Home Timm und Sebastian

Timm und Sebastian

Gemeinsam Jagd erleben - Autor
am
Donnerstag, 01.01.2015 - 11:48
Mann und Junge machen ein Selfie © gemeinsam Jagd erleben

Wir haben gerade unsere Plätze auf dem Hochsitz eingenommen, da landet ein Buntspecht nur wenige Meter vor uns an einer Kiefer und beginnt mit heftigen Schnabelstößen den Stamm nach Larven abzuklopfen. Eifrig und gezielt sucht er Fressbares unter der lockeren Rinde. Ein toller Anblick denke ich mir und erkläre Timm mit vorgehaltener Hand, welche Ansprüche der Specht an seinen Lebensraum stellt. Leider sollte dies der letzte Anblick an unserem gemeinsamen Abendansitz sein, doch eine Überraschung gab es noch.
Für die Aktion 'gemeinsam Jagd erleben' habe ich mich mit dem 15-jährigen Timm an einem frühsommerlichen Freitag in Malchow in Mecklenburg-Vorpommern verabredet. Der leidenschaftliche Fußballer war bereits bei einer Drückjagd als Treiber dabei und konnte Schwarz- und Rehwild in Anblick bekommen. Jetzt sollte es auf einen Hochsitz gehen, in der Hoffnung die Wildtiere auch mal ganz in Ruhe und vor allem ganz nah zu beobachten. Auch für mich war das Revier neu, da ich der Jagdeinladung einer befreundeten Jägerin nachgekommen bin. So waren wir also gleichermaßen aufgeregt, Nichtjäger wie Jäger. Trittsiegel und Fegestellen beim Angehen des Sitzes machten bereits Hoffnung und der vor uns liegende Grünstreifen inmitten einer Kieferndickung bot ausreichend Äsung: Hier sollte doch was gehen!

Der anfängliche Besuch des Buntspechtes machte Lust auf mehr. Kurze Regenschauer wechselten sich mit sonnigen Abschnitten - nicht das schlechteste Wetter, wenn nicht der Wind permanent drehen würde. Im Flüsterton erzähl ich von der Bedeutung des Windes bei der Jagd aber mache ihm dennoch Hoffnung: Ein Fuchs kann immer kommen.
Doch auch Reineke wollte sich an diesem Abend nicht mehr zeigen. Im letzten Büchsenlicht dann doch noch die ersehnte Spannung, die bei der Jagd immer wieder und urplötzlich aufkommen kann: Man hörte schon die Schwingen eines großen Vogels, als dieser mit einem gewaltigen 'Rums' auf dem Blechdach unseres Hochsitzes landete. Leicht erschrocken aber doch freudestrahlend schauten wir uns an. Das überstehende Dach verhinderte jedoch den Blick auf den vermeintlichen Greifvogel. Mit Einbruch der Nacht flog nun auch der plötzliche Besucher ungesehen davon und wir machten uns auf den Heimweg. 
'Auch wenn wir nichts gesehen haben, war es ein toller Abend und nie langweilig', sagt mir Timm im Anschluss. Wir beide freuen uns schon auf den nächsten gemeinsamen Ansitz. Dann aber mit Anblick! Sebastian Kapuhs