht nicht in den Abendhimmel „leuchtet“. Denn das warnt die Breitschnäbel. ­Bieten die Ufer nicht genügend Deckung, wird aus ein paar Stöcken und ­etwas Tarnnetz ein Schirm gebaut.

Weil Enten immer gegen den Wind einfallen, sollte das bei der Platzwahl ­beachtet werden. Perfekte Bedingungen ­herrschen, wenn dem Enten­jäger der Wind im Nacken steht und er ­dabei in Richtung untergehende Sonne blickt. Denn dann kommen die Breitschnäbel von vorn auf ihn zu und bilden am hellen Abendhimmel klare Ziele.

Manchmal streichen die Enten sehr hoch an und lassen sich von oben wie die Steine aufs Gewässer ­fallen. Dabei werden sie von unerfahrenen Jägern schnell überschossen. Doch kein Problem: Auf dem Jagd­parcours lässt sich diese Situation trainieren. Bei ­dieser Gelegenheit sollten verschiedene Schrot­patronen auf 30, 25, 20 und 15 Meter ausprobiert ­werden, um die passende ­Laborierung zu finden. Gerade bei Weicheisen­patronen sind die Unterschiede bezüglich der Verteilung der Schrote zum Teil sehr groß.

Einflugschneisen anlegen

Meistens fallen die Breitschnäbel ­jedoch nicht von oben über die ­Wipfel ein, sondern sie suchen sich einen Weg durchs ­Geäst. Es ist erstaunlich, wo sich die Enten dabei überall durchzwängen. Jede möchte die ­erste an der Kirrung sein. Um das Schießen zu ­erleichtern, sollten am Ost- und ­Westufer in etwa vier Metern Höhe ein paar Seitenäste abgesägt werden, ­sodass kleine Einflug­löcher entstehen. Wie viele davon angelegt werden, hängt von der Länge des Gewässers und der Anzahl der Jäger ab. Achtung: Zu tief sollten die „Sichtfenster“ nicht liegen, denn dann tauchen die Breitschnäbel zu schnell im Dunkeln ab, was zu unnötigen Fehlschüssen führt. Selbstverständlich müssen wegen der Sicherheit alle Jäger auf ­derselben ­Uferseite ­abgestellt werden.

Attrappen wecken Interesse

Lockvögel sorgen dafür, dass die Stockenten ohne Argwohn einfallen. Die Attrappen werden einfach locker im Uferbereich „ausgesetzt“.


Während man zu Beginn der Saison noch ohne Lockenten und ­akustische Locker auskommt, können sie im ­Dezember und Januar darüber entscheiden, ob man mit ein paar ­dicken Erpeln oder als Schneider nach Hause geht. Denn Enten sind zwar gierig, aber nicht dumm! Ein paar Jagden und sie ­umkreisen das Gewässer minutenlang, bevor sie endlich einfallen. Manchmal drehen sie sogar wieder ab.

Ein halbes Dutzend Lockvögel wiegt die Breitschnäbel jedoch in Sicherheit. Ob Vollkörper-Attrappen oder Fold-Up-Decoys (FUD) benutzt werden, ist egal. Beide Lockvogelarten haben ­Vor- und Nachteile.

Besondere ­Lockbilder (Layouts) sind bei der Jagd am Kleingewässer nicht ­nötig. Die Attrappen werden einfach ins ­seichte Wasser ­geworfen. Sobald das Klingeln der Schwingen zu hören ist, muss nur noch der Entenlocker benutzt werden. Der Futterneid sorgt dafür, dass sie ohne Argwohn einfallen.

Der Hund wird erst geschnallt, wenn alle Lockvögel aus dem Wasser sind. © CS

Der Hund wird erst geschnallt, wenn alle Lockvögel aus dem Wasser sind.

Nachsuchen und Apport

Weil sich die Stockenten nicht an ­den ­gestreckten Artgenossen stören, lässt man den Hund erst ins Wasser, wenn der Abendstrich vorüber ist. Zuvor ­müssen jedoch die Lockenten aus dem Wasser gefischt werden. Denn in der Dunkelheit könnte sich der Hund in den ­Ankerleinen der Lockvögel verfangen. Da die ­meisten Tümpel in Feldgehölzen nur knietief sind, genügt zum Bergen der Decoys eine Wathose. Aus tieferen Bereichen werden sie mit einer Teleskopstange geangelt.

Tipp: Bei längeren Frostperioden versteht es sich für einen weidgerechten Jäger von selbst, die Entenjagd ruhen zu lassen. Wer an sein ­Niederwild denkt, kirrt weiter, auch wenn nicht gejagt werden kann.


Christian Schätze Seit März 2011 Redakteur bei UNSERE JAGD, seit Mai 2013 Chefredakteur; Bankkaufmann, Jagdschein seit 1996
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