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Merkel Helix Speedster im Test

Im Test: Die Merkel Helix Speedster. © Martin Weber

Im Test: Die Merkel Helix Speedster.


Effizient und damit möglichst störungsarm Strecke zu machen, ist im Rotwildrevier die Königsdisziplin. Doch auch das Rehwild dankt es, wenn sie früh im Winter wieder Ruhe bekommen. Neben entsprechenden Schießfertigkeiten muss auch das passende Werkzeug vorhanden sein. Für die einen ist das ein alter 98er, für andere eine moderne Büchse mit Lochschaft. 

Für mich war es im Jahr 2018 die Merkel Helix in der Speedster-Ausführung. Und gepasst hat es zwischen uns beiden: Aber nicht, weil ich damit merklich schneller repetiert hätte als mit einem gewöhnlichen Lochschaft, sondern weil die Helix mit diesem Schaft ein gelungenes Gesamtpaket darstellt.

Keine zeitlichen Vorteile zum Lochschaft der Blaser R8

„OmegaGrip“ nennt Merkel das wesentliche Merkmal des Schaftes aus grünem Kunststoff, nämlich den „Lochschaft mit Loch oben“. Namensgeber war die Form: Dreht man die Waffe auf den Kopf, erscheint der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. In Kombination mit dem steil stehenden Pistolengriff und dem Geradezugrepetiersystem der Helix hat sich Merkel etwas einfallen lassen, was einfach super zusammenpasst: Der Helix-typische Repetiervorgang aus Ziehen und Schieben ergänzt sich wunderbar mit dieser speziellen Schaftform. Hand und Finger wissen von Anfang an und irgendwie automatisch, wo sie hin und was sie tun müssen. Der steile und massive Pistolengriff tut sein Übriges. Dieses schöne Paket nur auf die Geschwindigkeit des Repetierens zu reduzieren, würde dem Speedster aber nicht gerecht. Relevante zeitliche Vorteile zu einem normalen Lochschaft einer Blaser R8 konnte ich im direkten Vergleich nicht feststellen. Es ist vielmehr das Gefühl, beim Repetieren wie auf Schienen zu laufen, das glücklich macht: Es fühlt sich einfach stimmig an. Wer bereits eine Helix besitzt, der kann den Speedster-Schaft übrigens für 1.298 € (UVP) nachrüsten. 

Auf jeden Körper einstellbar

Neben dem „Loch im Loch“ hat sich Merkel einige Details einfallen lassen. So sind Teile des Vorderschafts, des Pistolengriffs und des Schaftrückens mit sogenannten Soft-Touch-Inlays versehen. Was Freunde der guten alten Fischhaut grausen lässt, empfinde ich als sehr angenehm, da diese Elemente richtiges Zupacken auch mit nassen Händen und mit Handschuhen erlauben. Seit der IWA 2019 gibt es auch die Sonderedition Helix Speedster OR, bei der diese Einlegen orange statt schwarz sind (UVP: 3.754 €). Ein weiteres wichtiges Element des Schafts sind die auf den Benutzer abstimmbaren Schaftkappen und der Schaftrücken. Erstere sind ohne Werkzeug austauschbar. So kann auf die jeweilige Unterarmlänge und auf die Kleidung (dünne Sommerkleidung = dickere Kappe; dicke Winterkleidung = dünnere Kappe) Rücksicht genommen werden. Die Standardkappe ist im Kaufpreis einhalten. Wer die dickere und dünnere Variante auch noch möchte, muss den nicht unwesentlichen Betrag von 65 € (UVP) je Stück zusätzlich auf den Tresen legen. 

Auch der Schaftrücken ist individualisierbar: Dank einer Gasfeder fährt er auf Knopfdruck in die eingestellte Höhe. Die Einstellung selbst erfolgt über das Arretieren eines Stellrings im Inneren des Schafts. Aufgrund des Gasdrucks ist das hörbar und sollte vor Jagdantritt erfolgen, vorausgesetzt, man findet überhaupt einen Grund, den Rücken einzuschieben. Komplettiert werden die Extras mit einem Staufach im Pistolengriff, in dem z.B. eine Boresnake Platz findet, und mit Klicksystem abnehmbaren Riemenbügeln. Merkel bietet die Helix in der Speedster-Ausführung in diversen Kalibern sowie in Lauflängen von 47 bis 61 cm an. Außerdem kann zwischen Standard- (Ø 17 mm) sowie Semi-Weight- (Ø 19 mm)/ kanneliertem Lauf gewählt werden. Eine Abweichung von der Norm bei Lauflänge und -durchmesser kostet aber extra. Der als Standard verbaute Direktabzug ist stufenlos zwischen 900 und 1.900 g verstellbar. Persönlich hätte ich ihn gerne noch etwas trockener stehen. Dafür bietet Merkel die TAR-GT Variante (einstellbar von 500 bis 1.500 g Abzugsgewicht) an. Das kostet aber genauso Aufpreis wie das größere 5-Schuss-Magazin. 

Merkel Helix Speedster: Fazit

Mit dem Speedster-Schaft ist Merkel ein innovativer Wurf gelungen, der speziell mit dem Geradezugrepetierer Helix nahezu perfekt harmoniert. Vielleicht sollte die Waffenmanufaktur aber den Namen nochmals überdenken. Denn den Schaft nur auf seine Unterstützung für schnelles Repetieren zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht bzw. gäbe ihm auch kein Alleinstellungsmerkmal. Es ist vielmehr die Vielzahl an überlegten Details, die praxisbewusste Jägerinnen und Jäger begeistern dürfte.


Martin Weber Crossmedia-Redakteur der dlv-Jagdmedien, verantwortet das Magazin "Bergjagd". Hat Forstwissenschaften an der TU München und Wildtierökologie an der BOKU Wien studiert.
Crossmedia-Redakteur der dlv-Jagdmedien, verantwortet das Magazin "Bergjagd". Hat Forstwissenschaften an der TU München und Wildtierökologie an der BOKU Wien studiert.