Home Multizoom-Zielfernrohre: Der große Vergleichstest

Multizoom-Zielfernrohre: Der große Vergleichstest

Mittels Zusatzvergrößerung und Kollimator erkennt man die Feinheiten der Optik.


Ob man Zielfernrohre mit 5-, 6- oder 8-fachem Zoom braucht oder nicht, sei dahingestellt. Besonders beliebt sind infolge Nachtjagd auf Sauen Zielfernrohre mit 56-mm-Objektivdurchmesser. Ein Grund, sich mal einige dieser Zielfernrohre vorzuknöpfen. In der Jagdpraxis konnte ich mit solchen Multizoom-Zielfernrohren nur positive Erfahrungen sammeln. Der erweiterte Vergrößerungsbereich macht diese Zielfernrohre einfach universeller. Man nutzt sie komfortabler. Im Wald oder auf engen Schneisen stehen geringe Vergrößerungen mit weitem Sehfeld für den schnellen Schuss zur Verfügung. Ganz besonders schätze ich eine deutlich über 12-fache Vergrößerung. Sie ermöglicht ein viel präziseres Zielen auch auf weiten Entfernungen. Nebenbei auch das Erkennen so manchen Knopfbocks. Ideal ein ballistisches Absehen oder eine Absehenschnellverstellung. Ein feines, gut dimmbares Leuchtabsehen ist Standard. Es hilft bei Nacht, aber auch am Tag seine überwiegende Konzentration nicht nur aufs Zielen zu verschwenden. Schnelle Schüsse und sichere Zielaufnahme sind die Vorteile. Natürlich darf bei über 12-fach ein Parallaxenausgleich nicht fehlen.

Die Handhabung sollte für Links- und Rechtsschützen ergonomisch sein. Besonders beim Leuchtabsehen. Für Linkshänder ideal, wenn die Leuchteinheit auf dem Okular sitzt. Bis auf das Steiner Nighthunter liegen die Absehen in der 2. Bildebene (nicht mit vergrößernd). Für die Jagd ideal. Bei geringer Vergrößerung auf die kurzen Distanzen hat man ein stärkeres Absehen, das gut ins Auge springt. Dagegen ist es bei hoher Vergrößerung für weite Punktschüsse sehr fein. Das feine Absehen beim Steiner Zielfernrohr vergrößert sich mit. Es eignet sich sehr gut für weite Punktschüsse und ein Anhalten mit dem ballistischen Absehen bei jeder Vergrößerung.

Rund 2000 Einzeldaten aus Labor und Praxis

Die Qualität eines Zielfernrohrs setzt sich aus dem Paket Mechanik und Optik zusammen. Hinzu kommen kompakte Maße und geringes Gewicht. Es soll führig sein. Hohe Schussfestigkeit ist unabdingbar. Genauso wie gute Bedienbarkeit bei starker Kälte und Dichtheit. Desto höher der Zoomfaktor, desto schwieriger wird es eine brillante Optik mit hellem Bild bei hoher Schärfe, großem Augenabstand, weitem Sehfeld und kompakten Maßen zu verwirklichen. Da müssen einige Kompromisse eingegangen werden. Nach meiner Erfahrung schmälern sie den Praxiswert nicht. Die Vorteile des hohen Zooms überwiegen. Für die Detailerkennbarkeit bei geringem Licht ist immer das Zusammenspiel von Lichttransmission, Schärfe, Kontrast und Falschlichtanteil entscheidend.

Wir haben festgestellt, dass der MTF-Wert (besonders auch für den Kontrast) darüber viel aussagt. In der Praxis konnten wir uns von dessen Richtigkeit nur überzeugen. Jäger benötigen weite Sehfelder und natürlich eine nachttaugliche Optik. Man will Sauen bei geringem Halbmondlicht vor dunklen Dickungen erkennen. Genauso die Gams im Gegenlicht. Beides sollten die Multizoomer mit 56er Objektiven gewährleisten. Schließlich setzt man sie von der Kirrung bis zur Bergjagd ein. Einzig für Drückjagden sind sie nicht ideal.

Eine Nanovergütung der Außenlinsen ist schmutzabweisend und lässt Wasser abperlen. Leicht gemacht haben wir es uns nicht. Insgesamt 7 Personen von 27 bis 60 Jahren waren am Test beteiligt. Rund 2000 Einzeldaten wurden in Labor und Praxis gesammelt.

Delta Optical Titanium 2,5 - 12,5 x 56 HD © Roland Zeitler

Delta Optical Titanium 2,5 - 12,5 x 56 HD

Delta Optical Titanium 2,5-15x56 HD

6-fach Zoomer mit einer Kombieinheit von Leuchtstärkeregelung und Parallaxenausgleich am Mittelrohr. Die Klick-Absehenverstellung ging sehr leicht. Dimmung der Leuchtstärke in elf Stufen für Tag/Nacht mit Abschaltung in Zwischenstufen. Sehr feiner Leuchtpunkt. Ohne Beleuchtung feines Fadenkreuz. Die Schärfe ist sehr hoch. Die Detailerkennbarkeit wird durch den eher geringen Kontrast bei geringem Licht geschmälert. Die Mechanik arbeitete sehr präzise. Allerdings ging bei Kälte der Zoomring sehr schwer und der Parallaxenausgleich sowie Dioptrienausgleich schwer. Auch bei +23 °C liefen Zoomring und Parallaxenausgleich schwergängig.

Docter V6 2,5 - 15 x 56 © Roland Zeitler

Docter V6 2,5 - 15 x 56

Docter V6 2,5-15x56

Das 6-fache Zoom-Zielfernrohr besitzt ebenfalls eine Kombieinheit aus Leuchteinheit und Parallaxenverstellung am Mittelrohr. Parallaxenausgleich und Vergrößerungswechsler liefen schwer. Allerdings waren sie bei Kälte noch gut bedienbar. Zum Einschalten des Leuchtpunktes ist eine Kappe zu ziehen. Danach kann die Leuchtstärke per kurzem Dreh nach unten oder oben gedimmt werden. Man kann die Leuchtstärke durchlaufen lassen. Eine Memoryfunktion sorgt für dieselbe Leuchtstärke nach Aus-/Einschalten. Nach drei Stunden wird automatisch abgeschaltet. Der Leuchtpunkt für Tag und Nacht ist fein. Ohne ihn steht ein feines Fadenkreuz zur Verfügung. Die Mechanik arbeitete sehr präzise. Bei der Lichttransmission fiel der Nachtwert deutlich ab. Der Kontrast war mittelmäßig bis gut. Die Auflösung sehr gut. Das hohe Falschlicht beeinträchtigte den guten Bildeindruck in der Praxis nicht. Eine sehr gute Detailerkennbarkeit war auch bei schwierigem Licht gegeben.

Kahles Helia 2,4 - 12 x 56 i © Roland Zeitler

Kahles Helia 2,4 - 12 x 56 i

Kahles Helia 5 2,4-12x56i

Ein Zielfernrohr mit 5-fachem Zoom, dessen Vergrößerung leider nur bis 12-fach geht. Ein feiner Punkt ist im feinen Fadenkreuz auch unbeleuchtet erkennbar. Per Dreh an der Leuchteinheit am Mittelrohr ist der Leuchtpunkt für Tag/Nacht fein dimmbar. Er zeichnet sich scharf ab. Nach Abschalten ist stets erneut die Leuchtstärke einzujustieren. Die Leuchteinheit ist mit Neigungssensor ausgestattet. Bei 45 bis 75 Grad, Abstellen oder Ablegen ohne Bewegung wird nach zwei Minuten abgeschaltet. Ab 75 Grad sofort. Bei Aufnahme der Waffe schaltet sich das Leuchtabsehen sofort ein. Eine Memoryfunktion ist vorhanden. Nach zwei Stunden ohne Bewegung sowie nach vier Stunden ohne Dimmung wird komplett abgeschaltet. Der Neigungssensor ist deaktivierbar. Bei Tag ist der Leuchtpunkt etwas schwach. Die Klick-Absehenverstellung ging schwammig. Jeder zweite Klick ging zu leicht. Teils verstellte es sich nur um einen halben Klick. Ansonsten arbeitete die Mechanik präzise. Die Lichttransmission war sehr hoch. Genauso die Schärfe. Der Kontrast war gerade noch gut. Insgesamt ein helles Bild. Auch in schwierigem Licht war die Detailerkennbarkeit hoch. Bei Kälte liefen Zoomring und Okular schwergängig.

Kite KSP HD2 2,5 - 15 x 56 © Roland Zeitler

Kite KSP HD2 2,5 - 15 x 56

Kite KSP HD2 2,5-15x56

Bei dem 6-fach-Zoom-Zielfernrohr mit maximal 15-facher Vergrößerung fehlt ein Parallaxenausgleich. Er würde Parallaxenfehler verhindern und zu optimaler Schärfe auf unterschiedlichen Entfernungen bei hoher Vergrößerung beitragen. Das Absehen ist wie beim Kahles Helia aufgebaut. Der feine Leuchtpunkt ist in elf Stufen für Tag/Nacht an der Leuchteinheit am Mittelrohr dimmbar. Bei Tag ist der Leuchtpunkt etwas schwach. In den Zwischenstufen wird abgeschaltet (Stand-by). Die Mechanik arbeitete sehr präzise. Bei Kälte ließen sich Zoomring und Okular nur schwer bewegen. Die Schärfe ist sehr hoch. Die Lichttransmission liegt selbst beim Nachtwert bei hohen 90 Prozent. Der Kontrast ist nur durchschnittlich. Das schmälert die Detailerkennbarkeit in sehr schwierigen Lichtsituationen. Zudem vermisst man bei hoher Vergrößerung vor allem in der Dämmerung den Parallaxenausgleich für eine optimale Schärfe auf allen Entfernungen.

Leica Magnus 2,4 - 16 x 56 © Roland Zeitler

Leica Magnus 2,4 - 16 x 56

Leica Magnus 2,4-16x56

Tatsächlich hat das Magnus einen 6,6-fachen Zoom. Der Parallaxenausgleich sitzt am Mittelrohr. Bei der ASV (BDC) auf dem Höhenturm sieht man im Fenster die Klickskala. Per Drehring mit Schlosssymbolen kann die Verstellung arretiert werden. Der Tausch mit Entfernungsringen ist möglich. Die niedrig bauende Leuchteinheit sitzt auf dem Okular. Es steht ein feines Fadenkreuz mit kleinem Punkt zur Verfügung. Bei Dreh nach links oder rechts der Kappe auf der Leuchteinheit wird für Tag bzw. Nacht das Leuchtabsehen aktiviert. Die Leuchtstärke kann bequem per seitlichen Druck auf die Kappe durchlaufend in 60 Stufen gedimmt werden. Die Leuchteinheit stört nur gering bei der Vergrößerungsverstellung. Bei Abstellung im 75-Grad-Winkel nach oben oder unten schaltet das Leuchtabsehen nach drei Minuten ab. Durch Änderung der Lage oder Bewegung wird es sofort wieder aktiviert. Eine Memoryfunktion speichert die letzte Leuchtstärke. Die Mechanik arbeitete präzise. Auffallend, dass man die Augenpupille extrem zentrisch platzieren musste, um keine Bildeinbußen zu haben (empfindliche Austrittspupille). Ist dies nicht der Fall, kommt es schnell zu Vignettierung und Abschattungen. Die Lichttransmission ist hoch, vor allem der Nachtwert. Bei der Schärfe bildet das Magnus das Schlusslicht unter den Testkandidaten. Ebenso beim Kontrast. Das erschwert eine hohe Detailerkennbarkeit bei schwierigem Licht. Man erkannte klar die schlechtere Bildqualität zu anderen Zielfernrohren wie Zeiss Victory, Swarovski Z6/Z8, Docter V6, Steiner oder Meopta Meostar R2. Bei Kälte liefen Zoomring und Okular schwergängig. Sicherlich haben die Konkurrenten in den letzten Jahren erheblich ihre optische Leistung verbessert, so dass Leica etwas ins „Hintertreffen“ geriet.

Meopta Meostar R2 2,5 - 15 x 56RD © Roland Zeitler

Meopta Meostar R2 2,5 - 15 x 56RD

Meopta Meostar R2 2,5-15x56RD

Auffallend bei dem 6-fach-Zoomer der kurze Objektivkonus. Leider fehlt ein Parallaxenausgleich, der für Parallaxenfreiheit und vor allem Schärfe auf unterschiedliche Entfernungen sorgt. Die feinen Linien des Absehens sind sichtbar vom mittigen, feinen Punkt abgesetzt. Die Leuchteinheit am Mittelrohr ermöglicht eine Leuchtstärkenwahl in acht Stufen für Tag und Nacht. In den Zwischenstufen wird abgeschaltet (Stand-by). Nach drei Stunden wird automatisch abgeschaltet. Die Mechanik arbeitete präzise. Vor allem der Nachtwert ist bei der Lichttransmission sehr hoch. Das Bild ist sehr scharf und der Kontrast hoch. Insgesamt ein sehr gutes Bild mit dem auch bei schwierigem Licht eine hohe Detailerkennbarkeit gegeben war

Steiner MX5i 5 - 25 x 56 © Roland Zeitler

Steiner MX5i 5 - 25 x 56

Steiner M5Xi 5-25x56

Ein sehr langes und schweres Zielfernrohr mit 5-fachem Zoom und 34-mm-Mittelrohr. Der Zoomring lief etwas schwergängig. Bei Kälte auch das Okular. Das Zielfernrohr ist mit großen, griffigen und offenen Absehenverstellrädern ausgestattet. Der Höhenverstellturm hat maximal zwei Umdrehungen. Die zweite Umdrehung erkennt man an der Skalierung deutlich. Der Vergrößerungswechsler lief sehr schwer. Die Kombieinheit am Mittelrohr für Parallaxenausgleich und Leuchteinheit baut wie die Absehenverstelltürme voluminös. Das ballistische Horus-Absehen H-59 in der 1. Bildebene (sich mitvergrößernd) ist für weite Schüsse ausgelegt. Bei geringer Vergrößerung erkenne ich vor dunklem Hintergrund das feine Absehen nur schwer. Der Leuchtpunkt ist unbedingt erforderlich. Auf weite Entfernungen kann sehr präzise, punktgenau visiert werden. Das balllistische Absehen kann bei jeder Vergrößerung genutzt werden. Die Leuchtstärke kann für Tag/Nacht in elf Stufen (7 Nacht, 4 Tag) gedimmt werden. In Zwischenstufen wird abgeschaltet. Das Sehfeld ist wegen hoher 5-facher Anfangsvergrößerung sehr eng. Da muss man teils schon das Wild suchen. Die Mechanik arbeitete hochpräzise. Die Auflösung ist hoch und nur geringfügig geringer als bei den meisten Testgläsern. Die Lichttransmission ist hoch, wobei der Nachtwert etwas abfällt. Dafür ist der Kontrast sehr gut. Die Austrittspupille ist empfindlich. Wird die Augenpupille nicht gut zentriert, dann treten „milchige“ Reflexe in der Randzone auf. Insgesamt wird ein scharfes, brillantes Bild mit hoher Detailerkennbarkeit bei schwierigem Licht geboten. Ein Zielfernrohr, das vor allem für hochpräzise weite Schüsse prädestiniert ist. Es ist mechanisch erhaben mit sehr guter Optik.

Swarovski Z6i 2,5-15x56P © Roland Zeitler

Swarovski Z6i 2,5-15x56P

Swarovski Z6i 2,5-15x56P

Ein sehr leichtes Zielfernrohr mit 6-fachem Zoom. Der Parallaxenausgleich am Mitterlrohr weist bei 100 Meter eine Raststufe auf. Die Leuchteinheit mit Batterie auf dem Okular baut deutlich höher und breiter als beim Z8i. Sie stört beim Vergrößerungswechsel. Das Absehen mit seinen feinen Linien weist mittig einen geringen Punkt auf. Beleuchtet zeichnet er sich scharf ab. Auch hier ein Wahlhebel für Tag/Nacht. Die 64 Leuchtstufen dimmt man per Druckknöpfen an den Seiten der Leuchteinheit. Etwas umständlicher als beim Z8i. Automatisch abgeschaltet wird per Neigungssensor sowie nach drei bzw. fünf Stunden wie beim Z8i. Bei der Absehenverstellung war eine geringfügige Abweichung bei der Wiederholgenauigkeit feststellbar. Ansonsten arbeitete die Mechanik präzise. Vor allem die Lichttransmission für Nacht ist sehr hoch. Ebenso die Schärfe. Der Kontrast ist gut, aber deutlich geringer als beim Z8i. Insgesamt ein helles, brillantes Bild. Die Detailerkennbarkeit bei schwierigem Licht war sehr gut. Sie erreichte aber nicht die Qualität des Z8i oder des Zeiss Victory. Optional steht ein Ballistikturm mit Arretierung zur Verfügung.

Swarovski Z8i 2,3 - 18 x 56 P © Roland Zeitler

Swarovski Z8i 2,3 - 18 x 56 P

Swarovski Z8i 2,3-18x56P

Das 8-fach-Zoom-Zielfernrohr hat das weiteste Sehfeld aller Testkandidaten. Das erleichtert schnelle Zielaufnahme und ermöglicht schnelle Schüsse auf Schneisen. Parallaxenausgleich und Batterie sitzen am Mittelrohr. Bei 100 Meter ist eine deutliche Raststufe fühlbar. Auffallend wie angenehm der Vergrößerungswechsler lief. Die sehr schmale, niedrige Leuchteinheit auf dem Okular störte bei Vergrößerungsverstellung nicht. Per Wahlhebel kann zwischen Tag und Nacht gewählt werden. Gedimmt wird durchlaufend oder stufenweise per Drucktasten auf der Okularoberseite. Insgesamt stehen 64 Leuchtstufen zur Verfügung. Die feinen Absehenlinien reichen bis zum mittigen feinen Leuchtpunkt. Der Leuchtpunkt zeichnet sich sehr scharf ab. Abgeschaltet wird beim Waffenabstellen mittels Neigungssensor beim Abstellen (70°) oder Ablegen (mehr als 30°) der Waffe. Diese Funktion ist deaktivierbar. Eine Memoryfunktion ist vorhanden. Bei Waffenaufnahme wird das Leuchtabsehen sofort aktiviert. Bei Bewegungslosigkeit wird im Tagmodus nach drei und im Nachtmodus nach fünf Stunden abgeschaltet. Das sehr scharfe Bild weist eine hohe Lichttransmission auf. Der Kontrast ist Spitze. Insgesamt ein brillantes, helles Bild höchster Güte. Auch bei schwierigem Licht ist die Detailerkennbarkeit hervorragend. Der Praxiswert dieses Zielfernrohrs ist ausgesprochen hoch. Verschiedene ASVs (BTF, PBR) für Höhe und auch Seite stehen optional zur Wahl.

Vixen Artes 5 - 30 x 56 © Roland Zeitler

Vixen Artes 5 - 30 x 56

Vixen Artes 5-30x56

Ein 6-fach-Zoomer mit sehr geringem Sehfeld, da die Vergrößerung bei 5-fach beginnt. Da muss teils Wild schon gesucht werden. Der Parallaxenausgleich am Mittelrohr (34 mm) ist sehr gut skaliert. Die hohen, offenen Absehenverstelltürme können werkzeuglos genullt werden. Die hohe Leuchteinheit auf dem Okular stört beim Vergrößerungswechsel. Per gummiarmierten Druckknöpfen für Ein/Aus und rot/grün sowie +/- Dimmung der Leuchtstärke wird das Leuchtabsehen bedient. Es kann zwischen grünen oder roten Leuchtpunkt gewählt werden. Der feine Punkt ist bei hellem Tageslicht nur bei dunklem Hintergrund erkennbar. Für Dämmerung und Nacht ist er ideal. Nach zwei Stunden wird das Leuchtabsehen automatisch abgeschaltet. Das Vixen weist die geringste Lichttransmission unter den Testkandidaten auf. Es punktet aber mit hervorragendem Kontrast, geringen Farblängsfehlern und geringem Falschlicht. Ebenfalls die Auflösung ist sehr hoch. Die Mechanik arbeitete sehr präzise. In Dämmerung und Nacht erkennt man das etwas dunklere Bild. Bei genügend Licht – auch hellem Mondlicht – ist die Detailerkennbarkeit aber sehr hoch. Ein sehr gutes Bild, das etwas unter der geringen Lichttransmission leidet. Ein Zielfernrohr, das mit seinem ballistischen Absehen auch ausgezeichnet für präzise, weite Schüsse prädestiniert ist. Bei Kälte liefen Zoomring und Okular sehr schwergängig. Aufgefallen ist eine unscharfe Sehfeldblende (nicht korrekt montiert).

Zeiss Conquest V6 2,5-15x56 © Roland Zeitler

Zeiss Conquest V6 2,5-15x56

Zeiss Conquest V6 2,5.-15x56

Ein sehr kurzes, kompaktes Zielfernrohr mit 6-fachem Zoom. Es fehlt ein Parallaxenausgleich, der Parallaxenfehler vermeidet, vor allem aber optimale Schärfe bei hoher Vergrößerung auf unterschiedlichen Entfernungen garantieren würde. Das V6 ist mit offenem Höhenabsehenverstellturm (= optional) ausgerüstet. Zieht man die Kappe hoch, dann wird die Arretierung aufgehoben und es kann per Klicks verstellt werden. Die Leuchteinheit sitzt am Mittelrohr. Nach Ziehen der Kappe ist die Beleuchtung eingeschaltet und durch Drehung kann der feine Leuchtpunkt stufenlos für Tag/Nacht justiert werden. Es handelt sich wie beim Victory um einen sehr feinen, scharfen Leuchtpunkt. Das Conquest hat wie das Victory einen Bewegungssensor, der das Leuchtabsehen automatisch abschaltet. Eine Memoryfunktion ist vorhanden. Das Conquest V6 wies die höchste Lichttransmission Tag auf. Der Nachtwert fiel ab, ist aber ebenfalls sehr hoch. Die Schärfe fällt gering zu den meisten getesteten Zielfernrohren ab. Der Kontrast ist gut. Hier erkannte man in der Praxis deutlich einen qualitativen Unterschied zum Victory, dessen Optik eben brillantere Bilder mit noch höherer Detailerkennbarkeit lieferte. Das Conquest weist eine gute, praxisgerechte Optik mit hellem Bild und guter Detailerkennbarkeit bei schwierigem Licht auf. Der Unterschied zur Spitzenklasse war in der Praxis erkennbar.

Zeiss Victory V8 2,8 - 20 x 56M © Roland Zeitler

Zeiss Victory V8 2,8 - 20 x 56M

Zeiss Victory V8 2,8-20x56M

Ein 7-fach Zoomer mit sehr kurzer, aber aufgrund des 36-mm-Mittelrohrs volumiger Bauweise. Es hat einen idealen Vergrößerungsbereich, der auch sehr weite Schüsse erleichtert und manchen Knopfbock erkennen lässt. Das Sehfeld ist groß, aber deutlich geringer als beim Swarovski Z8i. Der Parallaxenausgleich am

Mittelrohr beinhaltet das Batteriefach. Bei 100 Meter ist eine Raststufe gut fühlbar. Die ASV mit neun Ringen für unterschiedliche Kaliber ist inkludiert. Nach Hochziehen der Kappe lässt sich das Absehen auf Klickrastung oder auf Entfernungsangaben justieren. Die Leuchteinheit auf dem Okular baut niedrig und störte beim Vergrößerungswechsel nicht. Eingeschaltet wird per mittigem Druckknopf. Danach lässt sich die Leuchtstärke bequem durch Drehung des großen Verstellrades (ohne mechanischen Anschlag) auf dem Okular stufenlos für Tag/Nacht dimmen. Abgeschaltet wird automatisch nach drei Stunden Bewegungslosigkeit. Ferner mittels deaktivierbarem Bewegungssensor bei seitlicher Neigung (45 Grad +) oder dem Abstellen (70 Grad +). Nach Aufnahme der Waffe wird das Leuchtabsehen sofort aktiviert. Ohne Beleuchtung steht ein durchgehendes feines Fadenkreuz zur Verfügung. Der scharfe Leuchtpunkt ist sehr fein. Die sehr gute Lichttransmission fiel beim Nachtwert ab. Die sehr hohe Schärfe und der hervorragende Kontrast verhelfen zu sehr hoher Detailerkennbarkeit bei schwierigem Licht. Geboten wird ein helles, brillantes Bild, das zusammen mit dem Swarovski Z8i herausragend ist. Die Mechanik arbeitete sehr präzise und ist sehr schussfest.

Fazit

Alle Zielfernrohre waren robust und bis vier Meter Tiefe (Prüftiefe) wasserdicht. Gegen Innenbeschlag wurden sie mit Stickstoff oder Argon gefüllt. Kein Hersteller machte falsche Angaben oder schummelte bei den Kennwerten. Leider fehlte bei Meopta und dem Zeiss Conquest der Parallaxenausgleich. Docter und Vixen bieten ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Dasselbe gilt für das Meopta und Zeiss Conquest. Beide haben aber leider keinen Parallaxenausgleich. Das sehr gute Steiner ist extrem präzise und ein hochwertiges Zielfernrohr für Präzisionsschüsse auf weite Entfernungen. Im Gesamtpaket als jagdliche Allrounder herausragend: das Swarovski Z8i und das Zeiss Victory V8. Beide teuer, dafür setzen sie sich aber in der Bildqualität deutlich nach oben ab. Das Zeiss V8 bot einen geringeren Zoomfaktor und das kleinere Sehfeld. Es ist volumiger, schwerer aber sehr kurz. Swarovski schaffte es, Mechanik und Optik leichter und graziöser zu verpacken. Ob das Zeiss Victory in Bildmitte noch etwas besser abbildet als das Z8i konnte weder im Labor noch in der Praxis zertifiziert werden. Teils hatte ich in Nuancen ein brillanteres Bild „vermutet“. Aber selbst ein 27-jähriger Tester konnte keinen Unterschied in der Praxis feststellen. Beides Spitzenzielfernrohre, die bei diesem Test alle Konkurrenten deutlich hinter sich ließen. Groß das Mittelfeld sowie gehobene Mittelfeld. Alles Zielfernrohre, die in der Praxis zufriedenstellen. Ein Zielfernrohr, das in der Praxis durchgefallen wäre ist nicht dabei. Für einen satten Mehrpreis bekommt man bei den Testsiegern die derzeit jagdlich sinnvoll realisierbare Technik. Auf was jeder mehr Wert legt oder bevorzugt ist individuell. Reale Gradmesser geben wir unseren Lesern zum eigenen Vergleich an die Hand.


Roland Zeitler Er ist ständiger freier Mitarbeiter der PIRSCH und Buchautor mit den Themenschwerpunkten: Waffen, Munition, Wiederladen, Optik und sonstige Jagdausrüstung. Darüber hinaus verfügt er über Jagderfahrungen auf fünf Kontinenten.
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