Home Praxis Welpen-Auswahl

Welpen-Auswahl

Eine muntere Meute: die Welpen des A-Wurfes im HS-Zwinger 'von den sieben Steinhäusern'. (Foto: S. Arjes)


Alle Welpen sind 'lieb' und wer als Käufer eines Jagdhundwelpen seine Frau und womöglich noch seine Kinder zum Aussuchen des künftigen Jagd­begleiters mitnimmt, der wird garantiert den Welpen mit nach Hause nehmen, der sich widerspruchslos und genussvoll von Frau und Kindern hat 'abknutschen' lassen.Ich habe mit meiner Frau neun Würfe Hannoverscher Schweißhunde und einen Wurf Beagle gezüchtet und das über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren. Nahezu alle Jäger, die Welpen von uns bekommen hatten, informierten uns während des ganzen Hundelebens über die Entwicklung ihres („unseres“) Hundes. Wenn man so einen Wurf über acht Wochen intensiv beobachtet hat, glaubt man, am Ende doch gewisse Rückschlüsse auf Nasenqualität und Wesensmerkmale ziehen zu können. Irrtum – ich glaube das nicht (mehr).

Beispiele

Michael Ries mit seinem „Astor“, der zu den erfolgreichsten Hannoverschen Schweißhunden in Reinland-Pfalz gehörte. Im 7. Behang wurde der Hund bei einem Fangschuss von einem Geschoss-Querschläger tödlich getroffen. (Foto: M. Ries)


Eine Welpenhündin (Hannoverscher Schweiß­hund), die ihren gesamten Wurf dominierte, war später ein zwar leistungsstarker, aber sehr umgänglicher und absolut nicht „dominanter“ Hund. Im gleichen Wurf gab es eine kleine und eher zierliche Hündin, die von sämtlichen Wurfgeschwistern ständig „verprügelt“ wurde. Keiner der vielen Welpeninteressenten würdigte sie auch nur eines Blickes. ­Diese Hündin – sie kam dann in meine relative Nähe und ich hatte mit ihr und ihrem Führer häufigen Kontakt – entwickelte sich nach Ausscheiden aus der Wurfgemeinschaft völlig normal und wurde ein sehr leistungsstarker und wildscharfer Hund. Gegenüber ihrem Zwin­ger­genossen (ein Deutsch-Drahthaar) hatte sie eindeutig das „Sagen“.
Unter den Rüden eines anderen Wurfs war ein Gestromter der Letzte in der Hackordnung. Aus familiären Gründen haben wir gerade diesen selbst behalten. Nach seiner Pubertät war er das genaue Gegenteil: Wenn ihm gerade danach war, grollte er mich im Auto an, wenn er zuerst – also vor mir – eingestiegen war. Ich musste etliche Male sehr deutlich werden.
Die Welpen, die ab der sechsten Lebenswoche die Pansenschleppen besonders intensiv und nach echter Schweißhundmanier ausarbeiteten, wurden später durchaus nicht die Spitzen-Riemen­arbeiter. Jedenfalls waren sie nicht signifikant besser als ihre Wurfgenossen, die sich dabei eher schwer taten. Am Ende meiner Züchter-Tätigkeit war ich jedenfalls nicht schlauer als zu Beginn.

Feststellung

Im Alter von acht Wochen kann man so gut wie nicht nach positiven Merkmalen selektieren. Nach negativen schon eher! Schwere körperliche Defekte sind oft schon in diesem Alter erkennbar:
  • Erheblicher Vor- und Rückbiss (wobei zu beachten ist, dass sich Ober- und Unterkiefer nichtsynchron entwickeln beziehungsweise wachsen. Jeder Welpe ist in seiner Entwicklung für kurze Zeit mal Rückbeißer!),
  • Knickrute (ist immer ­sichtbar),
  • En- und Ektropium (ist bei starker Ausprägung bereits in diesem Alter feststellbar),
  • Farbfehler.
Wenn sich ein Welpe nach dem Gedröhne tief fliegender Düsenjäger oder dem Scheppern eines auf Steinboden geworfenen Topfdeckels verkriecht und erst nach längerer Zeit wieder aus der Hütte traut, dann lässt das sicher auf ein möglicherweise gravierendes Wesensproblem schließen. Einen solchen Welpen würde ich natürlich nicht nehmen.
Vor Jahren habe ich einmal als Rat für „Welpen-Aus­sucher“ gelesen, man ginge das geringste Risiko ein, wenn man sich seinen Hund aus der Gruppe der eher ­unauffälligen, körperlich ­natürlich fehlerlosen Welpen aussuchen würde. Da ist ganz sicher was Wahres dran!
Grundvoraussetzung und ­eigentlich selbstverständlich ist immer, dass der Wurf, aus dem ich mir einen Welpen aussuche, seriös gezüchtet wurde. „Seriös“ heißt in diesem Zusammenhang, dass beide Eltertiere von einem JGHV-Zuchtverein auf Herz und Nieren geprüft wurden. Sie müssen ihre rassetypi­schen jagdlichen Anlagen (und möglichst auch Leistungen) auf entsprechenden anerkannten Prüfungen nachgewiesen haben, gesund und wesensfest sein und einen zuchttauglichen Formwert haben.
Das ist zwar auch keine Garantie, minimiert aber zweifellos das Risiko, einen kranken, wesens- und leistungsschwachen, womöglich nicht standardgerechten Hund zu bekommen. Letztere werden für viele Jagdgebrauchshunderassen (und vor allem bei den eher selteneren) in gro­ßen Zahlen aus dem bekannten Zwinger „o. P.“ (= ohne Papiere) angeboten. Wenn die Elterntiere eines solchen Wurfes so gut wären, wie es in den Verkaufsan­zeigen steht („in ständigem jagdlichen Einsatz“), warum wurden die angepriesenen Welpen dann außerhalb der etablierten Zuchtvereine gezüchtet?