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Wildunfall: Das dürfen Jäger außerhalb ihres Reviers machen

Christian Teppe
am
Sonntag, 17.04.2022 - 07:50
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Wildunfall © Foto: Sebastian Grell – stock.adobe.com
Rehwild kommt besonders häufig unter die Räder.

Einige von uns haben diese Situation schon häufig erlebt. Das Handy klingelt, es gab einen Wildunfall im Revier. Zügig versucht man an Ort und Stelle zu sein, um unnötiges Leid und weiteren Schaden zu verhindern. So sehr sich die Geschehensabläufe ähneln, so verschieden ist jede Situation aufs Neue.

In der Regel ist die Polizei bereits vor Ort. Die am Unfall beteiligten Personen, insbesondere Fahrer bzw. Fahrerin sind häufig aufgelöst und überfordert. Wird man als Jagdausübungsberechtigter zum Unfallort gerufen, muss man einen kühlen Kopf bewahren, nicht nur, um keinen anderen zu gefährden, sondern auch, um nicht selbst mit Recht und Gesetz in Konflikt zu geraten.

Das fordert das Bundesjagdgesetz

Das Bundesjagdgesetz fordert uns unmissverständlich dazu auf, Unfallwild schnellstmöglich, aber tierschutz- und weidgerecht zu erlösen. So heißt es in § 22a Abs. 1 BJagdG, dass schwerkrankes Wild, um es vor vermeidbaren Schmerzen oder Leiden zu bewahren, unverzüglich zu erlegen, es sei denn, dass es genügt und möglich ist, es zu fangen und zu versorgen.

Ist man geübt und sicher im Umgang, bietet es sich an das Stück abzufangen. Zum einen kommt es beim Abfangen nicht auf den Untergrund an, sodass ein Stück welches noch auf der asphaltierten Straße niedergegangen ist, nicht erst bewegt werden muss. Zum anderen kann man mit etwas Geschick das Stück (geräuschlos) erlösen, ohne den ohnehin meist nervlich mitgenommenen Fahrer noch mehr zu entsetzen. Dies dürfte im Sinne aller Beteiligten sein.

Sehr häufig gibt die vorgefundene Situation ein solches Vorgehen aber nicht her. Das schwerkranke Wild ist oftmals unsäglich am Klagen und ringt um sein Leben. Man sollte insoweit vorbereitet sein einen Fangschuss antragen zu müssen. Die oberste Pflicht ist es, sicherzustellen, dass sich keine Personen in unmittelbarer Nähe befinden. Zu empfehlen ist auch ein Hinweis an die Beistehenden, dass im nächsten Moment ein bzw. zwei Schüsse kurz nacheinander folgen werden.

Wildunfall außerhalb des eigenen Reviers

Ganz anders gestaltet sich die Situation, wenn ein Jagdscheininhaber nur zufällig an einen Wildunfallort gelangt – ein Wildunfall, der sich außerhalb des eigenen Jagdreviers ereignet hat. So sehr das verunfallte Wild auch klagt, ist hier oberste vorsichtig geboten und genau zu prüfen, ob, wann und wie ein Einschreiten geboten ist. Das Prinzip, schwerkrankes Wild unverzüglich zu erlegen, um es vor vermeidbaren Scherzen und Leiden zu bewahren, gilt – leider – nicht schrankenlos.

Denn außerhalb des eigenen Reviers ist man nicht jagdausübungsberechtigt. Das Erlegen von Wild erfüllt dann grundsätzlich den Straftatbestand der Wilderei, § 292 StGB. Zudem darf man Schusswaffen über die berechtigte Jagdausübung hinaus weder führen noch schießen. Auch insoweit würde man sich strafbar machen (§ 52 WaffG) bzw. ordnungswidrig handeln (§ 53 WaffG).

Daher ist zunächst der zuständige Jagdausübungsberechtigte zu informieren. Ist dies nicht möglich, sollte unbedingt die Polizei hinzugezogen werden, wenn diese nicht ohnehin schon vor Ort ist.

Erlegt ein Jagdscheininhaber außerhalb des eigenen Reviers ein schwerkrankes, verunfalltes Wild, da der dortige Jagdausübungsberechtigte nicht verfügbar ist, wird er in aller Regel gerechtfertigt sein. Das heißt, dass das konkrete Handeln als nicht strafrechtlich relevant angesehen und nicht geahndet wird.

Denn zumeist wird wenigstens von einer mutmaßlichen Einwilligung auszugehen sein, also davon, dass der Jagdausübungsberechtigte zugestimmt hätte, hätte er sich vorher mit dem Weidmann vor Ort besprechen können. Eine mutmaßliche Einwilligung nehmen Strafgerichte an, da den Jagdausübungsberechtigten selbst die Pflicht nach § 22a BJagdG getroffen hätte und ein Erlösen durch einen anderen Waidmann daher nur in seinem Sinne sein kann.

Nicht selten dürfte man auch Nothilfe im Rahmen des rechtfertigenden Notstandes leisten (§ 34 StGB), da bei einer Interessenabwägung das tierschutzkonforme Erlösen eines leidenden Wesens die Verletzung eines fremden Jagdrechts überwiegen dürfte.

Einzelfälle betrachten

Diese Beurteilungen sind jedoch nicht verallgemeinerungsfähig und bedürfen immer einer Einzelfallentscheidung. So entschied bspw. das Amtsgericht Öhringen, dass eine Strafbarkeit wegen Wilderei nur dann ausscheidet, wenn eine vorherige, ausdrückliche Einwilligung des Jagdausübungsberechtigten bestand (Urteil vom 18.12.1975, Az. DS 80/75).

Im Zweifel ist man also gehalten, sich mit der örtlich zuständigen Polizei verständigen und im Rahmen derer Anweisungen als Verwaltungshelfer, verunfalltes Wild erlösen. Denn die Polizei ist auch befugt, die bei einem Fangschuss erforderliche Schießerlaubnis zu erteilen, sodass man sich hierbei auf rechtssicherem Boden bewegen dürfte.

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