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Zecken-Waschgang

Es sind die Parasiten im Körper der Zecke, die sie für den Menschen so gefährlich macht. Foto: zecken.de


Es gibt keine spezielle Zeckensaison mehr! Zecken haben das ganze Jahr über Betrieb – deshalb sollten alle Jäger, Naturfreunde oder Hundebesitzer auch das ganze Jahr über wachsam sein. Wird es im Herbst langsam kälter, fallen die kleinen Krabbler zwar in eine Starre. Sie können aber an jedem schönen, warmen Herbst- oder Wintertag wieder erwachen und aktiv werden. Denn nach dem Aufwachen sind sie meist besonders hungrig. Kein Wunder also, dass etwa ein Zehntel aller Zeckenstiche im Winter passieren. Die restlichen 90 Prozent holt man sich ab den ersten Frühlingstagen. Nicht nur am Wildkörper kann man sich eine Zecke „einfangen“: Wenn der Jäger wärmer ist als das erlegte Tier – und davon kann man ausgehen – tauschen die Zecken schnell das Opfer. Auch nachts im Bett bieten Menschen den Zecken eine willkommene Mahlzeit. Wird der Parasitenkörper dann unbewusst abgekratzt, heißt es oft: „Ich habe noch nie eine Zecke gehabt.“ Trotzdem – wenn es juckt, sollten Sie kontrollieren, am besten mit einem Vergrößerungsglas, ob es an dieser Stelle einen kleinen schwarzen Punkt gibt. Eine Larve oder Nymphe sehen Sie kaum mit bloßem Auge. Wenn die Stichstelle ein bis zwei Tage juckt und sich ein kleiner roten Hügel gebildet hat, können das auch Reste abgekratzter Zecken verursacht haben. Aber keine Panik! Der Kopf wird vom menschlichen Körper nach einiger Zeit abgestoßen. Die Stichstelle sollten Sie im Auge behalten und auf ungewöhnliche Symptome Ihres Körpers achten.

Jagen und Verstecken

„Mein Ziel ist es, ungiftige Abwehrmittel gegen Zeckenbisse zu finden.“ (Foto: Werner Johansson)


Alle hungrigen Zecken im Haus suchen drei bis fünf Tage nach Opfern. Eine Testzecke beobachtete ich zwei Stunden frei laufend am Boden. Sie versteckte sich nicht, mied sogar den Teppich und patrouillierte genau dort, wo ich mich hauptsächlich bewegt hatte. Mit etwa vier bis fünf Metern pro Stunde kann eine erwachsene Zecke ohne Unterbrechung durch die Wohnung laufen. Wenn sie auf ein Opfer trifft, hängt sie sich fest und läuft rasch am Bein nach oben. Nach meinen Beobachtungen überleben Zecken, je nach Luftfeuchtigkeit, bis zu einigen Wochen.


Einige Beispiele dazu:

Wäschehaufen: Überlebenschance mehrere Wochen, vor allem bei feuchten Kleidungsstücken.

Kleiderschrank: Drei bis fünf Tage, da es dort relativ trocken ist; dies ist jedoch genug Zeit, um gestochen zu werden, wenn Sie in diese Zeitraum ein entsprechendes Kleidungsstück anziehen.

Kopfkissen: Drei bis fünf Tage. Obwohl es dort relativ trocken ist, kann ein Schläfer in dieser Zeit leicht „angezapft“ werden.

Bad: Überlebenschance mehrere Wochen. Wenn hier zum Beispiel ein feuchter Badeteppich liegt, der täglich nass wird und der Raum relativ klein ist, herrscht hier Gefahrenstufe eins. Die
hochschwangeren Zecken, die ich in meinem „Labor-WC“ ausgesetzt habe, legten in den Bodenritzen ihre Eier ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass Larven in Haus oder
Wohnung schlüpfen, ist jedoch eher gering. Es gibt aber auch darüber einige Berichte.
Ausschlaggebend ist auch hier wieder die allgemeine Feuchtigkeit der Umgebung.

Im Auto: Nachdem die Zecken zwei Wochen auf meinem Beifahrersitz überlebt haben, habe ich den Test „abgebrochen“.

Im Pool: Hier ist Vorsicht geboten! Zecken schwimmen auf der Wasseroberfläche und treiben, bis sie sich festklammern können. Sie halten es sogar längere Zeit unter Wasser aus!

Vorbeugung

Zecken sind nicht blind! Sie reagieren offensichtlich auf Lichtveränderungen. Die eigentlich empfohlene helle Kleidung reflektiert Sonnenlicht besser als dunklere Kleidung und zieht Zecken eher an! Auf dunkler Kleidung sieht man dagegen eine anhaftende Zecke kaum. Deshalb bevorzuge ich lieber halbdunkle Kleidung, worauf man die Zecken noch entdecken kann. Persönlich trage ich kurze Hosen lieber als lange, da ich dann spüre, wenn etwas an den Beinen hochkriecht. Auch als Bettwäsche verwende ich helle Laken und suche sie regelmäßig am Morgen ab. Und schließlich lagere ich keine Schmutzwäsche, die vielleicht sogar feucht ist, in Bad oder Schlafzimmer. Das wäre das reinste Zeckenparadies!

Zecken entfernen

Aus einem Zeckennest krabbeln bald Tausende von kleinen Zecken larven. (Foto: Werner Johansson)


Habe ich eine Zecke am Körper entdeckt, entferne ich sie ohne zu quetschen! Auch sollte man den kleinen Parasiten nicht durch Herauszerren oder Hebeln oder gar Betropfen oder Besprühen mit verschiedenen Substanzen in Stress versetzen. Dadurch wird nur Mageninhalt – und damit eventuell darin enthaltene Erreger – ausgewürgt. Am besten greift man sie präzise am „Kopf“ und dreht sie wegen der Widerhaken heraus. Sinnvoll ist es, wenn Sie mit dem Zeckenentferner überall hinkommen, zum Beispiel am Kopf unter dem Haar, hinter und im Ohr, in der Leiste, im Bauchnabel oder an ähnlich schwer zugänglichen Körperpartien. Anschließend hebe ich die Zecken auf, damit im Fall von auftretenden Symptomen ein Test gemacht werden kann. Besondere Aufmerksamkeit ist bei Kindern geboten. Wenn zum Beispiel eine Zecke verschluckt wird, muss sofort der Arzt aufgesucht werden. Bekannt wurde ein Fall in Schweden, wo ein Kind nachweislich auf diese Weise mit Tularämie (Hasenpest) infiziert wurde. Zecken übertragen von Jahr zu Jahr mehr Krankheitsserreger und deshalb ist Vorsicht geboten. Das gilt auch für Haustiere und Hunde, die sich ebenfalls mit etlichen Krankheitserregern infi zieren können. Manchmal sitzt das Grauen auch direkt vor der Haustür. Igel können zum Beispiel schwangere Zeckenweibchen weit verschleppen, sodass Zeckennester im Garten auftreten können. Wenn Ihnen ungewöhnlich viele Zecken dort auffallen, machen Sie sich die Mühe und zählen Sie mit Hilfe einer Lupe die Beine. Sind es nur sechs, handelt es sich um die erst geschlüpften Larven – und dann haben Sie davon mehrere Tausend auf kleinem Raum. Jetzt sollte schnell gehandelt werden, sonst können Sie Ihren Garten für längere Zeit nicht mehr ungefährdet betreten! Am besten nehmen Sie in diesem Fall Kontakt mit einem Zeckenfachmann auf. Wer besonders vorsichtig ist, wechselt nach Pirsch oder Pilzsuche die Kleidung, bevor er ins Auto steigt. In einem großen Plastiksack (Mülltüte) kommt die Wäsche dann zur weiteren „Behandlung“ nach Hause. Im Fahrzeug können die Zecken wochenlang überleben und haben genügend Ritzen und Falten als Verstecke zur Auswahl.

Zecken-Crashtest<p>

Auf dem Grashalm lauernd, wartet sie auf einen vorbeistreifenden, warmen Körper. (Foto: www.zecken.de)


Waschmaschine: Bei +40 °C überlebten meine Testzecken. Sie sterben erst, wenn ihr Körper auf über +42 °C erhitzt wird.

Ofen: Bei +110 °C Umluft vorgeheizt, lebten die Tiere noch nach fünf Minuten in einer dünnen Trachtenjacke. Die Knöpfe fi ngen dabei schon an zu schmelzen.

Tiefkühltruhe: Auch nach über einer Stunde bei -22 °C waren die Zecken, die zuvor den Ofentest überstanden hatten, in derselben Jacke noch lebendig.

Im Trockner: Nach eineinhalb Stunden Betrieb mit der Einstellung: „schranktrocken und schonend“ waren alle Zecken tot.

Unter Wasser: Die letzte Zecke starb nach etwa vier Wochen unter Wasser. Das heißt, möglichst Zecken nicht im WC herunterspülen.

Mikrowelle: Alle Zecken waren mausetot. Aber ob die Kleidung das aushält?

Das heißt, ein Waschgang mit mindestes +50 °C und eine Runde im Trockner töten Zecken am zuverlässigsten!


Damit ich Zecken wiederholt unter gleichen Bedingungen testen kann, habe ich mittlerweile einen „standardisierten“ Zeckenprüfstand entwickelt. Wie bei einem Crashtest für Autos untersuche ich damit, wie die Tiere zum Beispiel auf Duschgel, Abwehrsprays, ätherische Öle, Sonnenöl, Licht, Geräusche, Bewegung reagieren. Im „Testraum“ haben die Zecken mehrere Ausgänge zur Wahl, wobei sie sich zwischen angebotenen Testmitteln und neutralen Ausgängen entscheiden können.

Dort werden sie dann automatisch gefangen und gezählt. Bei verschiedenen Substanzen wie Abwehrsprays oder Gels müssen mehrere Tests durchgeführt werden, denn auch die Art und Menge der Anwendung kann unterschiedliche Auswirkungen haben. Besonderen Wert lege ich auch darauf, mich nicht durch Spendengelder von großen Pharmafirmen zu binden. Um diese Objektivität zu bewahren, habe ich bis heute alle Untersuchungen und Entwicklung ehrenamtlich aus eigenen Mitteln oder privaten Spenden durchgeführt.Für diese Untersuchungen habe ich eine eigene Norm entwickelt, um die Tests wiederholbar und vergleichbar zu machen. Zum Beispiel halte ich Wärme, Licht, Geräuschkulisse, Feuchtigkeit und Material in den Tests konstant.

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Mein Ziel ist es, herauszufinden, was die Zecken gar nicht ausstehen können, ohne zu giftigen Bioziden greifen zu müssen. Auch Lockmittel können so gefunden werden. Und mit diesem Wissen könnten wirksame Vorsorgemaßnahmen getroffen und letztlich die Zahl der Krankheitsfälle durch Zeckenbisse verringert werden. Werner Johansson