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Wildunfall: Fallwild sicher bergen

Bei der Abwicklung von Wildunfällen müssen Jäger auch auf ihre eigene Sicherheit achten.


Unter den jährlich etwa zehn Menschen, die in Deutschland im Straßenverkehr bei Wildunfällen ums Leben kommen, und den über 3.000 zum Teil schwer verletzen Personen, befinden sich auch Jäger, die angefahrene Wildtiere von ihrem Leiden erlösen oder von der Straße entsorgen wollten.

Die Hauptunfallzeiten liegen nach dem Totfundkataster in der Morgen- und Abenddämmerung sowie in der Nacht. Nicht nur für Autofahrer gilt daher in den dunklen Tageszeiten erhöhte Aufmerksamkeit – auch Jäger, die zu einem Wildunfall gerufen werden, müssen sich um ihre Sicherheit bei der Bergung sorgen. Gerhard Westendorf von der für die Jagd zuständigen Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau listet dazu folgende Punkte auf:

Für alle Fälle gerüstet sein

Beim Bergen des Fallwildes haben der Eigenschutz und die Absicherung der Unfallstelle immer Vorrang. Die von Jägern überwiegend getragene dunkle Kleidung ist bei dieser Arbeit von Nachteil, weil sie nicht oder nur schlecht von anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen wird. Deshalb sollten in der mitgeführten Wildwanne generell eine Warnweste, ein zusätzliches Warndreieck, ein LED-Blinklicht und eine leistungsstarke Taschenlampe liegen. Die Jagdwaffe, das Messer und das Bergegeschirr sind auch immer dabei. Für jeden Fall gut ausgerüstet zu sein, ist auch deshalb wichtig, weil die Angaben der Leitstelle, des Unfallopfers oder der Zeugen nicht immer vollständig oder zutreffend sind.

Ein Notfallset für Wildunfälle sollte jeder Jäger in seinem Fahrzeug mitführen. Foto: SVLFG/ Westendorf © SVLFG/ Westendorf

Ein Notfallset für Wildunfälle sollte jeder Jäger in seinem Fahrzeug mitführen. Foto: SVLFG/ Westendorf

Warnweste vor dem Einsatz anziehen

Die Warnweste wird Tag wie Nacht am besten schon zu Hause übergezogen, damit man vor Ort beim Aufstellen des Warndreieckes, sofern noch nicht geschehen, gleich wahrgenommen wird. Insbesondere in der Dunkelheit sind große Reflexflächen auf der Kleidung wichtig, zum Beispiel zwei Querstreifen und je ein Streifen über den Schultern. Beim Neukauf einer Warnweste oder Jacke, sollte darauf geachtet werden, dass das Produkt nach der Norm DIN EN ISO 20471 von 09/2013 gefertigt wurde.

Blinkleuchte sichtbar postieren

Liegt die Unfallstelle hinter eine Kuppe, legt man die LED-Blinkleuchte auf das Autodach. Ist das Wild noch nicht verendet und liegt noch auf der Straße oder es kann aufgrund seiner Größe nicht umgehend an den Straßenrand geschafft werden, kann auch die Gefahrstelle mit den Blinkleuchten schnell kenntlich machen.

Beim Schusswaffengebrauch niemanden gefährden

Muss der Jäger die Schusswaffe einsetzen, um das angefahrene Tier zu erlösen, ist besondere Vorsicht geboten. Er hat bei der Schussabgabe nicht nur auf die anwesenden Personen und den Verkehr achten, auch das „Hinterland“ muss beachtet werden. Praktische Versuche haben gezeigt, dass der Schusswinkel gleich dem Abprallwinkel ist. Besonders kritisch wird es, wenn auf der Straße geschossen werden muss. Dabei kann es beim Austritt aus dem Wildkörper zu einer 180-Grad-Streuung kommen. Das können Geschosssplitter, Splitt oder kleine Steine sein, welche die nähere Umgebung gefährden. Entspannter ist es für den Jäger, dem Unfallfahrer vorher die Wildunfallbescheinigung auszustellen, so dass dieser, sofern das Fahrzeug noch fahrbereit ist, den Unfallort verlassen kann.

Zweckmäßig ausleuchten

Lichtstarke LED-Taschenlampen erzeugen einen schattenfreien Lichtkegel. Im Gegensatz zu den klobigen lichtstarken Halogenlampen sind die Leuchten sehr handlich. Bei einigen Produkten kann der Lichtkegel verstellt oder es können auch farbige Filter für die Nachsuche aufgesetzt werden. Selbst mit einfachen LED-Kopflampen wird das nähere Sichtfeld ausreichend ausgeleuchtet. Beim Einsatz der handlichen LED-Taschenlampen kann auch die Büchse mit beiden Händen sicher gehandhabt werden.

Für wen besteht Versicherungsschutz?

Verletzt sich der Jagdausübungsberechtigte (Pächter oder Eigenjagdbesitzer) bei der Fallwildbergung, ist er bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft gegen Unfälle versichert. Die Bergung von Fallwild auf Straßen am oder im eigenen Revier durch den Jagdunternehmer im Zuge der Ausübung des Aneignungsrechts ist wie die „Jagdausübung“ zu beurteilen und somit versichert. G. Westendorf/ SVLFG

Neues Wildwarnsystem AniMot


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