Home Praxis Auf welchen Blatter fliegen die Böcke?

Auf welchen Blatter fliegen die Böcke?

Wenn man Blatter richtig anwendet, kann man Rehböcke zum Zustehen bewegen.


Einen Rehbock zuverlässig zum Springen zu bewegen, das interessiert alle Waidmänner. Dazu muss ein Jäger zunächst die verschiedenen Lautäußerungen des Rehwildes kennen. Auch sollte er wissen, dass sich die Locklaute von Reh zu Reh in Nuancen unterscheiden. Das gilt für den Fieplaut, noch mehr beim Sprengfieplaut, der ein Liebesbegehren eines weiblichen Rehes ausdrückt, und ganz besonders bei Angst- oder Schmerzlauten.

Neben rehspezifischen Lauten aber geben alle Blattinstrumente auch eine Vielzahl an anderen Lauten wieder. Das ist beim Imitieren von Locklauten das eigentliche Problem. Während die allermeis­ten Jäger ein Reh schon einmal haben fiepen hören, diesen Laut auch im Kopf haben und ihn deshalb nachmachen können, ist das bei dem mehr Blatt­erfolg versprechenden Sprengfieplaut oder dem Angstgeschrei nicht der Fall.

 

Mehr Glück als Können?

So ist der Großteil der Waidmänner den Lauten der auf dem Markt befindlichen DVDs, CDs oder Apps ausgeliefert beziehungsweise muss auf die „Blattmusik“ vertrauen, die ihm ein anderer Jäger oder Blatt­instrumenten-
verkäufer vormacht. Leider aber blatten nur wenige Jäger wirklich naturgetreu. Kein Wunder, dass viele keinen Blatterfolg haben oder ihnen nur gelegentlich ein Böcklein springt, das mit Testosteron vollgepumpt ist. Das sind Böcke, die die Brunft entweder nur als Zuschauer erleben, durch Bockkonkurrenz im Umfeld des Blattortes unter Druck stehen oder wegen einer „ökologischen“ Wilddichte zur Brunft nicht ausgelastet sind, weil sie lediglich ein oder zwei Ricken zu beschlagen haben. Solche Böcke springen auch mal auf das „Gequietsche“ eines klemmenden Wagenrades, wie das früher erfahrene Blattjäger zum Ausdruck brachten. Die auf dem Markt erhältlichen Blattinstrumente sind nach meinen jahrzehntelangen Erfahrungen alle brauchbar und lassen, entsprechende Übung vorausgesetzt, mehr oder minder gute Blattlaute zu.

Das „Hubertus­pfeifchen“

Hubertus „Rehwild-Weichselholz-Locker“.


Ein sehr einfach zu bedienendes Instrument ist das „Hubertus­feifchen“. Es ist aus Haselholz und Plastik erhältlich. Neuerdings gibt es auch eine Holz-Rehfiepe und einen Rehblatter, ebenfalls aus Holz. Sie alle lassen jedoch nur Fieplaute zu, die vor allem unter Liebessehnsucht leidende Böcke bewegt, doch einmal nachzuschauen, wer denn dort fiept. Aber Vorsicht: Wenn das Stellschräubchen zu weit reingedreht wurde und der Fieplaut zu hell ist, können auch Ricken springen. Dann war es der Kitzruf, der sie zum Nachschauen bewegt hat. Ist sie brunftig, hat sie häufig einen Freier im Schlepptau. Einzelne Blattjäger haben deshalb zwei oder gar drei solcher Pfeifchen miteinander kombiniert, um je nach Situation entweder mit einem etwas tieferen Laut einen freien Bock zu animieren bzw. mit dem Kitzfiep über die Ricke ein Liebespaar zum Zustehen zu bringen. Obwohl diese Pfeifchen einfach zu bedienen sind, wird mit ihnen, wie auch mit anderen Blattern, die ebenfalls einen Fieplaut erlauben, sehr oft ein entscheidender Fehler begangen: Es wird hineingeblasen, was zu einem zu langen Ton führt. Dann kommt höchstens ein Mäusebussard oder eine Waldohreule. Ein natürlicher Fieplaut ist kurz und deshalb auch nur über einen kurzen Luftstoß zu erzielen.

Der „Rottumtaler“ von Demmel

„Rottumtaler-Rehwildblatter“.


Zum Nachahmen der Blattlaute ist der „Rottumtaler Rehblatter“ am bedienungsfreundlichsten. Mit ihm können – wie bei einem Musikinstrument – von einem Mundstück aus alle Locklaute in den unterschiedlichsten Varianten nachgemacht werden. Er ist im Regelfall gut eingestellt, bedarf daher keiner Korrektur durch das Verschieben des Gummiringes, der die Lamelle (ein Schwingblättchen) so hält, dass je nachdem, wie weit der Blatter in den Mund geschoben wird, dunklere bzw. hellere, wie auch je nach Art des Luftstoßes oder des Blasens sowohl harte, weiche und kurze (Sprengfieplaute) bis langgezogene Laute (Angstgeschrei) frei werden. Auch ist dieser Blatter sehr robust, verzerrt bei längerer Verwendung und bei Nässe die Laute nicht und ist zudem ansprechend gestaltet.

„Weisskirchen“ und „Buttolo“

„Weisskirchen-Universalblatter“ und „Buttolo-Mundblatter“.


Naturgetreue Laute lassen sich auch mit zwei Blattern erzeugen, die sich sehr ähneln: dem „Buttolo-Mundblatter“, den es in einer Plastik- und einer Holzvariante gibt, und dem „Weisskirchen-Universalblatter“. Sie sind aufgebaut wie der „Reitmayr-Blatter“, haben also auch zwei Mundstücke. Nicht selten werden sie im Eifer des Gefechtes verwechselt. Der „Weisskirchen-Blatter“ ist aus edlem Tropenholz gefertigt, das Töne gut leitet, weshalb über dessen Konstruktion dieses Lockinstrument auch für die Jagd auf Raubwild, Raubzeug und andere Niederwildarten eingesetzt werden kann. Nach meinen Erfahrungen ist nach dem Kauf eines dieser Instrumente oft erst ein Einstellen auf naturnahe Rehlaute erforderlich, was mit dem Verschieben des Gummiringes beziehungsweise der Spange möglich ist.
Auch brauchen insbesondere unmusikalische Anwender einen größeren Übungsaufwand, um gleich im Ansatz gute Laute hervorbringen zu können. Das zeigt sich in meinen Blattseminaren immer wieder. Hilfreich ist dabei auf jeden Fall eine akustische Vorgabe (z.B. als Lehr-DVD). Sie sollte unbedingt mit erworben werden.

„Clausen“ und „Nordik Roe“

„Kristoffer-Clausen-Rehwildlocker“ und Rehwildblatter „Nordik Roe“.


Ein ähnliches, aber wesentlich einfacher konstruiertes Blatt­instrument ist der „Kristoffer-Clausen-Blatter“. Er scheint in Deutschland nicht weit verbreitet zu sein. Auch bei ihm ist vergleichsweise mehr Übungsaufwand erforderlich, um schon im Ansatz gute Blattlaute zu erzeugen. Ohne Zweifel aber ist ihm anzumerken, dass er aus Plastik ist. Relativ treffsicher im Klang ist der „Nordik Roe“. Er klingt bei unbedachter Verwendung etwas zu laut. Die Lautstärke ist jedoch über das Abdecken der Öffnung auf der Unterseite des Gerätes regulierbar. In größeren Waldrevieren mit geringem Rehwildbestand spricht er aber gerade durch seine Lautstärke auch Böcke in weiter Entfernung an.

„Buttolo-Gummiball“ für die Tasche

„Buttolo-Gummiball-Rehblatter“.


Ähnliches gilt für den „Buttolo-Gummiball-Blatter“, der wegen seiner etwas grelleren Laute am besten in ein Taschentuch gewickelt oder in der Jackentasche benutzt wird. Mit ihm lässt sich leider der Sprengfieplaut nur mit großer Übung und dann auch nicht so verführerisch nachmachen. Die meisten Blatter gestalten alle Blattlaute, also auch den Sprengfieplaut und das bei Unwillen, Angst oder Schmerz sich daraus entwickelnde Angstgeschrei. Diese beiden Laute versprechen mehr Erfolg. Während der Sprengfiep­laut eher zart, weich und kurz klingt, variiert das Angstgeschrei in der Härte und Länge des Tons und kann in einen fürchterlich vibrierenden Schrei ausarten. Über die stimmgebende Membran des Großteils der Blattinstrumente können beide Laute in all ihren Facetten imitiert werden. Der Sprengfieplaut, in leidenschaftlicher Serie nachgemacht oder gar noch mit ein paar angehenden Angstgeschreilauten durchmischt, hat auf alle Böcke eine phänomenale Wirkung. Es ist die beste „Schlafzimmermusik“, mit der kein Angstgeschrei und schon gar nicht eine Fiepserie konkurrieren kann.

Dr. Bartel Klein

Die Blattjagd-DVD von Dr. Bartel Klein. © Dr. Bartel Klein

Die Blattjagd-DVD von Dr. Bartel Klein.

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