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Zielstöcke für die Jagd im Test: Pirschen leicht gemacht

Wildmeister Matthias Meyer © dlv
Matthias Meyer
am
Montag, 12.04.2021 - 09:08
Die Jagd mit Zielstock wird immer beliebter. © Matthias Meyer
Die Jagd mit Zielstock wird immer beliebter.

Die Pirsch erfreut sich einer zunehmenden Beliebtheit unter Jägern. Wenngleich es ein an Spannung kaum zu überbietendes Erlebnis ist, seine menschlichen Sinne mit denen des Wildtieres zu messen, sollte der freihändige Schuss stets die Ausnahme bleiben. Ein Zielstock gibt im entscheidenden Augenblick nicht nur die notwendige Sicherheit für einen glücklichen Abschluss der Pirsch, sondern ist bei dieser Jagd in vielen Bereichen ein willkommener Begleiter.

Mehr als nur eine einfache Zielhilfe

Für den Bergjäger ist der Bergstock schon seit eh und je fester Bestandteil seiner jagdlichen Ausrüstung. Allerdings erfüllt er in erster Linie nicht die Aufgabe einer Zielhilfe wie der Zielstock bei der Pirsch im Flachlandrevier oder einer Großwildsafari. Vielmehr setzt ihn der Jäger im Gebirge als drittes Bein ein, um im schwierigen Gelände sicher auf dem Bergstock abgestützt gehen zu können. Dazu wird der stabile Bergstock mit seiner Eisenspitze allerdings nicht an der abfallenden Hangseite als Stütze eingesetzt, sondern stets an der ansteigenden. Auch beim Überspringen von Bächen und Gräben leistet er verlässliche Dienste.

Der traditionelle Bergjäger stellt seinen Bergstock für gewöhnlich selbst her. Mit viel Geduld gilt es zunächst, einen möglichst geraden Schaft zu finden. Zum einen sollte der reine Bergstock so lang sein, dass er den Jäger um etwa eine Kopflänge überragt. Der überwiegend als Zielstock geführte Pirschstecken bewegt sich dagegen zwischen Schulter- und Mannshöhe. Zum anderen bedingen sein an­gestreb­ter Ver­wendungszweck und die spezifische Zähigkeit des Materials die Dimension. Auf dem Bergstock lastet nicht selten das Gesamt­gewicht von Jäger und Ausrüstung, der Ziel­stock hin­­gegen wird deutlich weniger bean­sprucht. Der Stock­durch­messer misst daher nur zwischen 25 und 40 mm. Dafür geeignete Naturholzschäfte findet der Jäger am häufigsten bei Haselnuss, Esche und Schlehdorn. Durch den langsamen Wuchs haben diese eine ausgesprochene Festigkeit, aber auch Flexibilität und Elastizität. Zudem weisen sie ein relativ leichtes Trockengewicht auf.

Zielstöcke im Test

Jakele Z4 © Matthias Meyer

Der Jakele Z4 besteht aus zwei sich scherenartig kreuzenden Zweibeinen. Sie ergeben zusammengelegt einen runden Pirschstock, der aufgrund der Konstruktion und der beschichteten Aluminumbeine die tragende Funktion eines traditionellen Bergstocks erfüllt. Der Z4 ist in den Größen Kurz, Mittel, Lang (Stocklängen: 158/ 168/ 178 cm) und für die sitzende Schießhaltung in Extra Kurz (125 cm) zu beziehen. Die Maße sind zwar unterschiedlichen Körpergrößen optimal angepasst, der Transport im Flieger ist aber nur als Sperrgut möglich. Selbst im Auto ist er nicht ganz einfach unterzubringen. Die Bedienung ist mit etwas Übung schnell umsetzbar. Er überzeugt durch zügiges und leichtes Aufstellen mit nur einer Hand. Durch die Zweipunktauflage an Vorderschaft und Pistolengriff gelingen absolut präzise Weitschüsse – besser als auf einigen Hochsitzen. Mit der vorderen beweglichen Auflagegabel lässt sich ziehendes Wild im Anschlag verfolgen, ohne den Stock zu verstellen. Für eine weitere Stabilisierung sorgt eine optional zu beziehende Schnur, die mit dem Fuß fixiert wird. Der Z4 lässt sich auch als Stativ für Spektive oder Kameras mit großen Objektiven absolut wackelfrei einsetzen. Der qualitativ hochwertige Zielstock hat mit 298 € (UVP) allerdings einen stolzen Preis.

Verarbeitung: 6/6

Handhabung: 5,5/6

Stabilität: 6/6

Preis/ Leistung: 4/6

Gesamturteil: 5,5/6

Primos Trigger Stick Gen 3 © Matthias Meyer

Das Primos-Zweibein macht im Jagdbetrieb eine gute Figur. Ob beim Schuss im Sitzen, Knien oder Stehen, in Hanglagen oder auf Unebenheiten, der Zielstock kann schnell und problemlos durch Drücken des „Trigger-Hebels“ am um 360° drehbaren Handgriff in die optimale Höhe gebracht werden. Das Justieren und Arretieren der Beine entfällt komplett, denn beim Loslassen des Hebels geschieht dies unverzüglich – auch bei Gewichtsverlage-
rungen. Der drehbare Aufsatz ermöglicht schnelle Positionswechsel und begünstigt in begrenztem Umfang das Mitziehen der Waffe auf sich bewegendes Wild. Per Druckknopf ermöglicht das Schnellwechselsystem YOKE den Wechsel von Gewehrauflage zu optischen Geräten, die mit einer Wechselplatte ausgestattet sind. Die Höhenverstellung ist von 61 – 157 cm stufenlos möglich. Nachteilig kann sich die fehlende Beinwinkelsperre auswirken, welche andererseits aber die Handhabung einschränken würde. Die Transportlänge von 99 cm ist für Flüge grenz­wertig. Optional kann die V-Auflagegabel gegen eine „2-Point-Gun-Rest“ getauscht werden. Diese Auflage nimmt die Waffe sicher auf, reduziert den Rückstoß und steigert die Präzision. Allerdings braucht man damit länger. Der Preis für das Zweibeinbeträgt 139,95 € (UVP), das Dreibein kostet 169,95 € (UVP). Die Auflage „2-Point-Gun-Rest“ kostet 59,95 € (UVP).

Verarbeitung: 4,5/6

Handhabung: 5,5/6

Stabilität: 4,5/6

Preis/ Leistung: 5/6

Gesamturteil: 5/6

Seeland Erase XT Camo © Matthias Meyer

Das Vierbein Erase XT von Seeland lässt sich bis zu einer Höhe von 175 cm ausfahren und ist so auch für Großgewachsene geeignet. Zum leichteren Transport können die unteren Beinhälften herausgenommen werden. So kommt man auf ein Transportmaß von unter 90 cm. Eine Längenskala an den ausziehbaren Beinverlängerungen ermöglicht die schnelle Justierung auf die vorher ermittelte persönliche Einstellung. Je nach Gelände können Gummistopfen oder Spikes an den Füßen genutzt werden. Verschiebbare Schaumstoffgriffe bieten einen perfekten Griff und verhindern ein Klappern. Der Alu-Zielstock garantiert eine hohe Stabilität bei relativ geringem Gewicht. Aufgrund der Bauweise kann das Gewehr an Vorderschaft und Pistolengriff aufgelegt werden. Die Auflage aus rauem Weichgummi verhindert ein Verrutschen. Trotzdem sollte die vordere Auflage beim Zielen mit der Hand gestützt werden. Mithilfe einer an der hinteren Schere befestigten Schnur kann der Zielstock zusätzlich stabilisiert werden. Das ermöglicht eine besonders präzise Schussabgabe auch auf große Entfernungen. Mit ein bisschen Übung sind Aufbau und Handhabung schnell ein Selbstläufer. Mit einem Preis von 129,95 € (UVP) ist der Schießstock für ein Vierbein vergleichsweise günstig.

Verarbeitung: 5/6

Handhabung: 5/6

Stabilität: 5/6

Preis/ Leistung: 5,5/6

Gesamturteil: 5/6

Parforce Multifunktions-Zielhilfe © Matthias Meyer

Der dreibeinige Zielstock von Parforce bietet dem Jäger durch seine Konstruktion höchste Vielseitigkeit. Fertig montiert garantiert er eine stabile Schussposition. Dabei liegt das Gewehr in einer V-Gabel mit gummierten Lamellen. Die Beine bestehen aus einer Aluminiumlegierung. Die Füße lassen sich per Klapp-Schnellverschluss von 70 – 157 cm stufenlos verstellen. Die Arretierung greift leider nicht immer sicher. In der Einbeinversion gab sie teilweise nach, und der Stock rutschte zusammen. Weiche Griffe aus Gummischaum und rutschsichere Gummifüße sorgen für eine optimale Handhabung. Die um 360° drehbare V-Auflage lässt sich einfach abnehmen. Dort kann stattdessen am ¼“-Adapter-
gewinde ein Spektiv oder eine Kamera aufgeschraubt werden. Das Drei­bein kann je nach Situation auch durch Abschrauben des einen Beins in ein Zweibein oder Einbein verwandelt werden. Im Test ermöglicht die Zielhilfe in der Dreibeinvariante weite und präzise Schüsse. Aber auch als Zweibein gelingen ordentliche Ergebnisse, insbesondere in der sitzenden und knienden Schussposition. Ein am Zweibein befestigter Gurt begrenzt die Spreizung und stabilisiert dabei den Stock gewinnbringend. Mit einem geringen Gewicht (etwa
1.000 g) und Packmaß (ca. 70 cm) ist der Parforce Zielstock koffertauglich. Der Preis beträgt 79,95 € (UVP).

Verarbeitung: 3,5/6

Handhabung: 5/6

Stabilität: 4,5/6

Preis/ Leistung: 5,5/6

Gesamturteil: 4,5/6

Längst wartet der jagdliche Fachmarkt mit einer breiten Palette von Zielstöcken auf. Hartholz als Werkstoff wurde nahezu abgelöst von Leichtmetall, Kunststoff oder Karbon. Diese Materialien kommen praktisch ohne Pflege aus. Grobes Reinigen nach der Jagd und ein Tropfen Öl an den Scharnieren reichen. Heute haben Zielstöcke überwiegend Teleskopbeine, um sie handlich für den Transport zu verstauen. So werden sie beispielsweise bei internationalen Jagdreisen nicht zum teuren Sperrgepäck. Zudem können sie bequem auch sitzend oder kniend als Auflage für Gewehr oder große Optik dienen. Denn eine der jeweiligen Situation anzupassende optimale Anschlagshöhe ist für die Abgabe eines präzisen Schusses wesentlich.

Neben dem ein­beinigen Zielstock, der dem klassischen Bergstock in vielen Belangen und Vorzügen nahekommt, finden sich darauf aufbauende Zielstockvarianten mit zwei, drei und sogar vier Standbeinen. Jedes Modell hat eigene Vorzüge, aber auch Bauart bedingte Nachteile. Der Umgang mit dem Zielstock bedarf allerdings Übung und stellt manchen ungeübten Jäger in der Praxis vor Probleme in der Handhabung. Vor dem Kauf ist deshalb Ausprobieren angesagt. Denn nicht jede Variante taugt jedem gleichermaßen.

Der Zielstock soll in der entscheidenden Situation eine Hilfestellung sein und darf unter keinen Umständen als unnötiger Ballast behindern. Wird der richtige Umgang mit dem Zielstock erst einmal zum Selbstläufer, schießt man nicht nur auf der Pirsch, sondern auch vom Sitzstock, von der Kanzel und selbst stehend bei der Bewegungsjagd sicherer und präziser.


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