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Sauer 100 Fieldshoot im Praxistest

Florian Standke © dlv
Florian Standke
am
Freitag, 23.04.2021 - 15:33
Komplettaufnahme-der-Sauer-100 © Florian Standke
Die Sauer 100 Fieldshoot.

Der Traditionshersteller Sauer möchte mit der Modellvariante Fieldshoot vor allem Long-Range-Schützen bzw. Feldjäger ansprechen, die auch mal weiter hinauslangen müssen. Am bekannten System hat sich nichts geändert, doch das Drumherum unterscheidet die Fieldshoot schon auf den ersten Blick von ihren Schwestern.

Der massige Buchen-Schichtholzschaft, der eine sehr gefällige Maserung aufweist, sorgt für ein unverkennbares Design. Aber er punktet nicht nur optisch. Schichtholz ist unempfindlich und arbeitet auch bei verschiedensten Witterungseinflüssen nicht. Der Schaft ist außerdem mit einigen nennenswerten Eigenschaften ausgestattet. Im vorderen Bereich ist er ventiliert. Dies verschafft dem Lauf bei Serienschüssen die nötige Kühlung in Form von aufsteigender Luft. An der Unterseite ist das Holz abgeflacht und liegt daher satt auf Sandsäcken oder anderen Auflagen auf. Unterhalb der Riemenbügelöse ist eine Zweibeinaufnahme verbaut, sodass Ruckzuck ein Zweibein montiert werden kann, ohne am Riemenbügel rumfummeln zu müssen.

Hinterschaft ergonomisch gestaltet

Der sportlich-modern geformte Hinterschaft der Fieldshoot ist ein Blickfang.

Auch der Hinterschaft ist speziell gearbeitet. Der Schaftrücken lässt sich in der Höhe um 30 mm verstellen. Die zwei Feststellschrauben samt ihren Kunststoffköpfen machen allerdings nicht den robustesten Eindruck. Anecken sollte man damit besser nicht.

Die Schaftkappe ist mittels einer Inbusschraube und zwei Innensechskantschrauben in der Höhe und seitlich verstellbar. Dank dieser Optionen kann der Schütze den Schaft individuell an seine Körpergröße und die zu schießende Anschlagsart anpassen, was für einen entspannten und somit wackelfreien Anschlag sorgt. Vor allem liegend kommt das zum Tragen, denn dabei rutscht einem die Schaftkappe gern in die Achsel.

Der Pistolengriff der Sauer 100 © Florian Standke

Die Maserung, die Form des Pistolengriffs und die Sauerkappe liefern ein stimmiges Gesamtbild.

Verträgt auch bei schnellen Schussserie gut die Hitze

Die Unterseite des Hinterschaftes ist aufgrund der dreieckigen Aussparung ein Hingucker. Im Anschlag findet dort die Unterstützungshand reichlich Platz. Dem aufmerksamen Betrachter fällt außerdem auf, dass dieses Design dem Schaft der Blaser R8 Ultimate ähnelt. Der volumige Pistolengriff bietet auch Schützen mit großen Händen Halt. Die Fischhaut der Testwaffe war nicht perfekt geschnitten und hätte ein wenig griffiger sein können.

Neben dem ergonomischen Schaft ist der kaltgehämmerte 62 cm lange und 22 mm starke Varmint-Matchlauf ein weiteres Merkmal der Sauer 100 Fieldshoot, der serienmäßig mit einem Mündungsgewinde (M18x1) ausgestattet ist. Sauer garantiert eine Präzision von unter einem MOA (29 mm) bei fünf Schuss auf 100 m. Der Lauf ist zwar lang, schwingt aber aufgrund seines großen Durchmessers kaum und schießt daher äußerst präzise. Bei schnellen Schussserien verträgt er Hitze gut und kühlt wegen seiner großen Oberfläche schneller ab als dünne Läufe. In Kombination mit dem voluminösen Schaft ergibt sich ein durchaus wuchtiges Bild der Waffe. Das Gesamtgewicht von genau fünf Kilogramm (ungeladen, mit ZF) bestätigte diesen Eindruck.

Um präzise schießen zu können, ist ein trocken stehender Direktabzug von Vorteil. Ist dies der Fall, fällt ein Abzugsgewicht jenseits der 1.000-Gramm-Marke nicht negativ auf. Genau das bestätigte die Testwaffe. Kein Vorweg, kein Kriechen: Der Schuss brach bei gut 1.000 g, ohne dass man am Abzug „zerren“ ­musste. Wer es schwerer mag, kann bis auf 2.000 Gramm hoch gehen.

In Sachen Kaliber hat sich Sauer auf einige wenige rasante Flitzer konzentriert. Die Spanne reicht von .223 Rem. über .243 Win., 6,5x55 SE, 6,5 Creedmoor, .308 Win. bis hin zur neuen 6,5 PRC (Testwaffe). Ein wenig aus der Reihe fällt da lediglich die .308 Win., die aber als Universalpatrone in keiner Kaliberpalette fehlen darf. Auch die am Markt erhältlichen günstigen und vielfältigen Laborierungen sprechen immer für die Alleskönnerin. Eine Überraschung in diesem Ensemble ist die 6,5 PRC, die Hornady 2018 auf der Shot Show vorstellte. Ihre kleine Schwester, die 6,5 Creedmoor, ist in kurzer Zeit zum Shootingstar avanciert. Es wird sich zeigen, ob die 6,5 PRC diesen Sprung auch schafft oder bald wieder von der Bühne verschwindet.

Die Optik schwächelt, der Lauf trifft

Fazit: Die Fieldshoot ist nicht zum Pirschen gemacht, sondern spielt ihre Stärken beim stationären Schießen aus. Schaftdesign und Lauflänge sowie -dicke sind von Sauer auf weite Schüsse ausgelegt und dementsprechend volumig bzw. lang konzipiert. In Kanzeln ist bei einer Gesamtlänge von 112,5 cm Vorsicht geboten, sonst eckt man schnell an. Die Waffe macht optisch aufgrund des Schaftes was her. System und Lauf sind sauber verarbeitet. Beim Schaft ist etwas Luft nach oben. System- und abzugstechnisch entspricht die Fieldshoot einer normalen Sauer 100, wobei der Abzug standardmäßig wirklich gut ist – vor allem wenn man bedenkt, in welcher Preisklasse sich die Waffe bewegt. Beim Thema Präzision darf die Ever-Rest-Bettung nicht unerwähnt bleiben. Mit der Precision Hunter ELD-X von Hornady unterbot die Testwaffe die von Sauer versprochenen 29 mm Streukreis regelmäßig. Der Beste lag bei guten 18 mm. Mit einem Zielfernrohr, das ein knackig scharfes Bild liefert, wäre sicher mehr drin gewesen. Das Testglas Minox ZX5 3-15x56 zeigte diesbezüglich eklatante Schwächen! Alles in allem bieten die Isnyer mit der Sauer 100 Fieldshoot eine präzise Waffe im modernen ergonomischen Design.


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