Mit dem Zielstock pirschen

(Foto: H.D.W.)



Wenn der Jäger bei der Morgenpirsch auf den Sommerbock im Wald-Wiesenrevier oder nachts bei Mondlicht an die Schwarzkittel auf freiem Feld auch nahe genug herankommt, sollte freihändiges Schießen die Ausnahme bleiben, die Benutzung des Zielstockes die Regel sein.
Ob selbst geschnittener Haselstock oder ausziehbarer Handstock, oder Leichtmetall-Stock mit auswechselbarer Spitze – der Gebrauch eines Einbeins bedarf einiger Übung.


Wer von Jugend an mit einem Bergstock gejagt hat und ihn als drittes Bein beim Steigen benutzte, dem ist auch seine Handhabung als Zielhilfe in Fleisch und Blut übergegangen. Der Flachlandjäger hingegen, der erst mit dem Erlernen des Pirschens an einen Zielstock geriet und ihn dann auch wirklich zu nichts anderem als zur Zielhilfe benutzt, benötigt zunächst viel Zeit, um sich an den Stock zu gewöhnen. Dazu noch ebenso viel Zeit, um in jeder Lage ihn auch richtig einzusetzen. Und selbst dann kann es noch geschehen, dass er vor lauter Nervosität den Stock fallen lässt und sich lieber aus dem Mangel an Übung und Gewöhnung hinsetzt, legt oder kniet.

Wenn diese Übung sitzt, kann man zu schwierigeren Aufgaben übergehen, die Handhabung von Zielstock und Waffe im Knieen undim Sitzen auf der Erde bzw. dem Jagdstuhl. Hier ist das A und 0, dass man niemals den Zielstock seitlich schräg ansetzt, immer muss er in Richtung des Zieles gesteckt sein, wobei es Ansichtssache ist, ob man ihn am eigenen Fusse in die Erde bohrt und nach vorn neigt, oder aber kurz vor sich in die Erde steckt und das obere Ende dann auf sich zu zieht. Die erstere Handhabung ist die übliche. Die Verbindung von Waffe, Hand und Stock zu schaffen, ist individuell sehr verschieden möglich und hängt von der Hand- und Fingerlänge und -breite ab. Je länger Finger und Hand sind, desto besser ist der Griff um Stock und Waffe zugleich. Hat man kurze Finger und breite Hände, so vertraut man auf die Handbreite und benutzt die Hand in ganzer Breite als Auflage. Andernfalls tut es wieder die Mulde zwischen Daumen und Hand. Diese Sache muss sehr intensivgeübt werden, da man drei Dinge zugleich konzentriert überwachen muss:
  • Sitzen auf schwankendem Sitzstock,
  • Rechts-Links-Wackeln von Waffe und Zielstock
  • sicheren Sitz der Hand um Zielstock und Waffe.

Wer diese Übung nicht beherrscht, wird rechts oder links am Ziel vorbeischießen!



Die schwierigste Leistung ist der Schuss mit Hilfe des Zielstockes im Stehen, da er fast immer in der Überraschung durch plötzlich auftauchendes Wild abgegeben werden muss. Dann heißt es:
  • ganz schnell die Füße spreizen,
  • Stock am Stiefelrand in die Erde setzen (beim Rechtsschützen am linken Bein)
  • gleichzeitig die Waffe gleitend in die rechte Position bringen, ohne dass sie am Zielstock klappert.
Wer es versteht, stehend den Schuss gerecht ins Ziel zu bringen, kann sich Meister in der Handhabung des Zielstockes nennen.