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Mit Brief und Siegel

Beregnungstest: Ein Motorantrieb sorgte dafür, dass die Dummys von ­allen Seiten unter gleichmäßigem ­Nässeeinfluss standen. (Foto: KWF)


Meterweise hängen sie in den Jagdgeschäften, in den Katalogen der Jagdversender füllen sie Seiten: Jagdjacken. Diese Modell­vielfalt stellt den Kaufinteressenten ­hinsichtlich Material, Ausstattung und da­mit zusammenhängend letztlich des Preises vor eine schwierige Entscheidung. Man kann eine Jacke in der Regel nur kurz an­probieren und nicht wochenlang im Jagdeinsatz testen. Meist stellen sich erst in der Praxis die Funktionalität, die Stärken und Schwächen heraus.
20 Jagdjacken unterschiedlicher Hersteller wurden nun vom KWF im Spät­winter/Frühjahr 2008 einem intensiven Funktionstest unterzogen. Das Kuratorium prüft in erster Linie vor allem Persönliche Schutzausrüstung (PSA) für die Waldarbeit oder Motorsägen, Geräte und Werkzeuge, aber auch Großmaschinen auf 'Herz und Nieren'. Neuerdings testet das KWF auch Bekleidung aus dem Jagd- oder auch Outdoorbereich. Das Kuratorium besitzt eine sehr große, langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Tests und Prüfungen überhaupt.
Alle 20 Jacken wurden während der Jagd, aber auch während anderer Revierarbeiten und Reviergänge von Förstern, Jägern, Jagdhundeführern und Jagdhunderichtern durch 'Dick und Dünn' getragen. Darüber hinaus hat das KWF jeden Jackentyp einem speziellen Beregnungstest zur Ermittlung der Dichtigkeit und der Gewichtszunahme unter Nässeeinfluss unterzogen.
Das Fazit gleich vorweg: Alle getesteten Jagdjacken liegen auf einem hohen ­Niveau – sowohl in Qualität als auch in der Funktionalität. Jedes Modell ­konnte mit dem begehrten Prüfsiegel 'KWF getestet' ausgezeichnet werden. Die Benotung (nach Schulnoten) bewegt sich zwischen 1,5 und 2,75. Die Notenhürde von '3,5' zur Erringung des Zertifikats wurde also deutlich unterschritten.

Wasserdicht?


Eine der wesentlichen Anforderungen, die Jäger an ihre Jagdjacke stellen, ist die Wasserdichtigkeit. Zur Ermittlung der Dichtigkeit beziehungsweise auch der Gewichtszunahme unter Nässeeinfluss wurden alle Jackentypen zunächst ge­wogen und anschließend mit 40 bis 50 Litern Wasser beregnet. Dazu wurden die ­Jacken auf das Oberteil eines Dummys gezogen, der sich während der gesamten Beregnungs- und Abtropfphase durch Motorantrieb langsam drehen konnte. Der Kragenrand wurde dabei mit einem starken Tape abgedichtet, damit halsseitig kein Wassereintritt erfolgen konnte. Der Beregnungsabstand zum Sprühkopf betrug 50 Zentimeter. Die Durchflussmenge wurde mithilfe einer Wasseruhr ermittelt: Der Beregnungsdruck lag jeweils bei 0,2 bar. Nach einer Beregnungsdauer von fünf Minuten und einer Abtropfzeit von weiteren fünf Minuten wurden dann wiederum die Gewichte der Jacken ermittelt.
Einer der wichtigsten Punkte für den Einsatz ist das Verhalten der Jacke beziehungsweise der Materialien unter Nässeeinfluss, das heißt die Beurteilung der Dichtigkeit. Nach der jeweiligen ­Beregnung und der Abtropfphase wurde die Nässedurchdringung begutachtet und einer Bewertung mit + (gut), O (zufriedenstellend) und - (ausreichend) unterzogen. Dabei erfolgte für die Bereiche Kragen, Ärmel und Rücken jeweils eine Eingruppierung in die Rubriken 'Keine Durchdringung' = (+), 'Nässeflecken von 5 cm bis 10 cm Durchmesser' = (O) und 'Nässeflecken über 10 cm Durchmesser' = (-). In einigen Fällen zeigten sich an ein und derselben Jacke bestimmte Bereiche sehr dicht und andere Bereich wiederum als weniger dicht.
Die Gewichtszunahme nach der Beregnung der beteiligten Lodenjacken lag erwartungsgemäß bei über 20 Prozent. Die Ausnahme bildete hier der Microloden-Parka der Firma Tusker Cloth System mit nur neun Prozent. Für Loden bezeichnend ist, dass sich dieses Material mit Nässe vollsaugt, bei der geringen Beregnungsdauer aber keine Nässe durchlässt, insbesondere wenn das Material sogar noch mit einer Mem­brane kombiniert wird. Erstaunlicher­weise kamen aber noch vier weitere Nichtlodenprodukte auf eine im Verhältnis noch höhere Gewichtszunahme als 20 Prozent. Die Dichtigkeit der Produkte insgesamt lag mit nur gering­fügigen Ausnahmen in einem durchaus guten bis zufriedenstellenden Rahmen.

Tragetest

Nach der Beregnung wurden die Jacken den Testern, die alle über langjährige ­Erfahrung in der Bewertung der Funktionalität von Bekleidung verfügen, übergeben. Pro Jackenmodell erhielten jeweils zwei Tester je ein Exemplar. Die vom KWF aufgestellten Kriterien waren von diesen anhand eines genormten Fragebogens 'abzuarbeiten' und zu benoten. Zudem konnten die Tester Details (positive wie negative), die besonders auffielen, ergänzend angeben.
Nachfolgend werden die einzelnen ­Jacken in ihren Details (basierend auf Herstellerangaben) und die jeweiligen Bemerkungen der Tester vorgestellt. Hinzu kommt als Ziffer die Note der Gesamtwertung, die die Tester dem ­Produkt gegeben haben. Beachte: Die Gesamtwertungsnote – im Namenskopf der Produkte – dieses Funktionstests stellt ausdrücklich nicht den ­rechnerischen Mittelwert aus den Einzel­wertungen der Fragen dar (siehe Kasten 'Funktionstest: Einzelkriterien'), sondern ist die Einschätzung und Meinung der ­Träger, mit welcher Note das ­Produkt ihrer Ansicht nach bedacht werden kann.
So stehen dem Jäger als Endverbraucher – je nach persönlicher Vorliebe und Geldbeutel – in allen Varianten von Loden bis Hightech in ihrer Funktion verlässliche Jagdjacken in gut sortierten Fachgeschäften zur Verfügung. Die im Rahmen des Tests genannten Internetadressen verstehen sich als Bezugsquellennachweis der Hersteller, bei abweichenden Namen auch als Direktbezug-Adresse von Versendern.