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Testbericht: Remington Stutzen

In den Händen des Verfassers hat sich der Remington-Stutzen Seven MS schon viele Jahre als Rehwildwaffe bewährt. Foto: Roland Zeitler


Es war in einem Geschäft in Kanada, als mir vor fast drei Jahrzehnten mein Freund Jerome eine kleine Patrone unter die Nase hielt und feststellte, dass es wohl eine ganz ideale Rehwildpatrone sei: Es war die .250 Savage, von der ich nichts wusste. Ein paar Jahre später sah ich im Remington-Customshop das Entstehen eines kleinen, führigen Stutzens. Als ich ein Jahr später den ersten Stutzen im Remington-Katalog entdeckte und die Kaliberliste studierte, fiel mir sofort die .250 Savage auf (s. nächste Doppelseite).
Just kam mir mein Kanada-Erlebnis in Erinnerung. Weil ich sehr gerne Rehwild jage und es im Revier für mich die Hauptwildart darstellte, fiel meine Wahl auf den Stutzen Modell Seven MS („Mannlicher Style“) in .250 Savage. Da die Waffe zwar ein standardisiertes Modell ist, aber im Customshop gefertigt wird, musste ich rund sechs Monate Lieferzeit in Kauf nehmen. Schließlich konnte ich die zierliche, mit 2,95 Kilogramm auch sehr leichte Waffe in die Hand nehmen. Mit ihren 51-cm-Lauf hat sie gerade mal 99 Zentimeter an Gesamtlänge.
Mittels EAW-Schwenkmontage wurde ein Swarovski Habicht 1,5 - 6 x 42 montiert. Das kompakte, aber durchaus „lichtstarke“ Zielfernrohr konnte sich in der Praxis bestens bewähren. Die EAW-Schwenkmontage mit ihrem handhabungsfreundlichen Schlösschen für die Hinterfußverriegelung gewährleistet gleichbleibende Treffpunktlage nach Abnahme und Wiederaufsetzen des Zielfernrohres. Zudem ist die Stahlmontage sehr schussfest und zuverlässig.

Aufs Zielfernrohr geschäftet

Der Hinterschaft ist auf den Zielfernrohr-Schuss ausgelegt. Foto: Roland Zeitler


Wie üblich bei amerikanischen Repetierern ist der Hinterschaft kürzer als bei mitteleuropäischen Büchsen. Insgesamt ist die Schaftgeometrie etwas unterschiedlich, ausgelegt auf schnellen Anschlag mit leicht vorgeneigtem Kopf und sattem Wangenkontakt. Im Anschlag hat man korrekten Blick durchs Zielfernrohr, ohne den Kopf korrigieren zu müssen. Die Hinterschaftlänge passt perfekt zu meiner mittelgroßen Figur. Ich hatte in der Praxis nie das Verlangen nach einem längeren Schaft.Das Herz des Stutzens bildet das Kurzsystem Modell Seven. Repetierer Modell Seven wurden 1983 mit 47 Zentimeter langen Läufen eingeführt. Es handelte sich um sehr kurze, leichte führige Büchsen für Kurzpatronen von der .17 Rem. bis .308 Win. Neben Nussbaum-Halbschaft wurden die Waffen noch mit Fiberglas- und superleichten Kevlarschäften angeboten. Auch ein Model aus Stainlessstahl mit Kunststoffschaft gibt es. Es kamen später noch die Kaliber .35 Rem. und .350 Rem. Mag. hinzu.


Mannlicher Style

Der Stutzen Remington Seven MS verfügt über ein Kurzsystem. Foto: Roland Zeitler


Im Jahr 1993 wurde das Customshop-Modell Seven Mannlicher Style (MS) in zahlreichen Kurzkalibern von der .222 Rem. bis hin zur .350 Rem. Mag. mit Ganzschäftung eingeführt. Das Kurzsystem Seven hat eine 19,5 Zentimeter lange Stahlhülse mit durchaus großem Auswurffenster, obwohl die Hülsenoberseite vorne etwa bis zur Mitte geschlossen ist. Hinten findet man einen Ausschnitt, um das Laden zu erleichtern. Ganz klar, die Seven stammt vom Erfolgsmodell 700 ab: Die Kammer wird mit zwei kräftigen Warzen im Hülsenkopf verriegelt.
Der Stoßboden ist zurückversetzt. Da der Vorsprung in den Lauf greift, werden um das Patronenende drei Stahlringe (Kammerbund, Lauf, Hülse) gebildet. Im Stoßboden sitzt der Auswerferbolzen und im Inneren des Kammerbundes sitzt der Auszieher aus Federstahl, sodass der Bund nicht durchbrochen wird. Kammer und Verschlusskopf wurden unsichtbar miteinander verschweißt. Das Mittelteil der Kammer erhielt einen Sonnenschliff. Typisch ist das formschöne, runde Schlösschen nach Art Remington 700. Es schützt gut vor Verschmutzung im Inneren. Der leicht abgewinkelte Kammerstängel mit Halbkugel mit Fischhaut ist griffig. Per Druckplatte vor dem Abzug erfolgt die Kammerentriegelung. Die seitliche Zwei-Stellungs-Wippsicherung arbeitet nur bei sorgfältiger Bedienung geräuscharm. Sie blockiert die Abzugsstange, sperrt aber nicht die Kammer. Der lediglich ausgeschäftet justierbare Flintenabzug steht sehr trocken und bricht wie Glas nach 750 Gramm Widerstand.

Vier-Patronen-Magazin

Das Stahlblechmagazin fasst vier Patronen. Die Bodenplatte mit großem Abzugsbügel und Magazinklappe besteht aus Aluminium. Das Schießen mit Handschuhen bereitet keine Probleme. Der Rückstoßstollen wird vom Lauf an die Hülse geklemmt. In den Hülsenkopf schraubte man den kaltgehämmerten birnenförmigen Lauf. Der Mündungsdurchmesser liegt bei 15 Millimeter.
Auf Sätteln sitzt eine offene Visierung. Die höhen- und seitenverstellbare Kimme weist einen U-Ausschnitt auf. Dazu passend das feine, buntmetallhinterlegte Rundkorn. Ein abnehmbarer Kornschutz ist vorhanden. Für präzise Schüsse stellt das hier Gebotene nur eine Behelfsvisierung dar.
Der Ganzschaft besteht aus sehr schön gemasertem Schichtholz (Dünne Holzplatten verschiedener Hölzer werden unter Hochdruck miteinander verleimt). Der dunkelbraune, matt lackierte Schaft hat zahlreiche schwarze Einschlüsse in olivartigen oder spitz zulaufenden Formen. Eine sehr ansprechende Maserung, die ein gefälliges Farbspiel ergibt. Auf den ersten Blick erinnert der Schaft eher an Nussbaum als Schichtholz.
Der Hinterschaft weist einen Pistolengriff, geraden Rücken und Monte Carlo-Backe auf. Er schließt nach schwarzer Zwischenlage mit einer Old-English-Gummischaftkappe ab.
Der Pistolengriff weist ein schwarzes Käppchen auf. Der Schaft verjüngt sich zur Mündung hin stark. Er ist schlank gehalten. An Pistolengriff und Vorderschaft wurde sehr sauber eine feine Fischhaut geschnitten, die am Vorderschaft umlaufend ist - in der Qualität ist das an einem Schichtholzschaft unbestreitbar eine Meisterleistung.


Lauf frei im Vorderschaft

Foto: PIRSCH


Den Schaftabschluss bildet eine Stahlkappe, die halbkreisförmig um den Lauf reicht, ohne diesen zu berühren. Sie verhindert ein Abziehen des Laufs beim Tragen. Wie bei Remington üblich, ist am Schaft im Mündungsbereich ein Druckpunkt für den Lauf eingearbeitet. Remington verspricht sich davon stets gleichbleibende Treffpunktlage und konstante Schussleistung mit dünnen Läufen; von Nachteil gewiss bei warmen Läufen nach mehr als drei, vier oder fünf Schüssen (je nach Kaliber und Zufall). Der Lauf liegt ansonsten frei im Vorderschaft und kann sich ungehindert ausdehnen. Die Einschäftung wurde perfekt ausgeführt. Obwohl ein hauchdünnes Papier zwischen Lauf und Schaft durchschiebbar ist, sieht man keinen Spalt. Am Schaft befinden sich Ösen für abnehmbare Riemenbügel. Schichtholzschäfte sind sehr bruchsicher und klimaunempfindlich. Sie verziehen sich kaum. Das System wurde im Schaft mit Kunstharz gebettet. Außerdem befindet sich im Schaft hinten und vorne eine Querbolzenverschraubung.


Praxis und Schussleistung

Die Technik auf einen Blick. Foto: PIRSCH


Der Stutzen zeichnet sich durch hohe Führigkeit aus. Er ist äußerst angenehm zu tragen. Selbst in engen Kanzeln wird ihr Handling nicht problematisch. Ferner liegt sie perfekt im Anschlag und ist sehr gut ausbalanciert. Eine Büchse, die man gerne führt.Der Verfasser hat zwar einige Fabrikpatronen aus ihr verschossen, jagdlich aber nur zwei Handladungen eingesetzt: mit 87 gr (5,6 g) Hornady SP-Geschoss und 100 gr (6,48 g) Nosler BallisticTip. Nach dem 4. Schuss hintereinander öffnet sich der Streukreis geringfügig. Deshalb wurden die Fünfer-Schuss-Bilder so geschossen, dass der Lauf nach drei Schuss abkühlen konnte. Die Waffe schießt dauerhaft hervorragend. Fünfer Streukreise mit zwei Handladungen lagen bei 23 bzw. 25 mm/ 100 m. Es sei angemerkt, dass es im Laufe der Jahre zu keinerlei nennenswerten Treffpunktverlagerungen kam. Die maximale Korrektur, die in fast zwei Jahrzehnten erforderlich war, lag bei drei Zentimetern.
Mit der Büchse jagte ich vor allem auf Rehwild (Handladung mit dem 100 gr Nosler B.T.) Die Wirkung war stets hervorragend. Fluchtstrecken, sofern diese überhaupt vorkamen, waren gering. Von der Wildbretentwertung her ist die Patrone exzellent. Zwar gibt es mechanische Zerstörung, aber auch stets Ausschuss bei breit stehendem Wild. Hämatome waren nie nennenswert. Ich bin von dieser Waffe-Kaliber-Kombination begeistert.
Roland Zeitler