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Wildkameras: So werden sie im Revier richtig eingesetzt

Thomas Bock © Thomas Bock
Thomas Bock
am
Montag, 01.06.2020 - 06:25
Wildkameras können wertvolle Erkenntnisse darüber liefen, was wo im Revier läuft. © Eva Grun
Wildkameras können wertvolle Erkenntnisse darüber liefen, was wo im Revier läuft.

Bei der Verwendung von Wildkameras müssen einige Dinge beachtet werden. Zunächst die Frage, wohin mit dem elektronischen Auge? Beliebte Plätze sind häufig vom Wild frequentierte Wechsel und natürlich Kirrungen. Damit die Fotofalle nicht gleich auf den ersten Blick sichtbar wird, ist dabei die Montage in Augenhöhe zu vermeiden. Dort ließe sich zwar alles bequem positionieren und das Innenleben der Kamera hätte man bei Einstellarbeiten direkt vor der Nase, doch die Gefahr von Entdeckung und Diebstahl ist in diesem Fall größer.

Um Beschädigungen durch Wildtiere zu vermeiden, raten die meisten Kamerahersteller zur Montage weit über Kopfhöhe. Das bringt zwar einige Schwierigkeiten mit sich, schützt aber und bietet zudem ein größeres Sichtfeld für die Kamera. Bei der Positionierung muss natürlich auf den Kamerawinkel geachtet werden, da man weder dem Wild auf die Läufe schauen noch den Himmel aufnehmen will.

Dazu die Kamera neigen, bevor sie fixiert wird, so dass sie auch das Ziel vor die Linse bekommt. Hierfür eignet sich ein Referenzmonitor. Das kann ein Laptop oder ein Tablet sein – eigentlich alles, was mithilfe eines USB-Kabels mit der Kamera verbunden werden kann. Damit lässt sich der Bildausschnitt genau ausrichten.

 

In Augenhöhe und ohne Verblendung angebracht, sind Fotofallen leicht sichtbar und werden eine schnelle Beute für Diebe. © Julia Kauer

In Augenhöhe und ohne Verblendung angebracht, sind Fotofallen leicht sichtbar und werden eine schnelle Beute für Diebe.

Unbedingt auf den Hintergrund achten!

Der Neigungswinkel der Kamera hängt im Wald natürlich auch von dem Baum ab, an dem sie montiert wird. Unebenheiten lassen sich durch kleine Hölzer, die zwischen Kamera und Stamm geklemmt werden, ausgleichen und der benötigte Neigungswinkel einstellen. Da die Kamera auf Bewegung reagiert, sollte der Stamm, an dem die Kamera montiert wird, nicht weniger als 30 Zentimeter Durchmesser haben. Anderenfalls löst die Fotofalle bei jeder Windböe, die den Baum bewegt, ungewollt aus.

Bei der Montage spielt neben der Höhe auch der Hintergrund eine große Rolle. Wenn Sie eine dunkle Wildkamera vor einer hellen Wand aufhängen, ist es völlig egal, wie hoch oder tief sie hängt. Sie wird sofort entdeckt. Nutzen Sie einen unruhigen Hintergrund, der die Kamera quasi verschluckt. Mit etwas Sprühfarbe lassen sich Halterungen und Kameragehäuse an nahezu jede Umgebung anpassen. Suchen Sie einen Untergrund, der nicht einfarbig ist, sondern möglichst voll mit kleinen Details – wie auf einem „Wimmelbild“ für Kinder. Durch die Vielzahl der Details sind gesuchte Objekte nur sehr schwer auffindbar.

Ist ein geeigneter Platz für die Falle gefunden, geht es an das sogenannte Finetuning. Wer sich im Vorwege intensiv mit dem Gerät und der ihm innewohnenden Technik beschäftigt, kann erste Rückschläge und Enttäuschungen vermeiden und auch Geld sparen. Denn neben den Anschaffungskosten sind es die benötigten Batterien, die eine Wildkamera zu einem echten Kostenfaktor für das Revier werden lassen.

Kombination aus verschiedenen Auslösemechanismen

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Menüführung. Nur wenn alle Parameter genau passen, ergeben sich stimmige Videos und Fotos. Zudem schont die richtige Einstellung die Batterie.

Nun zum Auslöseverhalten der Kamera. In der Regel ist es eine Kombination aus Bewegungsmelder und Wärmesensor, die die Kamera aktiviert. Das heißt, ein Mensch oder ein Tier, das in den Bereich der Sensoren einwechselt, löst die Kamera aus. Bei preisgünstigeren Geräten, die nicht über die Sensorkombination verfügen, ist meist nur eine Bewegung nötig, um die Falle zu aktivieren, sodass Blätter im Wind oder vorbeifliegende Vögel (ungewollte) Bilderserien liefern.

Wer dies vermeiden will, schaltet im Kameramenü auf Einzelaufnahme oder wählt, wenn möglich, Dreier-Bildserien aus. Videosequenzen, auch wenn sie sich in ihrer Zeitdauer begrenzen lassen, benötigen zum einen deutlich mehr Speicherplatz auf der SD Karte (Secure Digital Memory Card), zum anderen ist für eine Videoaufnahme und deren Speicherung deutlich mehr Energie nötig, als bei reinen Fotoaufnahmen.

Auch die Auslöseverzögerung der Wildkamera hat einen großen Einfluss auf die Batterielaufzeit. Wer die Sauen an der Kirrung fotografieren will, sollte mit einer längeren Verzögerung arbeiten, da die Sauen bekanntermaßen länger im Gebräch stehen. Geht es aber um die Überwachung der Jagdhütte oder den schnellen Schnappschuss am Wechsel, ist sofortiges Auslösen der Kamera nötig. Hier sollte nicht mit einer Verzögerung gearbeitet werden.

Die Wahl der richtigen SD-Karte ist eine Wissenschaft

SD-Karten im Vergleich: Die Preise richten sich nach Speichervolumen und Datenübertragungsrate.

Die Wahl der richtigen Speicherkarte ist eine Wissenschaft für sich. In den bekannten Kaufhäusern hängen die in kleinen Chips zu hunderten im Regal. Die Preisspanne reicht von wenigen Euro bis hin zu über 100 Euro. Die Unterschiede liegen zum einen im Datenvolumen, welches die Karten aufnehmen können, zum anderen in der Geschwindigkeit, mit der die Daten sich darauf abgelegen lassen.

Für unsere Kameras im Wald reichen langsamere Karten aus, da die Aufnahmen in der Regel nicht sehr hochauflösend sind. Wer noch ungeübt ist im Umgang mit seiner Fotofalle, sollte anfänglich eine geringere Auflösung anwählen. Das spart Speicherplatz auf der Karte und schont die Batterien.

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Bilder direkt aufs Handy

Fotofallen mit GSM-Modul verfügen zumeist über eine Antenne, die für den Versand von MMS-Nachrichten benötigt wird.

Wer die Fotos seiner Kamera nicht manuell auslesen, sondern ohne Verzögerung die Aufnahmen aus dem Wald auf sein Handy bekommen will, benötigt eine Fotofalle mit GSM (Global System for Mobile Communications) Telefon-Modul, die ähnlich wie ein Mobiltelefon funktioniert.

Dieses Modul versendet je nach Einstellung MMS (Multimedia Messaging Service) Bild-Nachrichten, die Sie mit ihrem Handy empfangen können. Hier können zu jeder Tages- und Nachtzeit Nachrichten auf Ihr Handy kommen. Das kann durch Häufigkeit, Uhrzeit und besonders durch nichtssagende Fotos, ausgelöst durch „was auch immer“, Unmut erwecken.

Experten empfehlen Neulingen mit der Wildkamera zunächst einige Probeläufe ohne Datentransfer auf das Handy. Erst wenn die Parameter, die zum Auslösen der Kamera führen, optimal eingestellt sind und die Falle zuverlässig Fotos im richtigen Format und vom korrekten Bereich liefert, macht es Sinn, sich die Daten auf das Handy schicken zu lassen.

Hierfür muss aber zwingend GSM-Handy-Empfang im Revier gegeben sein. Ohne Kontakt zum Mobilfunknetz können Sie lange auf eine Nachricht von der Kamera warten. Prüfen Sie die Empfangsstärke der unterschiedlichen Netze in ihrem Revier. Oft gibt es eklatante Unterschiede zwischen den Anbietern je nachdem, wo diese ihre Sende/ Empfangsstationen positioniert haben.

Gute Fotobatterien sind kein billiges Vergnügen

Zwölf auf einen Streich. Besonders die Kameras mit der sich MMS Nachrichten auf das Handy schicken lassen benötigen viel Energie und damit auch viele Bateriezellen.

Die Grundeinstellungen der Kamera sind ebenfalls ein wichtiger Faktor, um das tierische Leben in Ihrem Revier richtig zu bewerten. Nur wenn Datum und Uhrzeit in der Kamera auch stimmen, lassen sich Verhaltensweisen und Äsungsgewohnheiten des Wildes auch zutreffend einschätzen. Im Grunde übernehmen Wildkameras heute die Funktionen der guten alten Wilduhr, die man ehemals so oft aus dem Schlamm der Suhle gezogen und mit viel Liebe und einem heißen Föhn wieder gangbar gemacht hat.

Ein besonders wichtiger Punkt bei allen Wildkameras ist die Stromversorgung. Nach dem ersten Öffnen des Kameragehäuses tritt bei vielen von uns meistens Ernüchterung ein, denn nicht selten verlangen auch modernste Modelle noch bis zu 12 AA-Zellen. Kein billiges Vergnügen. Denn mit den preiswerten Zink-Kohle-Batterien, mit denen sich unsere Fernsehfernbedienung zufrieden gibt, ist es bei Wildkameras nicht getan.

Hier müssen schon die guten Zellen rein, die bereits auf der Verpackung anzeigen, dass sie für den Betrieb in einer Kamera geeignet sind. Grundvoraussetzung für eine Fotobatterie sind hohe Kapazität (viel gespeicherte Energie) und hohe Leistung auch bei Spitzenbelastungen. Das brauchen die Geräte wegen der Aktivierung des Infrarotblitzes bei Nacht und wegen der häufigen Speichervorgänge auf der SD-Karte.

Wer nicht ständig die Batterieindustrie unterstützen will, kann auch zu aufladbaren Akkus greifen. Deren Ausgangsspannung ist zwar meist deutlich unter der geforderten 1,5-Volt-Nennspannung, was zu kürzeren Einsatzzeiten im Vergleich zu normalen Batterien führt, dafür lassen sie sich (fast) kostenneutral aufladen und oft wiederverwenden.


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