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Nachtsichttechnik: Das Pard NV 007/A im Praxistest

Thomas Bock © Thomas Bock
Thomas Bock
am
Donnerstag, 03.06.2021 - 06:54
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Helena-Pard © Thomas Bock
Das Pard ist ein Gerät mit doppeltem Nutzen: Hier als Handgerät für nächtliche Beobachtungen.

Die Jagd ist eine teure Passion. Mal von den Kosten für die Jagdmöglichkeit abgesehen – Büchse, Flinte, Fernglas haben ihren Preis, und nun kommt auch noch Nachtsichttechnik hinzu. Wer opto-elektronisch mithalten will, muss noch mal richtig tief in die Tasche greifen. Die Preise für Restlichtverstärker namhafter Marken haben nach oben kaum Grenzen.

Das liegt zum einen an den begrenzten Stückzahlen, die produziert werden, zum anderen an den verwendeten elektronischen Bauteilen, deren Herstellung besonderen Anforderungen unterliegt. Das treibt die Fertigungskosten und damit den Stückpreis nach oben. Ein Gerät, das den Gesetzen des Marktes zu trotzen scheint, ist das Pard NV 007/A. Die aus China stammenden Nachtsichtgeräte verzichten auf eine kostspielige Bildröhre und verstärken die eingefangenen Bilder mittels digitaler Technik.

Im Prinzip funktioniert das wie bei einer Handykamera, deren Nachtaufnahmen Bildpunkt für Bildpunkt aufgehellt werden. Dieses Verfahren ist deutlich preisgünstiger als die klassische Röhrentechnik, stößt aber bei fehlendem Restlicht an seine Grenzen. Für diesen Fall ist im Pard NV 007/A ein Infrarot-Aufheller verbaut (850 nm). Wiederkäuendes Schalen- und Raubwild kann das Licht wahrnehmen. Schwarzwild ist weniger empfindlich, sichert aber auch hin und wieder.

Mit dem Adapter am Zielfernrohr befestigen

Die Bedienelemente sind auf der Gehäuserückseite angebracht und lassen sich leicht greifen.

Ausgestattet mit diesen technischen Features lässt sich das Pard sowohl für nächtliche Beobachtungen als auch für den Schuss in finsterer Nacht auf Schwarzwild nutzen. Dafür wird das Gerät mithilfe eines Adapters auf das Okular des Zielfernrohrs (ZF) gesteckt. Nun blickt der Schütze auf das Bild des Nachtsichtgeräts, welches das Bild des Zielfernrohres auf seinem kleinen OLED-Monitor elektronisch darstellt.

Klingt zunächst einfach, ist aber mit etwas Justieraufwand verbunden. Da das Nachtsichtgerät genau wie das Zielfernrohr über mehrere Einstellungs- und Justiermöglichkeiten verfügt, geht man die Sache am Besten systematisch an und zäumt das Pferd von hinten auf. Stellen Sie, bevor das Pard montiert wird, den Dioptrienausgleich am Zielfernrohr auf „Null“ und drehen Sie die Vergrößerung auf die kleinstmögliche Einstellung herunter. Dann das Pard mittels Adapter auf das Okular setzen und mit dem Bajonettverschluss fixieren. Nun das Gerät einschalten und das Bild des Displays justieren. Hierfür nutzen Sie den Dioptrienausgleich am Okular des Nachtsichtgeräts. Drehen Sie so lange, bis die Schrift des Menüs bzw. der Anzeige scharf ist. Jetzt mit der dicken Justierwalze mittig am Nachtsichtgerät das Bild des Zielfernrohrs anpassen - fertig.

Je nachdem, wie gut sich Nachtsichtgerät und Zielfernrohr optisch „vertragen“, haben Sie jetzt ein klares helles Bild von der nächtlichen Umgebung und können problemlos Ziele bis zu einer Entfernung von etwa 120 m anvisieren. Allerdings gibt es einige Zieloptiken, die sich mit dem Pard nicht „vertragen“. Erfahrungsberichten zu Folge sind es oft hochpreisige High-End-Optiken und Long-Range-Zielfernrohre, die die meisten Darstellungsprobleme im Zusammenspiel mit dem Pard NV 007/A aufzeigen.

Vorteil bei Gläsern mit Parallaxenausgleich

Wer wählen kann, greift zu einem Zielfernrohr mit Parallaxenausgleich. Je größer der Stellbereich dieses Ausgleichs ist, desto besser lässt sich das Bild justieren. Ein ZF, das mit dem Pard-Gerät harmoniert, ist das Nachtfalke V6 2,5-16x42 Glas von DDoptics. Ausgestattet mit einem 6-fach-Zoom und einem schlanken 42-mm-Objektiv, ist besonders der leistungsfähige Parallaxenausgleich, dessen Stellbereich schon bei einer Nahdistanz von 10 m beginnt, im Zusammenwirken mit dem Pard hilfreich.

Der optische Abgleich wird über den linken Mittelturm am ZF eingestellt. Eigentlich dazu gedacht, einen möglichen Zielfehler durch einen veränderten Einblickwinkel zu kompensieren, lässt sich über diese Justierung das Bild im Display des Nachtsichtgeräts kristallklar einstellen. Doch die Schärfe der Abbildung ist nicht nur von den optischen Voraussetzungen abhängig. Leider nimmt die digitale Verstärkung des Pards auch witterungsbedingte Störungen wie Nebel, Regen oder Dunst wahr und verstärkt diese.

Das führt zu einer Reichweitenminderung, die auch durch den verstärkten Einsatz des Infrarot-Aufhellers nicht ausgeglichen werden kann. Im Gegenteil, je mehr Wassertröpfchen in der Luft sind, desto mehr blendet das von ihnen reflektierte Licht, egal ob im Infrarot- oder sichtbaren Bereich. Ein Effekt, den wir alle von Autofahrten im Nebel kennen.

Damit das Pard sicher und fest am Okular des Zielfernrohrs sitzt, gibt es Adapter. Mittlerweile sind diese zahl- und variantenreich auf dem Markt. Das von unserem Tester verwendete Zwischenstück gibt es in unterschiedlichen Größen, die für unterschiedliche Okulardurchmesser geeignet sind. Da solche Adapter nicht immer hundertprozentig passen, liegt dem Pard eine Rolle schwarzes Isolierband bei. Mit ein paar Wicklungen davon am Okular lässt sich der Adapter über die Stellschraube schnell anpassen und festziehen. Auch ein Stück eines alten Fahrradschlauchs leistet gute Dienste.

Das Gerät selber wird über einen Bajonettverschluss angebracht. Einfach aufstecken und mit einer 30-Grad-Rechtsdrehung festsetzen. Ist die Endposition erreicht, arretiert ein federbelasteter Schieber das Ganze sicher und verhindert ein ungewolltes Lösen. Eine Sicherungsmaßnahme, die den auftretenden Kräften beim Schuss geschuldet ist.

Die Elektronik muss enorme Kräfte aushalten

Durch die feste form- und kraftschlüssige Verbindung zwischen ZF und Nachtsichtgerät pflanzen sich die Rückstoßkräfte bis in die angehängte Optoelektronik fort. Das können abhängig von Geschossgewicht, Kaliber und Treibladung mehrere hundert g (1 g = 9,81m/s2) sein. Solche enormen Kräfte verringern natürlich die Lebensdauer von angehängten Zusatzgeräten, besonders wenn deren elektronisches Innenleben nicht für solche Spitzenbelastungen dauerhaft ausgelegt ist. Im Falle des Pard-Gerätes empfiehlt sich deshalb die Verwendung eines Schalldämpfers. Mit der Flüstertüte am Lauf reduziert sich nicht nur die Lautstärke. Auch der Rückstoß der Waffe wird nur noch halb so stark wahrgenommen. Dies wird zudem relevant, wenn es um das Thema Augenabstand zum Okular geht. Der verringert sich durch das Aufsetzen von Adapter und Nachtsichtgerät. Mithilfe einer Schaftkappenverlängerung von zwei bis drei Zentimetern lässt sich das ausgleichen. Der Fachhandel hält zahlreiche Modelle bereit. Eleganter ist natürlich ein verstellbarer Schaft, der sich auf Knopfdruck verlängern lässt. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, an der „Pard-Nachtjagdbüchse“ das Glas entsprechend weit vorne montieren zu lassen.

Verlangen Sie die „BRD-Edition“

Ist die Entscheidung für ein Pard gefallen, stellt sich die Frage: Wo soll ich kaufen? Der Hauptvertriebsweg für diese Nachtsichttechnik ist das Internet. Wer den Begriff Pard googelt, bekommt seitenweise Geräte und Zubehör angezeigt. Einige dieser Geräte müssen dabei im Ausland bestellt werden. Der Grund dafür: Diese Modellvarianten sind in Deutschland verboten, weil besondere Features wie zum Beispiel Fadenkreuz und Laserpointer verbaut sind.

Wer hier unbedacht bestellt, kann in ernsthaften Konflikt mit dem Gesetzgeber geraten, da solche Geräte in Deutschland als verbotene Gegenstände gelten. Wer kein Risiko eingehen will, kauft bei einem Händler. Das hat den Vorteil, dass er Sie gleich beraten kann und man einen Ansprechpartner für den Garantiefall hat. Tipp: Verlangen Sie das NV 007/A (BRD-Edition).

Foto- und Videofunktion

Besonders für die nächtliche Jagd an der Kirrung, wenn die Schussdistanzen unter 100 Meter liegen, ist das Pard ein zuverlässiger Partner.

Erlaubt und nützlich ist die Foto- und Videofunktion des Pard 007/A. Mit etwas Übung gelingen damit tolle Aufnahmen, die das nächtliche Jagderlebnis im heimischen Wohnzimmer wiedererlebbar machen. Was gefilmt oder fotografiert wurde, lässt sich per USB-Schnittstelle oder WLAN-Verbindung auf den PC laden. Vor Ort kann man sich die Szene per Abspielfunktion auch auf dem Gerätedisplay ansehen. Als Speichermedium im Pard dient eine Micro-SD-Karte, die ihren Steckplatz an der linken Gehäuseseite hat. Diese Karte ist nicht im Lieferumfang enthalten. Von einer Gummiabdeckung geschützt, finden sich hier auch die USB-Buchse (Mikro) und einen Video-Anschluss.

Die Videofunktion ist für Jäger interessant, die sich die Schussabgabe noch einmal genau anschauen möchten. Zum einen lässt sich so der Sitz der Kugel nachvollziehen, zum anderen ist der Anschuss besser zu finden. Wer Sorge hat, dass das Aufsatzgerät die Treffpunktlage der Waffe verändert, kann beruhigt sein. Im Gegensatz zu den Vorsatzgeräten, die ganz genau montiert und eingeschossen werden müssen, besteht da keine Gefahr. Die Elektronik sitzt ja hinter der Zieloptik.

Günstige Anschaffungskosten

Bleibt zum Schluss die Frage: Was kostet der Spaß? Damit kommen wir auch zu des Pudels Kern. Im Gegensatz zu vielen anderen Produkten ist das Pard der absolute Preisknaller. Mit einem Preis von aktuell rund 350 Euro pro Stück ist das Produkt unschlagbar in seiner Kategorie und hätte zu Recht eine Anerkennung für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis verdient. Die günstigen Anschaffungskosten lassen die meisten unserer Kritikpunkte wie die fehlende Abdeckung der Frontlinse und die nicht unerhebliche Wärmeentwicklung beim Betrieb des Infrarot-Aufhellers in den Hintergrund treten. Ein voll nachtjagdtaugliches Gerät zum Beobachten und zur Montage an der Waffe ist zu dem Preis sensationell, auch wenn es der Abstimmung an die vorhandene Zieloptik bedarf und eine gewisse Eingewöhnungsphase in der Handhabung nötig ist.

Gesetzeslage beachten

Abschließend ein Wort zur Verwendung als Nachsatzgerät am Zielfernrohr: Nach der derzeitigen Gesetzeslage ist die Nutzung aufgrund des integrierten Infrarot-Aufhellers in einigen Bundesländern nur mit einer speziellen Genehmigung erlaubt und stellt ansonsten einen Verstoß gegen das Waffengesetz dar. Ob der Gesetzgeber in Zukunft seine Meinung dazu ändern wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall sind dahingehende Bestrebungen auf Bundesebene im Gange.

Die von uns gezeigten Bilder und die Erprobung der Geräte fand mit behördlicher Genehmigung in Bayern statt. Das Pard NV 007/A wird fast überall angeboten. Der Preis ist dank des Nachfolgemodells Pard NV 007S von etwa 600 Euro auf 350 Euro gesunken. Die im Beitrag gezeigten Testgeräte hat uns dankenswerter Weise die Firma aufgehtsfreun.de zur Verfügung gestellt.


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