+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 3.885 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 16.5.2022) +++
Home Praxis Wilderei: Das müssen Sie zu Wilderern und Jagdwilderei wissen

Wilderei: Das müssen Sie zu Wilderern und Jagdwilderei wissen

Kathrin Führes © Kathrin Führes
Kathrin Führes
am
Dienstag, 01.02.2022 - 14:07
Wild-auf-Ladefläche © Roman Babakin - stock.adobe.com
Immer wieder kommt es in Deutschland zu Wilderei – auch in größerem Umfang.

Nicht erst seit dem grausamen Mord an zwei Polizisten durch zwei Wilderer ist das Thema Wilderei wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Illegale Jagden oder Tötungen von Wildtieren sind schon seit langem ein Problem in Deutschland.

Wie häufig kommt es in Deutschland zu Wilderei?

Verlässliche Zahlen, wie oft gewildert wird, gibt es nicht. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden im Jahr 2020 1.080 Fälle von Jagdwilderei erfasst. Nur 336 Fälle konnten aufgeklärt werden. Insgesamt gab es 373 Tatverdächtige, wovon 295 männlich waren. Die Dunkelziffer wird aber um ein Vielfaches höher liegen, da die meisten Fälle von Wilderei nicht entdeckt oder angezeigt werden.

Was ist Wilderei?

Wilderei wird im Strafgesetzbuch (StGB) durch den § 292 definiert. Demnach ist Wilderei: Wer unter Verletzung fremden Jagdrechts oder Jagdausübungsrechts dem Wild nachstellt, es fängt, erlegt oder sich oder einem Dritten zueignet oder eine Sache, die dem Jagdrecht unterliegt, sich oder einem Dritten zueignet, beschädigt oder zerstört. Also nicht nur das Nachstellen, Fangen und Töten von Wild wird als Wilderei geahndet, sondern beispielsweise auch das Mitnehmen von Geweihen/ Gehören, Federn oder Knochen aus einem Revier, ohne die Erlaubnis dafür zu besitzen. Ebenfalls gilt die Mitnahme von Unfallwild als Wilderei.

Wie wird Wilderei geahndet?

Wilderer können laut Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft werden. Bei besonders schweren Fällen, beispielsweise wenn die Wilderei „gewerbs- oder gewohnheitsmäßig, zur Nachtzeit, in der Schonzeit, unter Anwendung von Schlingen oder in anderer nicht weidmännischer Weise oder von mehreren mit Schusswaffen ausgerüsteten Beteiligten gemeinschaftlich“ ausgeführt wird, sieht das StGB eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren vor.

Was sollte ich tun, wenn ich auf einen Wilderer im Revier treffe bzw. beobachte?

Gegenüber der PIRSCH erklärte Andreas Ruepp, Erster Polizeihauptkommissar der Polizeiinspektion Kempten, dass man in einer solchen Situation immer über den Notruf 110 die Polizei alarmieren sollte. Bestenfalls mit Geodaten und einer möglichst genauen Personen- und Fahrzeugbeschreibung. Es gebe auch die Möglichkeit, eine sogenannte „verdächtige Wahrnehmung“ zu melden. Wenn Person oder Fahrzeug anderenorts auffällig werden, helfen solche Informationen der Polizei immens bei den Ermittlungen. Jedoch sollten Jäger niemals selbst handeln und sich dadurch in Gefahr bringen. Denn auch eine Notwehrsituation werde von der Staatsanwaltschaft genau überprüft und „wegen eines gewilderten Rehs einen Menschen zu erschießen, sei bei weitem nicht gerechtfertigt“, so Ruepp.

Was sind Motive für Wilderei?

Die Motive für Wilderei können vielfältig sein. Der häufigste Antrieb ist aber wohl die Beschaffung von Wildbret. Aber auch Trophäenwilderei oder pure „Jagdlust“ können Motiv sein.

Womit wird in Deutschland gewildert?

Häufig werden zur Wilderei kleinkalibrige Schusswaffen genutzt. Diese waren lange Zeit nicht von der Waffenbesitzpflicht erfasst und sind – verglichen mit einer großkalibrigen Büchse – relativ leise. Auch werden gerne Waffen genutzt, die man zerlegen und damit realtiv unscheinbar führen kann. Heutzutage werden auch Schalldämpfer und Nachtsichttechnik von vielen Wilderern eingesetzt. Schüsse aus Auto sind dabei keine Seltenheit.

Besonders in Osteuropa, aber auch in Deutschland treten auch immer mehr Fälle von Jagdwilderei mit Schlingen auf. Auch Fälle, in denen mit Fallen, Pfeil und Bogen oder einer Armbrust gewildert wird, gibt es immer wieder.

Das Reh strangulierte sich in einem langen Todeskampf selbst. © Manfred Schrepfer

Das Reh strangulierte sich in einem langen Todeskampf selbst.

Was ist, wenn ich Schlingen im Revier entdecke?

Wenn Sie eine Schlinge im Revier entdecken, kann es Sinn machen diese hängen zu lassen und die Polizei zu informieren. Eine versteckt installierte Wildkamera kann im Zweifel helfen, dann einen Wilderer zu überführen.

Was ist ein typischer Wilderer?

Einen typischen Wilderer gibt es nicht – Wilderei zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten. Neben Menschen, die nie einen Jagdschein besessen haben, über ehemalige Jäger bis hin zu aktiven Jägern, die in fremden Revieren wildern, sind alle Konstellationen denkbar.

Im Jahr 2020 gelang der Polizei in Österreich ein Schlag gegen eine siebenköpfige Wilderer-Bande: Die Männer, im Alter von 19 bis 52, sollen über 100 Tiere gewildert haben. Nur einer der Täter war im Besitz eines Jagdscheins. Bei den Männern wurden 78 Schusswaffen, mehrere tausend Schuss Munition, 31 Schalldämpfer, Nachtsichtgeräte und Wärmebildkameras sowie umfangreiches Material zur Herstellung von Munition sichergestellt.

Warum ist Wilderei so schlimm?

Wilderer achten meist nicht auf Jagd- und Schonzeiten, auch auf Abschusspläne wird keine Rücksicht genommen. Sie verwenden in vielen Fällen nicht zugelassene Kaliber, die großes Tierleid verursachen. Angeschossene, aber nicht tödliche getroffene Wildtiere werden nicht nachgesucht und müssen so unnötig leiden. Auch bei der Wilderei mit Schlingen leiden die Tiere bis zu ihrem Tod oftmals sehr lange und qualvoll.

Welche bekannten Wilderer gibt es?

In der deutschen Geschichte gab es zahlreiche bekannte Wilderer wie etwa den „Robin Hood des Spessarts“ Johann Adam Hasenstab, den bekannten bayerischen Wilddieb Georg Jennerwein oder den Wildschütz Klostermann, welcher im Raum Eggegebirge, Sauerland und Waldeck sein Unwesen trieb.

Kommentieren Sie