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Stolzer Stiefpapa

Gemeinsam Jagd erleben - Autor
am
Donnerstag, 01.01.2015 - 10:33
kleiner Junge und Vater mit erlegtem Bock © gemeinsam Jagd erleben

So ging es schon um 16 Uhr los und ich glaubte, heute einen guten Anblick zu haben. Die Bedenken seiner Mutter bezüglich der Kälte und des schlechten Wetters waren schnell entkräftet. Schließlich gibt es warme Kleidung. Wir fuhren mit dem Quad ins Revier. Natürlich macht das gleich noch mehr Spaß! Wir saßen uns auf den Hochsitz 'Penthouse ' (die Entstehung dieses Namens wäre eine eigene Geschichte) und beobachteten die Umgebung. Nach einiger Zeit sah ich ein Ricke (weibliches Reh) mit zwei Kitzen und zeigte sie ihm. Er brauchte eine Weile, um sie auf knapp 100 Meter Entfernung zu sehen.

Wir beobachteten die drei eine Weile, war mir aber unschlüssig, ob ich in seinem Dabeisein wirklich schießen sollte. Irgendwann fragte ich ihn einfach: 'Sollen wir das Kitz schießen, oder lieber nicht?'  Seine Antwort: 'Lieber schon!' Ich sagte Ihm, dass er sich die Ohren zuhalten soll und gehe in Anschlag. Das Kitz stand aber immer so ungünstig, dass es entweder zu nahe an den anderen oder von Sträuchern oder Bäumen verdeckt war. Es waren wohl schon sechs/sieben Minuten vergangen. Im Augenwinkel sah ich, dass er sich immer noch die Ohren zu hielt. Ich sagte ihm, dass er die Ohren nur zu halten muss, wenn ich durch das Zielfernrohr schaue. Er schnaufte tief und erleichtert durch und sagte mir, dass er schon einen Krampf in den Armen hätte und schüttelte diese erst einmal aus. Der arme Kerl hatte sich die ganze Zeit die Ohren so stark zugedrückt, dass mir sein Kopf auch schon ein bisschen schmaler vorkam.

Kurze Zeit später hatte alles gepasst. Das Kitz lag im Knall und der Krampf in den Armen war auch wieder weg. Nach kurzer Wartezeit gingen wir in Richtung des erlegten Kitzes. Ich schlug vor, dass er in einiger Entfernung auf mich warten soll, doch er wollte unbedingt mit. Ich machte ihn nochmal darauf aufmerksam, was ich da jetzt machen werde, doch für ihn ist das alles ok. Am Kitz angekommen, bekam es von mir den letzten Bissen (einen Tannenzweig ins Maul) und der Kleine bekam einen Tannenzweig (den sogenannten Bruch) an den Hut gesteckt. Während ich aufbrach, erklärte ich ihm alles ganz genau. Neugierig schaute er mir dabei zu. Zu Hause angekommen, war es bereits dunkel. Seine Mutter wartete schon ganz ungeduldig. Sie kam uns entgegen und sah sofort unsere Beute. Der Kleine erzählte wie ein Wasserfall und beendete seinen Vortrag mit den Worten : 'Mama, für dich wäre das nix gewesen!'