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Gummistiefel: Acht Stiefel im Praxis-Test

Benedikt Schwenen © Markus Werner
Benedikt Schwenen
am
Mittwoch, 29.01.2020 - 12:47
Müssen gute Gummistiefel teuer sein? Wir haben es getestet… © tinina67 - stock.adobe.com
Müssen gute Gummistiefel teuer sein? Wir haben es getestet…

Mit Gummistiefeln verhält es sich wie mit Kopfbedeckungen. Eine Baschlikmütze ist zum Beispiel mehr eine Lebenseinstellung als ein modisches Accessoire. So auch des Niederwild-Jägers liebstes Stück. Schaut man sich auf den Treibjagden um, sieht man oft die beiden großen französischen Hersteller vertreten. Doch immer wieder ist auch ein Fuß mit günstigerem Kautschuk umgeben. Dem Träger ist dabei vor allem eines wichtig: trockene Füße behalten.

Vorab gesagt: Alle getesteten Stiefel haben diesem Grundsatz entsprochen. Die Bandbreite bezüglich der Kosten macht jedoch einen großen Spagat, den es zu ergründen gilt. Warum kostet der Stiefel mit vier Millimeter Neopren und Naturkautschuk ein Drittel von dem, der weniger dick ausgestattet ist? Das muss mit Tragekomfort und Langlebigkeit zu tun haben. Denn grundsätzlich ist es dem Fuß wohl gänzlich egal, ob sein Umfeld maschinell oder handgearbeitet wurde. Was nützt mir ein 300 Euro teures Produkt, wenn ich damit wie auf rohen Eiern laufe?

Nobelvariante oder günstige "Alleskönner"?

Getestet wurde unter realen Bedingungen. Obwohl in den klassischen Niederwildrevieren keine Extremwinter mehr auftreten, haben einige oft Probleme mit kalten Füßen. Wie warm ein Stiefel hält, lassen Millimeterangaben der Fütterungen erahnen. Wie rutschfest und trittsicher er ist, verrät das Profil.  Bei lehmigen Böden und entsprechender Witterung entstehen am Gummistiefel schnell bleischwere Klumpen. Deshalb gilt: je leichter der Stiefel desto leichter der Gang. Zu leicht ist aber auch nichts und stramm sollte er auch noch sitzen – natürlich nicht zu stramm. Aber wem schon mal ein Matschloch das Schuhwerk ausgezogen hat und die Korona belustigende einbeinige Tänze ablegen durfte, weiß, wovon die Rede ist.

Sie sehen, ein schwieriges Themenfeld. Wir haben etwas Licht ins Dunkle gebracht. Sie sollten sich vor der Anschaffung eines neuen Stiefels die Frage stellen, wie oft Sie ihn benötigen. Klar ist, Qualität hat ihren Preis. Klar ist aber auch, ein Gummistiefel hält kein Jägerleben lang. Mehr oder weniger regelmäßige Käufe sind die meisten Haushalten normal. Für welchen Revierbegleiter entscheiden Sie sich, Nobelvariante oder günstiger Alleskönner?

Die getesteten Gummistiefel

Parforce-Gummistiefel © Frankonia

Am Namen des Gummistiefels von Parforce hat man zwar gespart – denn er hat keinen –, aber nicht am Produkt selbst. Er trumpft mit einem 4 mm dicken Neoprenfutter auf, und trotzdem hatte ich an warmen Tagen, die dieser Herbst reichlich zu bieten hatte, nie das Gefühl, im eigenen Saft zu stehen. Durch den seitlich angebrachten Reißverschluss ließen sich die „Namenlosen“ einfach an- und ausziehen. Die Verwendung eines Stiefelknechts war nicht nötig, außerdem konnte man die Hosenbeine ohne Probleme mit in den Schuh stecken. Die Passform war trotz meiner eher breiten Füße gut. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber, sie eine Nummer größer zu bestellen, um sie im Winter auch mit dickeren Socken zu tragen zu können. Erhältlich sind die aus reinem Naturkautschuk gefertigten Stiefel für 99,95 € (UVP). RW

Tragekomfort: 4,5/6

Verarbeitung: 5/6

Funktionalität: 4,5/6

Preis-Leistung: 5,5/6

Fazit: 5/6

=> Damit ist der Stiefel unser Preis-Leistungs-Sieger!

Aigle Parcours 2 Signature © Aigle

Der Aigle Gummistiefel ist der erste Gummistiefel, den ich nicht nur notgedrungen anziehe, weil es mal wieder regnet oder der Boden vom letzten Unwetter noch völlig durchnässt ist. Dank der Drei-Schicht-Sohle hat man das Gefühl, als würde man einen Wanderschuh tragen. Die gute Dämpfung und Abrolleigenschaften lassen auch nach langen Märschen keine Plattfüße entstehen, und dank des Lederinnenfutters steht man nicht, wie es bei günstigen Modell ja oft der Fall ist, in seinem eigenen Saft. Perfekt sind auch die variablen Einstellmöglichkeiten der Weite sowohl an der Balgfalte als auch am Schaftabschluss. Naturkautschuk, Lederinnenfutter sowie -abschlüsse und eine handgefertigte Produktion machen sich im Preis (339 € UVP) zwar bemerkbar, aber hier zeigt sich: Gute Qualität hat ihren Preis. KF

Tragekomfort: 6/6

Verarbeitung: 6/6

Funktionalität: 6/6

Preis-Leistung: 4/6

Fazit: 5,5/6

 

=> Damit ist der Stiefel unser Testsieger!

Seeland Woodcoock AT+18" © Seeland

Beim Seeland Woodcock fiel sofort positiv auf, dass der Stiefel dank seines leichten Materials sehr angenehm zu tragen ist. Auch bei längeren Spaziergängen mit dem Hund durch den Wald und über Wiesen hatte man dank des hohen Tragekomforts nicht das Gefühl, einen Gummistiefel zu tragen. Die grobe Profilsohle gewährleistet im nassen, rutschigen Gelände einen sicheren Stand. Durch das Innenfutter (Nylon) hat man auch bei kühleren Temperaturen keine kalten Füße. Wie es bei Minusgraden aussieht, konnte während der Testphase nicht beurteilt werden. Es war „leider“ nie richtig frostig. Der Schaft ist individuell einstellbar – allerdings ist die Schließe hinten immer wieder aufgegangen. Dass er absolut wasserdicht ist, versteht sich von selbst.  Rundum ein toller Stiefel mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis (129 € UVP). SW

 

Tragekomfort: 5/6

Verarbeitung: 5/6

Funktionalität: 6/6

Preis-Leistung: 5/6

Fazit: 5/6

Le Chameau Cuir © Le Chameau

Bis oben hin mit Vollleder verstärkt, eine fantastische Haptik. Diese Stiefel können eigentlich nicht mehr als Gummistiefel bezeichnet werden. Durch das Leder und die gute Sohle, welche sich ideal auch an müde Jägerfüße anpasst, fällt das Laufen auch in schwerstem Gelände noch nach Stunden leicht. Der Verstellriemen am Schaft und der Reißverschluss machen das Anziehen leicht. Der Preis beträgt 399,95 €. Damit sind sie die Teuersten im Test. Aber diese Stiefel sind tatsächlich jeden Cent wert. Die hervorragende Verarbeitung macht diesen Stiefel zu einer Investition, die Jahre hält und damit allemal wert ist. Schietwetter bei Jagden und gleichzeitig der hohe Tragekomfort machen das Tragen zum mehr als angenehmen Gefühl. Mit dicken Socken friert man auch bei geringen Temperaturen darin nicht. HR

Tragekomfort: 6/6

Verarbeitung: 6/6

Funktionalität: 6/6

Preis-Leistung: 4/6

Fazit: 5,5/6

Nordforest Hubertus Plus © Grube

Der Einstieg in den Gummistiefel gelingt aufgrund des seitlichen Reißverschlusses sehr leicht. Für Träger, die mit dem in der norddeutschen Tief-
ebene weitverbreiteten Plattfuß ausgestattet sind, ist die schmale Form zunächst etwas ungewohnt. Danach erweist sich eben diese Eigenschaft vor allem bei längeren Märschen als Vorteil. Dank stoßabsorbierender Sohle ist auch das Laufen auf festem, steinigen Untergrund noch angenehm. Und dank 4 mm starkem Neopren eignet sich das bequeme Schuhwerk sehr gut für den  Herbst und den Frühling, wird aber auch mit entsprechender Zusatzausstattung wie z.B. Stiefelsocken wintertauglich. Erhältlich ist der Stiefel in Grün oder Braun. Der äußerst attraktive Preis von 89,90 € macht den Nordforest in unserem Test zum Preis-Leistungs-Sieger. BS

 

Tragekomfort: 5/6

Verarbeitung: 2/6

Funktionalität: 5/6

Preis-Leistung: 5/6

Fazit: 4/6

Muck Boot Arctic Sport © Jagdhund

Dieser Stiefel macht seinem Namen alle Ehre. Beim Testen an den zurückliegenden warmen Herbsttagen merkt man trotz Atmungsaktivität gleich, dass er seine Stärken bei kalten Temperaturen hat. Ausgestattet ist er mit einem Sohlen-Profil, das der Bereifung einer Motocross-Maschine ähnelt. Beim ersten Tragen ist zunächst die Knickfalte auf dem Spann etwas unangenehm. Einmal eingelaufen fällt dies jedoch kaum noch auf und man hat seine Freude mit dem Schuhwerk. Wie schon erwähnt, sorgen das fünf Millimeter dicke Neopren und das warme Fleece-Innenfutter vor allem im Winter für warme Füße und guten Halt, auch bei Matsch und Schnee. Die verarbeitete „EVA Kontur Zwischensohle“ dämpft auch beim Laufen auf Asphalt sehr gut. Zu bekommen ist der „Arctic Sport“ für 148,75 € (UVP). BS

 

Tragekomfort: 4/6

Verarbeitung: 5,5/6

Funktionalität: 4/6

Preis-Leistung: 4,5/6

Fazit: 5/6

Gummistiefel Kolding © Askari

Der „Kolding“ fällt sehr groß aus, so groß, dass er erst mit einem Innenstiefel oder dicken Socken wirklich ohne Rutschen sitzt. Das ist bei dem dünnen Baumwoll-Innenfutter aber noch vertretbar. Die Innensohle ist herausnehmbar. Die Verstellriemen am Stiefelschaft machen auf den ersten Blick einen wackligen Eindruck, halten aber recht gut. Fersen und Zehen der Stiefel sind verstärkt, sie halten zuverlässig dicht. Kein Stiefel, mit dem man längere Strecken im Revier zurücklegen möchte, aber als günstiges Gebrauchsutensil für den gelegentlichen Einsatz gut zu gebrauchen. Die Stiefelschäfte sind weit genug, um auch wärmere Hosen bequem in die Stiefel stecken zu können. Die Beinschnalle hält den Schaft oben dicht. Für 69,99 € erhält man einen Gummistiefel, der an Regentagen seinen Zweck erfüllt. CL

 

Tragekomfort: 2,5/6

Verarbeitung: 4/6

Funktionalität: 2,5/6

Preis-Leistung: 3/6

Fazit: 3/6

Härkila Norse 18" side-zip © Härkila

Gummistiefel ist nicht gleich Gummistiefel. Das merkt man, wenn man einmal ein Modell der Oberklasse anhatte. Dazu zählt das hier beschriebene Produkt zweifelsohne. Dieser Stiefel aus Naturkautschuk ist für den Einsatz bei Temperaturen bis -20 °C ausgelegt. In der Übergangszeit ist er mit 5 mm Isolierfutter aus Neopren überdimensioniert. Verarbeitung und Passform mit Reißverschluss und Vario-Waden-Zwickel überzeugen. Das Konzept, mittels Ortholite-Einlagen den Fuß warm, trocken und belüftet zu halten, scheint schlüssig. Was aber bei der Größenwahl berücksichtigt werden muss, um nicht zu klein zu wählen. Insgesamt gesehen ist man mit dem „Norse 18" side-zip 5 mm“ atmungsaktiv und trittfest – wenn auch nicht direkt leichtfüßig – unterwegs. Härkila ist sich sicher, dafür den Preis von 229 € aufrufen zu dürfen. JMB

 

Tragekomfort: 5,5/6

Verarbeitung: 5,5/6

Funktionalität: 5/6

Preis-Leistung: 5/6

Fazit: 5/6