Home Praxis Wildkamera: 6 Fakten zur Fotofalle

Wildkamera: 6 Fakten zur Fotofalle

Hängen mittlerweile in fast jedem Revier: Wildkameras.


1. Einsatzgebiet – was ist das Ziel?

In der wildbiologischen Forschung werden Fotofallen meist für Bestandsschätzungen, Verhaltensforschung oder Inventuren von Spezies in einer Region oder einem Habitat eingesetzt. Sowohl für Forschung als auch für Jäger ist wichtig, vorab abzuklären, was man wissen will: Wer kommt wann zur Salzlecke? Welche Arten kreuchen und fleuchen eigentlich wo durch mein Revier? Ab wann wird auf die Wildwiese ausgetreten – und kann ich damit meine Jagdplanung optimieren? Jedes dieser Ziele erfordert eine anderes Können bzw. Ausstattung der Wildkamera im Bezug auf Sensor, Verschlusszeit und Blitz.

2. Der Blitz – notwendig oder Störung?

Die verfügbaren Blitzvarianten sind vielfältig: Weißlicht, Infrarot, LED-Varianten oder gefiltertes Blitzlicht. Infrarotblitze werden mit geringer Wahrnehmung durch das Wild beworben. Das geht jedoch mit Farbverlust (Schwarzweiß-Bilder) und einer längeren Belichtungszeit einher, was oft Schärfeprobleme bedeutet. Während im Jagdbetrieb vermehrt Infrarotblitzkameras verwendet werden, kann die Bildschärfe- und qualität von Weißlichtblitzkameras in der Forschung essentiell zur Individuenerkennung sein. So sind z.B. Luchse an Hand ihrer einzigartigen Fellzeichnung identifizier- und damit zählbar. Der Weißlicht- sowie der ungefilterte Infrarotblitz wird aber häufig als Störungsquelle angesehen. Es sollten jedoch auch Optik, Geruch und vor allem der Geräuschpegel des sich wiederaufladenden Blitzes nicht außer Acht gelassen werden. Diese Faktoren sind für das Wild wahrnehmbar und können auch Reaktionen auslösen.

3. Sensor & Co. – wie funktioniert das?

Fotofallen sind meist mit einem passiven Infrarot-Sensor ausgestattet. Ein Piezoelektrisches Kristall erzeugt eine elektrische Spannung, die der Wärmeeinstrahlung entspricht. Eine Änderung in der Wärmeeinstrahlung bedeutet eine Änderung der Spannung: Zieht ein Wildkörper am Sensor vorbei, löst die Spannungsänderung des Kristalls ein Foto aus. Der Auslösereflex kommt also nicht von einer aktiven Lichtschranke, sondern durch „Temperatur in Bewegung“. Wichtig ist es, sich verständlich zu machen, dass es sich bei den Sensoren meist um dünne Fächer verschiedenster Öffnungswinkel handelt und nicht um einen Kegel. Das hat enormen Einfluss auf die Art und Weise, wie man die Fotofalle positionieren muss, um ans jeweilige Ziel zu gelangen.

4. Zeitraffer-Funktion – eine Option im Tageslicht

Die sogenannte Zeitraffer- oder time-lapse-Funktion verzichtet auf den Sensor und löst in einem definierten Intervall immer wieder ein Bild aus. Dadurch ist es möglich, große Flächen zu beobachten, ohne sich durch die Sensorreichweite einschränken zu müssen. So können ganze Wiesen, Balzplätze oder Uferverläufe beobachtet werden. Leider aber nur zur Tageszeit – große Flächen kann der Blitz nicht ausleuchten. Außerdem wäre die Batterie- Leistung in kurzer Zeit am Ende. In der Forschung werden damit u.a. Störungsereignisse oder Schadensproblematiken evaluiert. Im Jagdbetrieb kann es nützlich sein, um zu sehen, wann das Wild auf die Fläche tritt, und Ansitzzeiten darauf abzustimmen.

5. Auslösen – schnell, schneller, am schnellsten

Als Auslösegeschwindigkeit wird die Zeit bezeichnet, die die Fotofalle von der Detektion des Objekts durch den Sensor bis zur Bildauslösung benötigt. Anfänglich betrug diese Zeit noch mehr als eine Sekunde. Neuere Modelle lösen bereits sehr schnell nach 0,2 oder 0,3 Sekunden aus. Die Notwendigkeit einer schnellen Auslösung ist jedoch vollkommen davon abhängig, wo die Fotofalle eingesetzt wird. An Plätzen, an denen die Tiere länger verweilen, wie an der Kirrung, der Fütterung oder der Salzlecke, kann die Auslösezeit viel länger sein als am Wechsel. Dort resultieren lange Auslösezeiten meist in enttäuschenden Fotos von Wedeln und Hinterläufen.

6. Installation der Fotofalle: Kann das denn so schwer sein?

Egal für welches Modell, welche Blitzvariante man sich entscheidet: Richten Sie die Fotofalle nicht frontal auf das Wild aus. Eine seitliche Ansicht oder eine Erfassung von hinten ist zu bevorzugen, um die Störung zu verringern und ein potentielles Meideverhalten zu reduzieren. Grundsätzlich geht es um die Abwägung von Wahrscheinlichkeiten. Woher und in welchem Abstand kommt das Wild, wo ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, Detektionen zu erreichen. Einer der häufigsten Fehler ist eine zu hohe Befestigung der Kamera, bei der die Tiere unter dem Sensor durchwechseln können. Oft werden die Fotofallen auch abgekippt, also in den Boden zeigend ausgerichtet, was aber die Reichweite und Abdeckung des Sensors stark verringert. Optimal ist eine Boden-parallele Anbringung.

Text: Kirsten Weingarth