Home Testbericht: Merkel-Bockflinte 2000C

Testbericht: Merkel-Bockflinte 2000C

Hinter dem Einabzug der ­Testflinte 2001 C befindet sich ein Wahlschalter, der die ­Entscheidung ermög­licht, welcher Lauf (damit Choke) zuerst eingesetzt wird.
(Foto: SYS)

Völlig unvoreingenommen ist der Verfasser nun wirklich nicht, führt er doch seit mehr als einem Vierteljahrhundert ausschließlich eine Gebr. Merkel-Bockflinte 200 E – und das zur vollsten Zufriedenheit. Umso größer war hingegen seine Neugier auf die Enkel­generation der Suhler Legende. Stand einst das 'E' für Ejektor, soll das 'C' als Kürzel am Modellnamen nun ein complete verheißen, also eine Komplettausstattung. Und richtig: Erstmals sind bei Merkel alle Flinten der 2000er Baureihe serienmäßig einem – zudem verstärkten – 'Stahl'-schrotbeschuss unterzogen. Erstmals serienmäßig sind die Wechselchokes. Logischerweise ging mit dem verstärkten Beschuss die Erweiterung des Patronenlagers auf 76 Millimeter Hülsen­länge einher. So sind als Standard­kaliber 12/76 und 20/76 erhältlich. Selbstverständlich sind die Baskülenmaße jeweils den unterschiedlichen Abmessungen der Laufbündel angepasst: Die 20er Flinte ist also eine 'echte' und keine Mogelpackung. Dass es im Hinblick auf den internationalen Markt auch 28/70er Aus­führungen (wohl aus Preisgründen mit 20er Basküle) gibt, sei der Vollständigkeit halber erwähnt.
Unserer PIRSCH-Redaktion stand über mehrere Monate eine Merkel 2001 C als Testwaffe zur Verfügung. Wer sich in der Namensgebung bei Merkel gut auskennt, weiß sofort, dass es sich dabei schon um eine 'etwas bessere' Waffe handelt. Will sagen: Eine handgearbeitete Flachstichgravur mit Wildmotiven (links aufsteigende Enten, rechts Fasanen) ziert die gasnitrierte Basküle. Die besteht wie bei allen klassischen Merkel-Bockwaffen kompromisslos aus festem Stahl.
Sauber waren alle Holz-/Metall-Passstellen gearbeitet. Das Nussbaumholz weist ­eine leichte Maserung auf. Die Fischhaut ist sauber von Hand geschnitten. Im ­Kunststoffschaftkäppchen des ­Pistolgriffs ist eine austauschbare Innenfläche für ein nachträglich einbaubares Monogrammplättchen sichtbar. Den Schaftabschluss bildet ebenfalls eine Kunststoffkappe. Der Schaft nimmt den Rückstoß gut auf, doch wird mancher Käufer gern eine gut gleitende Gummikappe anbringen lassen (z. B. Pachmayr Slippad).
Erwartungsgemäß gab sich die 2001 C gut ausbalanciert. Auch der nun einteilige Vorderschaft ist für eine Jagdflinte durchaus griffig, doch immer noch schlank kon­zipiert.
Die Anson & Deeley-Schlosse besitzen servicefreundlich verschraubte Schlagbolzen. Ob man statt des weich stehenden und trocken aus­lösenden Einabzugs einen Doppelabzug (bei 2003 C Standard; sonst Aufpreis) im ­Hinblick auf Bockbüchs­flinten- oder Bockdoppelbüchs-Wechsel­läufe – auch eine Merkel-­Domäne – wählt, bleibt ­jedem unbenommen.
Alles in allem sind auch die neuen Modelle der 2000 C-Reihe unverkennbare Merkel-Flinten – wenn auch mit zeitgemäßen Attributen. Auf dem engen Markt klassischer Bockflinten werden sie sich ganz bestimmt zu behaupten wissen.