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Kitzretter zur Vermeidung von Mähtod im Vergleich

Rasso Walch © Markus Werner
Rasso Walch
am
Donnerstag, 07.05.2020 - 07:31
Vier verschiedene Kitzretter auf der Wiese. © Rasso Walch
Die Kitzretter KR01 von NaturTech Oberland, der Wildretter "Professional" von wildacker.at, der Kitzretter B0/40 von BFI Elektronik sowie blaue Müllsäcke im Vergleich (v.l.n.r.)

Wir haben den Kitzretter KR01 von NaturTech Oberland, die Wildretter „Professional“ und „Standard“ von wildacker.at, den Kitzretter B0/40 von BFI Elektronik sowie klassische blaue Müllsäcke zur Jungwildrettung miteinander verglichen.

Kitzretter KR01 von NaturTech Oberland

Der Kitzretter KR01 von NaturTech Oberland.

Der KR01 von NaturTech Oberland bietet eine Vergrämungswirkung im Umkreis von mind. 100 m in alle Richtungen – also mehr als 3 ha. Dabei setzt der Retter auf Ton- sowie blaue Lichtsignale. Betrieben wird er über eine externe 6-12 V Stromquelle, welche in der mitgelieferten Kunststoffbox vor Witterung geschützt ist.

Verschiedene Varianten zur Energieversorgung sind möglich: Ein wiederaufladbarer Blei-Vlies 6 V Akku, der bis zu 35 Tage hält oder ein High Power Batterie-Pack, das nicht aufladbar ist, dafür aber bis zu sechs Monate eingesetzt werden kann. Für Variante eins wird außerdem ein Solarmodul angeboten. Bei größeren Flächen und dem Einsatz mehrerer Geräte sollte der Abstand zwischen diesen 160 bis 200 m betragen. Die Entfernung zum Waldrand, in der der Retter aufgehängt werden soll, ist mit 50 bis 70 m angegeben.

Es wird empfohlen, den KR01 mindestens eine Nacht vor der Mahd auszubringen, drei bis fünf Tage seien allerdings auch kein Problem. Beim Einsatz zeigte sich allerdings, dass das Aufstellen vor Einbruch der Dämmerung geschehen sollte, um die Vergrämungswirkung bereits während der abendlichen Äsungsperiode zu nutzen.

Ein Gewöhnungseffekt wird durch willkürliche Zeitabstände der Licht- und Tonsignale von 20–40 Min. (je nach Programmwahl) vermieden. Die Dauer der Signale variiert zwischen 2–4 Min. Es besteht zudem die Möglichkeit, zwischen Nacht- und 24-Std.-Betrieb zu wählen. Die Programmauswahl erfolgt durch zwei Schalter. Der Retter soll sich zusätzlich zur Wildschadensverhütung eignen. Der KR01 kostet 89 €. Der Hersteller bietet auch geeignete Aufsteckpfähle an (Gesamtlänge 170 cm). Alle Teile sind als Paket oder einzeln zu erwerben.

Wildretter „Professional“ und „Standard“ von wildacker.at

Der Wildretter „Professional“ von wildacker.at.

Den Wildretter von wildacker.at gibt es in den Ausführungen „Professional“ und „Standard“. Beide beruhen auf demselben System und warnen optisch (durch Blitz-LEDs) sowie akustisch. Die Stromversorgung ist über einen externen 12 Volt Akku gewährleistet.

Zur Inbetriebnahme werden die Retter 1,5 bis 2 m über dem Boden aufgehängt. Ein Abstand von 50 m zum Waldrand sollte eingehalten werden. Die Reichweite liegt bei ca. 120 m in alle Richtungen. Bei großen Flächen mit mehreren Geräten wird angeraten, einen Abstand von 220 m zwischen den Rettern nicht zu überschreiten. Beim Einsatz zeigte sich, dass diese Angaben ausreichend sind.

Außerdem sollen die Retter nur eine Nacht in Betrieb sein, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden – bei zwei Nächten hat sich dies allerdings nicht gezeigt. Durch einen Dämmerungssensor startet das Gerät selbständig bei Einbruch der Dunkelheit und kann so bereits tagsüber aufgestellt werden. Die Laufzeit des akustischen Signals beim Modell „Standard“ beträgt etwa eine Minute, danach folgt eine zehnminütige Pause. Das Lichtsignal wird während der gesamten Laufzeit abgegeben. Beim Kitzretter „Professional“ werden mittels eines Zufallsgenerators beide Signale in unterschiedlichen Zeitsequenzen ausgespielt. Dadurch soll der Gewöhnungseffekt vermieden werden.

Die Handhabung der Geräte war mithilfe der Anleitung problemlos. Der Preis für den Kitzretter „Standard“ beträgt 74,90 €, für das Gerät „Professional“ 84,90 €. Im Lieferumfang sind keine Akkus oder Haltestangen enthalten – Letztere werden vom Hersteller nicht versendet.

Kitzretter B0/40 von BFI Elektronik

Der Kitzretter B0/40 von BFI Elektronik.

Das Gerät B0/40 von BFI Elektronik warnt optisch durch ein blau blinkendes Signallicht und akustisch durch einen Signalton. Geliefert wird der Kitzretter mit den Standardeinstellungen 10 Sek. Signal und anschließend 10 Min. Pause.

Über vier Schalter im Inneren des spritzwassergeschützten Vergrämers lässt sich der Betrieb von Intervall auf dauernd umstellen – dafür muss er allerdings aufgeschraubt werden. Letzteres gilt auch für den Wechsel der Batterien. Betrieben wird das Gerät über vier 1,5 V AA Mignon-Batterien – im Intervallbetrieb halten sie über sechs Monate.

Ausgebracht werden soll der Retter entweder am Waldrand oder in der Fläche. Durch die Bauweise breitet sich der Schall nur in eine Richtung aus. Was in der Nähe zu Wohngebieten vorteilhaft erscheint, kann bei größeren Flächen dazu führen, dass mehr Geräte benötigt werden. Informationen dazu, in welcher Höhe er aufgehängt bzw. in welche Richtung er ausgerichtet werden soll, gibt der Hersteller nicht. Die Reichweite des Signals liegt bei 2 ha, ohne eine Angabe von Metern – diese wäre beim Einsatz mehrerer Geräten hilfreich.

Befestigt wird der Wildretter an einer Öse auf der Rückseite mit einem Draht oder Kabelbinder. Der Retter kann auch zur Vergrämung von Schwarzwild eingesetzt werden. Der Preis beläuft sich inkl. Batterien auf 79,50 €. Ein Pfahl zum Aufstellen wird nicht angeboten.

Blaue Müllsäcke

Blaue Müllsäcke sind ein kostengünstige Variante zur Jungwildrettung.

Die Vergrämung mit blauen Müllsäcken wirkt optisch und bei Wind, durch das Knistern des Plastiks, auch akustisch. Die Ausbringung erfolgt entweder wahllos auf der Fläche verteilt oder mit einer gewissen Entfernung zum Waldrand entlang von diesem. Auch bei Wiesen in der freien Feldflur empfiehlt es sich einen Abstand zum Rand der Wiese einzuhalten. Je nach Größe der Fläche sollte eine Distanz von 50 m zum nächsten Müllsack nicht überschritten werden.

Es bietet sich an, aufgrund der Sichtbarkeit für das Wild, nicht auf andere Farben als Blau zurückzugreifen. Schwere Plastiksäcke mit hoher Traglast haben, im Gegensatz zu anderen Materialien, den zusätzlichen Vorteil, dass sie bei entsprechend böigem Wind laut rascheln bzw. knistern. Der Einsatz ist zeitlich unabhängig vor der Mahd möglich, allerdings besteht die Gefahr, dass relativ schnell ein Gewöhnungseffekt eintritt. Bei sehr hohen Wiesen kann die Wirkung außerdem verloren gehen.

Im Revier wurde zudem deutlich, dass die Bindung der Geiß zum Kitz so hoch ist, dass sie dieses auch dann aus der Wiese holt, wenn die „Gefahrenquelle“ Müllsack direkt neben dem Kitz aufgestellt ist. Die eigene Angst wurde in diesem Fall also hinten angestellt. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass diese kostengünstige Variante der Kitzretter nach der Anwendung wieder restlos aus dem Revier entfernt wird, um dort keinen Plastikmüll abzulagern.

Der Preis beträgt pro Sack etwa 0,50 € und eine Wiederverwendbarkeit ist ohne weiteres möglich. Als Halterung können entweder Weidezaunpfähle oder beispielsweise Haselnussstecken dienen.


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