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Sauer 80 und 90: Repetierbüchsen-Klassiker

Die Sauer 90 ist ein Klassiker unter den Repetierbüchsen. © Reiner Mertens

Die Sauer 80, aus der später mit einigen kosmetischen Änderungen, hauptsächlich am Schaft, das Modell 90 wurde, ist ein echter Klassiker bei den Repetierbüchsen. Sauer ging hier einen gänzlich anderen Weg als die anderen Hersteller und baute einen Repetierbüchsenverschluss, der ohne Verriegelungswarzen auskommt. Das erste Produktionsjahr war 1972.

Legendärer Schlossgang

Sauer verwendet zur Verriegelung Stützklappen, die beim Schließen der Waffe zwangsgesteuert werden und in entsprechende Aussparungen der Verschlusshülse eintreten. Die eigentliche Verschlusskammer mit Stoßboden, Auszieherkralle und Auszieherbolzen führt beim Öffnen und Schließen der Waffe keine Drehbewegung aus. Durch diese Konstruktion wird ein extrem weicher, geräuscharmer Schlossgang erreicht. Ein Festschießen des Verschlusses, wie er bei großen Kalibern in den herkömmlichen Verschlüssen auftreten kann, wird damit ebenfalls ausgeschlossen. 

Auch in den etwas druckstärkeren Kalibern ist der Verschluss der Sauer 80 beziehungsweise 90 nach dem Schuss spielend leicht zu öffnen. 

Der Schlossgang der Sauer ist legendär und wird von keinem anderen Modell erreicht (nicht einmal von der Mannlicher GK, die wir demnächst einmal vorstellen). Zudem ist die Verschlusshülse der Sauer 80 (bzw. 90) weitgehend geschlossen, woraus nicht nur ein formschönes, glattes Aussehen resultiert, sondern auch eine große Bettungsfläche des Systems und eine hohe Verwindungsfestigkeit erreicht wird.

Die Schiebesicherung auf dem Kolbenhals blockiert den Abzugsstollen; im gesicherten Zustand lässt sich die Büchse über ein Knöpfchen im Kammerstängel öffnen. © Reiner Mertens

Die Schiebesicherung auf dem Kolbenhals blockiert den Abzugsstollen; im gesicherten Zustand lässt sich die Büchse über ein Knöpfchen im Kammerstängel öffnen.

Kombiabzug – auch ungestochen gut zu beherrschen

Das Magazin ist als modernes Einsteckmagazin ausgeführt, der Abzug meist als Rückstecher (es gab alternativ einen trocken einstellbaren Direktabzug). Auch in ungestochenem Zustand hat der Sauer-Abzug aber eine gute Charakteristik, was besonders beim Einsatz auf Drückjagden wichtig ist.

Die Sicherung liegt als Schiebesicherung auf dem Kolbenhals und sperrt im gesicherten Zustand Abzug und Kammer. Die Kammer lässt sich aber auch im gesicherten Zustand zum Entladen öffnen, wenn der Druckknopf oben auf dem Kammerstängel betätigt wird. 

Holzarbeiten des Schaftes penibel ausgeführt

Der Schaft der Sauer 80, das Ursprungsmodell, fiel etwas kantig aus und wurde daher nach einigen Jahren überarbeitet. (Die Sauer 90 hat einen schlankeren und moderner wirkenden Schaft, ist technisch jedoch fast identisch. Der 90er Schaft lässt sich mit kleinen Änderungen auch am alten 80er Modell anbringen. Bei der Sauer 90 erfolgte die Systembettung auf einem Alublock, und der vordere Riemenbügel war am Lauf befestigt und nicht mehr in den Vorderschaft eingeschraubt.) Die Verarbeitung der Büchse ist vorbildlich. Alle sichtbaren Teile sind poliert und tiefschwarz brüniert. Auch die Holzarbeiten sind dem damaligen Verkaufspreis, der im Repetierbüchsenmarkt ganz oben lag, entsprechend penibel ausgeführt. Wer eine Sauer 80 (oder 90) kauft, erhält eine hervorragend verarbeitete Repetierbüchse mit außergewöhnlichem Verschluss, tollem Schlossgang, Einsteckmagazin und gutem Abzug. So weit die Vorteile dieses Modells.

Doch es gibt auch Nachteile. Ein Handikap ist die große Baulänge des Verschlusses, der einige Zentimeter über der des 98er Mauser-Systems liegt. Hat die Büchse dann auch noch ein Magnumkaliber, etwa 7 mm Rem. Mag. oder 8 x 68 S, wird es elendig lang, denn Sauer hat hier 66-cm-Läufe verbaut. Zur Ausnutzung der Patronenleistung ist das unbestritten richtig, aber dadurch ergibt sich dann eine Gesamtlänge von 118 Zentimetern – für enge Kanzeln sehr unvorteilhaft.

Verschiedene Ausführungen erhältlich

Die Preise für ein gut erhaltenes Exemplar fangen je nach montiertem Zielfernrohr bei etwa 1200 Euro an. 

Neben der Standardversion gibt es eine Magnumausführung und einen Stutzen sowie verschiedene Sondermodelle wie ein Scharfschützengewehr. Wer die größere Baulänge in Kauf nimmt und die Waffe nicht in sandigem oder staubigem Umfeld einsetzt, kauft mit einer Sauer 80 eine der hochwertigsten Repetierbüchsen, die je gefertigt wurden, ein Stück deutscher Ingenieurkunst, das seinesgleichen sucht. 

Der Beitrag stammt aus dem Sonderheft Klassiker Nr. 1

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