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Waldschnepfen – 6 Fakten über die schrägen Vögel

Kirsten Weingarth
am
Dienstag, 14.06.2022 - 12:40
Mit ihrem langen Stecher ist die Waldschnepfe im wahrsten Sinne des Wortes ein schräger Vogel. © dlv-Jagdmedien/CST
Mit ihrem langen Stecher ist die Waldschnepfe im wahrsten Sinne des Wortes ein schräger Vogel.

Aufgrund ihres charakteristischen Flug- und Tonbildes im Lichte der Venus gibt die Waldschnepfe diesem Planeten auch den waidmannssprachlichen Namen „Schnepfenstern“.
Den meisten wird die Existenz dieses Vogels bewusst sein, doch wie die Waldschnepfe lebt und sich über das Jahr verhält, ist weniger bekannt. In diesem Artikel versuchen wir der Lebensweise dieses heimlichen Waldbewohners etwas näher zu kommen und klären auf was im jagdlichen Kontext erlaub und verboten ist.

1. Ruf der Waldschnepfe

Spätestens wenn man sie hört, weiß man um ihre Anwesenheit im Wald. Der quorrende, quarrende Ruf der Waldschnepfe ist unverkennbar und erinnert an einen über den Himmel fliegenden Frosch, gepaart mit einem zwitschernden Vogel.

Diese Rufe der Waldschnepfe lassen sich ebenfalls erkennen:

  • Puitzen oder seltener Schiepen: Das hohe Melden der Waldschnepfe während des Suchfluges.
  • Quietschen: So nennt man die hohen Laute, die ein Stecherpaar von sich hören lässt.
  • Puitzen und Knispen: Diese Laute geben Hennen von sich, um dadurch die Hähne anzulocken.

2. Waldschnepfe als Zugvogel

Bei uns kommt die Waldschnepfe hauptsächlich als Zugvogel und selten als Standvogel vor. Allerdings hat sie ihre Brutgebiete unter anderem in Deutschland und gilt auch deshalb als Frühlingsbote, wenn sie pünktlich zum Beginn der Brutzeit im März wieder unsere Wälder bewohnt. Als Kurzstreckenzieher fliegt unsere Waldschnepfe meist gen Süden, bis an die Nordküste Afrikas, aber auch in Richtung Westen, z.B. nach Frankreich oder Spanien.

3. Jagdzeit der Waldschnepfe

Früher wurde die Waldschnepfe während ihres Balzfluges, dem Schnepfenstrich, in der Frühlingsdämmerung bejagt, was jedoch in Deutschland heute verboten ist.

Bejagt wird die Waldschnepfe hierzulande kaum noch und ist in Berlin und Hessen ganzjährig geschont. In den anderen Bundesländern hat sie weiterhin eine Jagdzeit vom 16. Oktober bis zum 15. Januar eines Jagdjahres.

Trotz der Jagdzeiten, herrschen strenge Regulatorien, die den Handel einiger jagdbaren Vogelarten, z.B. Reiherenten, Höckerschwäne, Elster, Eichelhäher, aber auch die Schnepfe, verbieten. So ist der Besitz, also der Eigengebrauch, erlaubt, jedoch nicht der Handel mit solchem Federwild. Ist es also dem Jäger gelungen, die schwer zu fassende Schnepfe zu erlegen, darf er sie lediglich selbst verzehren, oder sie beispielsweise als Gesamtpräparat zur Erinnerung behalten. Grundlage der Bestimmungen bilden die Bundeswildschutzverordung (BWildSchVO) und das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG).

Die Waldschnepfe, wie alle europäischen Vogelarten der EU, unterliegt der EU-Vogelschutzrichtlinie (VSRL). Jedoch ist sie zusätzlich in Anhang II/1 aufgeführt, was ihre Bejagung in allen Mitgliedsstaaten legitimiert. Unter anderem in Spanien und Italien, aber auch Frankreich und England wird die Waldschnepfe auf ihrem Zug auch heute noch stark bejagt und als Delikatesse geschätzt.

4. Waldschnepfen in Deutschland

In Deutschland steht die Waldschnepfe auf der Nabu Vorwarnliste mit 20.000 - 35.000 Brutpaaren, der Bestand ist aber mit einem Bestandstrend -8% noch stabil. 
Die Bestandserfassung der Waldschnepfe birgt einige Schwierigkeiten, da die Geschlechterverteilung und Zusammensetzung der Brutpopulation aufgrund der heimlichen und promisken Lebensweise unbekannt ist. Es kann also angenommen werden, dass sich bisherige Bestandsaufnamen vor allem auf revieranzeigende Männchen beziehen, wodurch sich Angaben verzerren und vor allem Jagdstrecken als Hinweis über den Bestand dienen.

5. Trophäe der Waldschnepfe

Die Trophäe der Waldschnepfe heißt Malerfeder. Doch was genau ist die Malerfeder? Sie ist die äußere Handschwinge vor der ersten Schwungfeder der Schnepfe, ca. 3 cm lang und sehr spitz. Ihren Namen erhielt sie dadurch, dass sie früher häufig von Malern als Pinsel verwendet wurde. Heute gibt es kleine Platten, auf die die Federn gesetzt werden und z.B. als Hutschmuck getragen werden können. Als Jagdtrophäe gelten bei der Schnepfe sowohl Malerfeder als auch Schnepfenbart, welcher sich oberhalb der Bürzeldrüse des Vogels befindet. Beides zusammen kann dann am Hut des Jägers angebracht werden. Auch als Gesamtpräparat findet die Schnepfe als Trophäe Verwendung.

6. Begleitvögel

Durch die hervorragende Tarnung und die heimliche Lebensweise der Waldschnepfe bekommen sie selbst passionierte Vogelbeobachter nur selten zu Gesicht. Allerdings verraten sogenannte Begleitvögel, bzw. Zeigervögel, ihre Anwesenheit. Die Bachstelze als typischer Kurzstreckenzieher, ähnelt in ihrem Jahresrhythmus stark der Schnepfe und liefert alljährlich entscheidende Hinweise auf deren Ankunft. Innerhalb weniger Tage erscheinen die Vögel während des Frühjahrszuges gemeinsam mit der Waldschnepfe. Praktisch, da die Bachstelze mit ihrem auffallenden Flug deutlich schneller ins Auge fällt als die heimliche Waldschnepfe. Auch der etwas seltenere Vogel, die Bekassine wird als Begleitvogel der Schnepfe gesehen.

Flug und Flugbild der Waldschnepfe

Besonders erstaunlich ist der Flug der Waldschnepfe. Der Balzflug der Schnepfe nennt sich auch „Schnepfenstrich“ und ist in der Abenddämmerung in den Frühlingsmonaten April und Mai zu beobachten. Die Männchen markieren ihr bis zu 100ha großes Balzrevier, indem sie in schnurgeradem Flug über die Baumwipfel streichen. Und genau dann kann man auch das quorrend und puitzende Männchen mit etwa 20 - 30km/h über den Himmel fliegen sehen. Im Gegensatz zu ihren Männchen streichen die Weibchen fast stumm und auch nur, bis die Brutzeit beginnt. Während der Brutzeit streichen die Männchen dann langsam, mit nur 8km/h, suchend und wirken mit ihrem leichten Flug fast eulenartig. Wegen ihres langsamen Suchfluges zählt die Waldschnepfe fast als langsamster Vogel der Welt.