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Testbericht: Blaser F3

Beispiele unterschiedlicher F3-Flinten nach Kundenwunsch (v.l.): 12/76er 'Game Attaché' 
(d.h.: schwarze Basküle, vergoldeter Abzug etc.; Aufpreisholz: hier Klasse 9) mit 74er Läufen samt zusätzlich montiertem DocterSight II und Sporting-Hinterschaft mit kleinem Pistolgriff­radius; 20/76er 'Game Luxus' (engl. Arabesken auf silbergrauem Kasten, Aufpreisholz: hier Klasse 7) mit 71er Läufen, Sporting-Hinterschaft samt großem Pistolgriffradius und feiner Fischhaut; 12/ 76er 'Game Compet

Gute Niederwildjagden sind seltener geworden, wobei nicht nur die Tagesstrecken, sondern auch der gesellschaftliche und nachbarliche Aspekt gemeint sind. Trotzdem (oder gerade deswegen?) haben Flinten heute einen anderen, wesentlich höheren Stellenwert als noch vor 20 oder 30 Jahren. Damals suchte man bei der Neuanschaffung von Flinten nicht lange herum. Nicht selten verkauften sie sich unbesehen nur nach dem Herstellernamen (selbst wenn es sich um fremdgefertigte Ware handelte). Markentreue war noch weit verbreitet. Jedoch bestimmte über­wiegend der Inhalt des Geldbeutels die Wahl, oft nach dem nicht von der Hand zu weisenden Motto: 'Für die paar Hasen genügt der einfachere Püster'. Individuell ergonomische Änderungen an der Flinte, wenn überhaupt in ­Erwägung gezogen, beschränkten sich auf die grobe Korrektur der Schaftlänge. Auf eine Abstim­mung der sonstigen Schaftmaße wie Schränkung, Senkung, Pitch oder Pistolgriffradius wurde hierzulande bei Jagdflinten kein großer Wert ­gelegt. Ganz abgesehen von der für Bestleistungen un­abdingbaren Justierung der Balance, wie sie erst bei ­Maß­schäftungen möglich scheint, wenn sie auch aufgrund unterschiedlicher Holzdichten nicht immer oder nicht zwangsläufig gewährleistet ist.
Zudem zeigen viele Schützen eine beachtliche Anpassungsfähigkeit an 'Schäfte von der Stange', sonst fiele die durchschnittliche Flintenleistung des deutschen Waidmanns noch mäßiger aus. Doch steht außer Frage, dass ergonomisch gestaltete Flinten für Hochleistung unabdingbar sind.

Im 'Büchsenland'

Überhaupt Maßschäftungen: Trotz seinerzeit noch viel niedrigerer Löhne gab es ausnahmlich ganz weniger solventer Niederwildjäger kaum Aufträge für die in klassischen Flintenländern normale, da Standard darstellende Maßschäftung. Was jedoch – um ein wenig zu 'flachsen' – nichts damit zu tun hat, dass der deutsche Waffenhandwerker sich 'Büchsenmacher' nennt, nicht 'Flintenmacher'. Aber wieder ernsthaft: Wir leben halt in einem klassischen 'Büchsenland' und haben mit Flinten weniger am Jagdhut, während in den historisch hochspezialisierten und damit -entwickelten Flintenländern der Jagd auf über das Jahr kunstvoll trainiertes und im Herbst getriebenes Moorhuhn oder Rothuhn viel mehr Wertigkeit zukommt als bei uns etwa die Pirsch auf Schalenwild. Demnach ist eher der Umkehrschluss durchaus zulässig, dass die mangelnde Nachfrage für maßgeschäftete Flinten den hiesigen Schäfterspezialisten keine oder eine allenfalls unzureichende Lebensgrundlage bot und bietet.
Freilich blieb die Marktlücke einer (alles in allem noch bezahlbaren) individuellen ­An­passung einer Qualitätsflinte an den Schützen bestehen. So wurde nach einer neuen Lösung gesucht – und diese von Blaser gefunden. Wie schon in PIRSCH 13/2004 zu lesen, unterzog der Verfasser die damals brandneue Flinte einem Schießstandtest – und überzeugte sich in den Folgejahren stets aufs Neue von ihrer Praxistauglichkeit im Revier.
Das von Blaser als erstem großen Hersteller bei Büchsen und kombinierten ­Waffen äußerst konsequent ­verfolg­te Austauschbarkeits- und ­Modularprinzip bei größtmöglicher Anpassbarkeit der Teile erweist sich auch bei der erst seit wenigen Jahren marktgängigen, komplett bei Blaser gefertigten Flinte F3 als höchst erfolgreich. Der neidische Spott­gesang auf das Modularprinzip ist schon längst verlegen verstummt, vor allem wegen der durchschlagenden Erfolge (mit) dieser Waffe. Genau wie sich also der Büchsenliebhaber seine R 93 in vielerlei 'Baukasten'-Varianten nach Wunsch zusammenstellen kann, befindet sich der F3-Käufer in der gleichen ­bequemen Position. Auch insofern bekommt der Begriff 'Markentreue' seine alte ­Bedeutung wieder, da die Verfechter von Blaser-­Ku­gel­waffen nun auch Flinten aus dem gleichen Hause erwerben können.
Und nicht nur das: Der ­Blasersche Service vor dem Kauf wie Ermittlung der Schaftmaße (siehe PIRSCH 18/2006) mittels eines hochmodernen Gelenkschafts (Vari-Stock) und die Möglichkeit der persönlichen Auswahl des Schaftholzes im Blaser-Schaftlager ist so selbstverständlich wie umfassende Dienstleistungen an der bereits geführten F3 – sei es An- und Einbau von ­Teilen aus dem Modularbaukasten wie ein anderes Korn oder ein anderer Vorderschaft oder ein weiteres Laufbündel. Dank der engen Fertigungstoleranzen lassen sich F3-Laufbündel leicht nachträglich einlegen – ohne Nacharbeit, was selbst in der 'Oberklasse' längst nicht üblich ist.
Apropos Oberklasse: Die F3-Preise beginnen bei 3484 Euro, zum Beispiel für eine 'Game' in Holzklasse 2; vor allem besseres Holz kostet mehr. Klar, so viel Geld will heute erst einmal verdient sein und mancher Interessent, selbst der durch Erkenntnis überzeugte und deshalb markentreue Blaser-Kunde könnte hier zögern, im Sinn der alten 'für die paar Hasen...'-Überlegung. Doch bereits mit einer ­Standard F3 hält der Käufer sämtliche technisch-praktischen Details in Händen, durch die sich die F3 – als Konstruktion und als Produkt – in wenigen Jahren gegen einen unglaublich ­starken, da mit ebenfalls ­hervorragenden Sport- und Jagdflinten dagegenhaltenden ausländischen Mitbewerber behaupten konnte.
Allen F3-Flinten ist das ­zeitgemäße Kaliber 12/76 – alternativ 20/76 – und der ­Stahlschrotbeschuss gemein. ­Speziell konstruierte Selbst­spannerschlosse mit kurzer Zündzeit, die trockene ­Abzugcharakteristik (i.d.R. 14 Newton Widerstand) des längsseitig verstellbaren ­Einabzugs, eine Abzugs­sicherung mit Schlag­stück-Sicherheitsfang­stangen-System und ­Briley-Wechsel­chokes sind einige weitere technische Stichworte.
Blaser hat die F3 'Game' als Jagdflinte und die F3 'Competition Sporting' als Wurfstandflinte konsequent perfektioniert und weitere Varianten hinzugesellt. Wobei sich die neue 'Game Competi­tion' für den 'gemischten' Einsatz auf Jagd und für den Parcours-Einsatz auszeichnet. Blaser bleibt aber dem Modularitätsprinzip treu, sodass unter den Modellen die Austausch­barkeit der Teile weitgehend gegeben ist. 'Baukästen' ­lassen sich nach Wunsch und Bedarf zusammenstellen. Dass ebenfalls eine Sportausführung 'Competion Trap' (siehe Vergleichstabelle) lieferbar ist, ja sogar eine 'American Trap' und 'American Skeet', sei der Vollständigkeit halber erwähnt.
Im Wesentlichen unterscheiden sich die Modelle nicht zuletzt durch ihre Schäftung, wie folgende Detailerläuterungen zeigen.

F3 Game

Der 'Game'-Hinterschaft hat eine viel schlankere Form mit viel flacherem Pistolengriffwinkel, der angenehmes Halten der Flinte im jagdlichen Voranschlag ermöglicht. Vorteilhaft ist der flache Winkel auch für das gefühlsmäßige In-Anschlag-Gehen aus jagdlichen Situationen heraus. Die Edelholzschaftkappe anstelle einer Gummi- oder Kunststoffschaftkappe ist zwar nicht so strapazierfähig, sorgt aber für einen absolut unge­hinderten, 'reibungslosen' ­Anschlag und steht in Verbindung mit dem angedeuteten Prince of Wales Pistolgriff für klassisch-jagdliches Design.
Der Game Hinterschaft wird in zwei Senkungen angeboten: 40/55 und 35/50 Millimeter, jeweils vorn an der Schaftnase und hinten an der Schaftkappe gemessen. Ein schlanker 'English Style'-Vorderschaft sowie die feine Fischhaut an Vorder- und Hinterschaft runden das ­harmonische Gesamtbild der führigen 'Game' ab.

F3 Competition

Schaft macht die F3 in Verbindung mit den vom Schützen eigenhändig und einfach justierbaren Balancemassen im Hinterschaft sowie jetzt auch am Laufbündel zu der einzigen Flinte am Weltmarkt, die dem Schützen – unabhängig vom persönlichen Schießstil – den perfekt ausbalancierten Schaft an die Hand gibt. Ganz gleich welcher Stil hauptsächlich oder situationsbedingt präferiert wird, ob dynamischer Schwung, Synchronschwung, Aufnehmen-Mitschwingen-Vorschwingen oder der Schuss auf den kalkulierten Zielpunkt ('Move Mount Shoot' als die Hohe Schule des Flintenschießens). Nur mit der F3 'Competition' kann gleichermaßen das ­Gesamtgewicht als auch – wichtig – die Balancever­teilung ganz individuell op­timiert werden.
Zur besser entspannten ­Haltung der Schießhand im Anschlag ist der Pistolgriffwinkel der 'Competition' deutlich steiler ausgelegt und zudem der Pistolgriff minimal geschränkt, um das Handgelenk im Anschlag zu entlasten. Auch die optimierte Handballenauflage und der vergrößerte Schaft­rückenradius dienen einem besseren Anschlag und lassen den Rückstoß subjektiv weniger spüren. Der Sporting-Hinterschaft wird in den Senkungen 40/55, 38/50 und 36/48 Millimeter angeboten. Beim Vorderschaft der Competition herrscht ebenfalls Wahlfreiheit, weil er in schma­lem 'English Style' oder mit traditionellem 'Schnabel'-Abschluss oder als 'Semi Beavertail' ('Halbbiberschwanz') erhältlich ist.

F3 Game Competition

Mit der neu zur IWA 2008 vorgestellten F3 'Game Competition' hat Blaser eine neue F3-Variante im Programm. Sie ist speziell für den passionierten Flinte­n­jäger und jagdlichen Wurfscheibenschützen (DJV Jagdliches Schießen oder die neue F.I.T.A.S.C. Disziplin 'Combined Game Shooting') gedacht und kann ihm für alle genannten Bereiche die ­ideale Flinte darstellen, falls er nicht jeweils eine Spezialflinte haben will.
Wie die Bezeichnung unschwer verrät, kombiniert die neue F3 Merkmale der 'Game
und der 'Compe­tition'. Von der 'Game' übernimmt sie das leichtere Laufbündel und den Vorderschaft im klassischen 'English Style'-Design. Von der 'Competition' stammt die breitere Laufschiene – 10,5 mm auf 8,5 mm verjüngend –, jeweils mit HIVIZ-Leuchtkorn und Wechselkornsatz. Die Competition stand auch Pate für den 'Sporting'- Hinterschaft. Der zeichnet sich aus durch den steileren, ergonomisch optimierten Pistolgriff, den viel größeren Schaftrückenradius und die rutschsichere Gummikappe.
Der Clou an der 'Game Competition' ist die serienmäßige Ausstattung mit den Balancemassen sowohl am Laufbündel ('Laufbalancer') als jetzt auch in der Hinterschaftbohrung ('Balancer'): So kann durch ­Einsetzen und Austarieren einzelner Balancer-Massen (Gewichten) die persönliche Flintenbalance ermittelt und eingestellt werden. Zudem besteht auch die Möglichkeit, durch Entfernen aller Einzelgewichte das Gesamtgewicht der F3 für ermüdungsfreies Führen bei der Jagd im schweren Gelände um bis zu 350 Gramm zu reduzieren.

Alles in allem

Ob nun die leichte 'Game' für die Jagd oder die 100 Prozent ausbalancierte 'Competition' für den jagdlichen Wettkampf: Blaser verspricht nicht zu viel, wenn sich die F3 'Game Competition' als die Gebrauchsflinte mit idealen Voraussetzungen für beide Einsatzfelder herauskristallisieren dürfte – ohne dabei ihre spezialisierten Schwestern arbeitslos zu machen.