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Hardshelljacken für Jäger im Test

Modere Regenbekleidung für die aktive Jagd besteht aus drei sogenannten Layern.


Wer sich auf eine Jagd abseits der Forststraßen begibt, muss wohl oder übel zu Fuß gehen. Wir befinden uns also weit weg vom schützenden Autodach oder der trockenen Hütte, wenn es nass wird. Am Berg sollte man entsprechend gerüstet sein, denn wer auf absolut sicheres Wetter wartet, läuft Gefahr, nie aufzubrechen.

Gerade im Sommer kann es passieren, dass uns ein unverhoffter Schauer erwischt. Der Genuss einer Gamsjagd kann dann abrupt enden, wenn man bis auf die Unterhosen und speziell in den Schuhen nass wird. Ist außerdem noch eine Nacht im Zelt geplant, wird es richtig unangenehm. Denn ist man erst einmal durchnässt, wird die Kleidung bis zum nächsten Morgen auch nicht trocken. Die Motivation, trocken zu bleiben, ist folglich vorstellbar hoch. Was bietet uns die Bekleidungsindustrie dafür an? Wir haben fünf Komplettsets unterschiedlicher Marken unter die Lupe genommen und getestet. In die Auswahl fielen Kombinationen aus Jacke und Hose, welche man üblicherweise als Reserve im Gepäck mitführt.

Was bedeutet das 3-Lagen-System der Hardshell-Kleidung?

Wer moderne Regenbekleidung für den Jagdeinsatz sucht, landet unweigerlich bei 3-Layer („3-Lagen“) Hardshell („Hartschalen“)-Jacken. Die „3-Lagen“ beziehen sich dabei auf den Aufbau des Stoffs.

Das Herzstück des Stoffs bildet die Membran in der Mitte. Die Membran ist hauchdünn und besteht entweder aus Polyester (Fjäll Raven), Polyurethan (Toray) oder erweitertes Polytetrafluoroethylen (Abk.: ePTFE) (GoreTEX). Also alles im Grunde speziell hergestelltes Plastik. Auf der Innenseite ist ein Futterstoff angebracht, welcher die Membran vor Abnutzung schützt und für Tragekomfort sorgt. Der Oberstoff an der Außenseite schützt ebenfalls die Membran und prägt das Erscheinungsbild. Diese äußere Schicht ist zwar nicht wasserdicht, jedoch immer mit einer Imprägnierung versehen. Diese Imprägnierung erfüllt wichtige Aufgaben und darf nicht vernachlässigt werden.

Kriterien, die eine gute Hardshelljacke erfüllen sollte

Auch bei kriechenden Bewegungen dürfen keine Lücken zwischen Jacke und Hose entstehen.


Dichtheit: Das Wichtigste an einer Regenschutzkleidung ist, oh Wunder, dass sie den Träger zuverlässig vor Wasser schützt. Diese Eigenschaft wird in mm-Wassersäule angegeben. Achten Sie beim Kauf einer Jacke auf diesen Wert! Er sollte auf keinen Fall unter 10.000 liegen, bei Premiumprodukten nicht unter 20.000. Ab einem Wert von 20.000 mm wird man in der Praxis keinen Unterschied mehr merken.

Atmungsaktivität: Materialien wie Gummi sind zwar absolut dicht, haben aber einen großen Nachteil: Sie lassen zwar kein Wasser nach innen, Wasserdampf muss aber auch drinnen bleiben. Schwitzt der Träger dieser Kleidung, wird er ebenso nass. Besonders bei Temperaturen ab etwa 18 °C, kombiniert mit Bewegung, ist man binnen Minuten durchnässt – auch ganz ohne Regen. Zudem wird es in dieser luftdichten Kleidung schnell sehr heiß und folglich unangenehm.

Deshalb sollte die ideale Membran das gesamte Wasser von außen abhalten, während Wasserdampf möglichst ungehindert entweichen können sollte. Das kann man technisch lösen, indem man eine Membran produziert, deren Löcher kleiner sind als die kleinsten flüssigen Wassertropfen. Aber groß genug, um Luft und Wasserdampf passieren zu lassen. Für die Messung der Atmungsaktivität gibt es leider keine einheitlichen Standards. Üblicherweise wird sie in Gramm Wasser, welches einen Quadratmeter des Stoffs in 24 Stunden passieren kann, angegeben (g/m2/24h).

Das ist jedoch ein sehr theoretischer Wert, denn wie viel Wasserdampf durch eine Jacke bei der Jagd abgegeben werden kann, ist von vielen Faktoren abhängig. Am wichtigsten dabei sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Ist es kalt und trocken, kann das Potential der Membran voll ausgeschöpft werden, denn die Umgebung nimmt den Wasserdampf schnell auf.

Ist es jedoch heiß und schwül, haben die Wassermoleküle keine große Motivation, die Membran nach außen zu verlassen. Die Plätze dort sind nämlich bereits belegt. An Tagen, an denen unser Schweiß ohne Bekleidung schlecht verdunstet, wird keine Jacke für Trockenheit sorgen können. Die ideale Membran ist zwar wasserdicht, wirkt jedoch ansonsten, als wäre sie nicht da.

Da Regenkleidung schnell über Schuhe, Hose und Oberbekleidung gezogen werden muss, sind große durchgängige Reißverschlüsse von Vorteil.


Schnitt und Details/ Handhabung: Eine aktive Jagd ist mit Bewegung verbunden. Die Regenkleidung darf uns nicht hindern, zu wandern, zu klettern oder uns anzupirschen. Dafür muss der Schnitt der Jacke passen und der Stoff auch eine gewisse Elastizität aufweisen. Besonders das Zusammenspiel der Jacke mit der Hose muss im Design ausreichend Berücksichtigung finden.

Kriechen wir im Regen über Almwiesen oder Heide, sollten keine Lücken entstehen, in die das Wasser eindringen kann. Dafür ist eine ausreichende Länge der Jacke wichtig sowie eine Möglichkeit, die Hose an der Hüfte festzuschnallen. Der beste Stoff nutzt ebenfalls nichts, wenn der Ärmelabschluss nicht gut gestaltet ist. Er sollte sich möglichst dicht um die Handgelenke bzw. Handschuhe schließen lassen. Müssen die Hände im Regen nach oben gehoben werden, rinnt bei guten Jacken kein Wasser am Unterarm entlang.

Im Bedarfsfall muss die Regenkleidung auch rasch angezogen werden können. Bei beginnendem Regen sich die Schuhe ausziehen zu müssen, ist umständlich, zeitraubend und birgt die Gefahr, dass es auch noch in die Schuhe regnet. Eine gute Regenhose sollte also seitlich durchgehende Reißverschlüsse haben.

Die meiste Zeit wird die Regenausrüstung in unserem Rucksack verstaut bleiben. Deshalb sollte sie möglichst leicht und gut verstaubar sein. Viele Jäger meinen, moderne Hardshell-Jacken wären für die Jagd zu laut, das Wild würde sie sofort vernehmen. Und in der Tat sind diese Jacken nicht unbedingt leise und schon gar nicht mit Wolle etc. zu vergleichen. Das relativiert sich jedoch, wenn es regnet. Dann übertönen die Tropfgeräusche das Rascheln der meisten Regenausrüstungen.

Die zweite Ausgabe der Bergjagd erscheint am 17. September 2018 © dlv-Jagdmedien

Die zweite Ausgabe der Bergjagd erscheint am 17. September 2018

Den kompletten Beitrag in der neuen Ausgabe der "Bergjagd

Viele weitere hilfreiche Tricks und Tipps zu Hardshellkleidung im jagdlichen Einsatz inklusive den kompletten Test von fünf Modellen finden Sie in der zweiten Ausgabe der "Bergjagd".

Darin haben wir folgende Modelle getestet:

  • Fjäll Räven Lappland/ Keb
  • Sitka Timberline
  • Deerhunter Track
  • XJagd Circle2 Uni/ Atlin 2
  • Kuiu Chugach


Dominik Dachs Der begeisterte Pirschjäger jagt vor allem auf Rotwild in den österreichischen Kalkalpen. Dachsbracke „Levi“ und gute Ausrüstung sind seine ständigen Begleiter.
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