Home Praxis Waldschnepfen – 6 Fakten über die schrägen Vögel

Waldschnepfen – 6 Fakten über die schrägen Vögel

Mit ihrem langen Stecher ist die Waldschnepfe im wahrsten Sinne des Wortes ein schräger Vogel. © dlv-Jagdmedien/CST

1. Glossar der Laute

  • Quorren, Quarren oder Murksen: Dunkler Balzlaut des Hahns. Ihm verdankt die er auch den Beinamen „Murkerich“.
  • Puitzen oder seltener Schiepen: Das hohe Melden der Schnepfen während des Suchfluges.
  • Quietschen: So nennt man die hohen Laute, die ein Stecherpaar von sich hören lässt.
  • Puitzen und Knispen: Diese Laute geben Hennen von sich, um dadurch die Hähne anzulocken.

2. Schnabel als Pinzette und Rundumblick

Die Hauptcharakteristik dieser Limikolenart ist der stielförmige und hochspezialisierte Sondierschnabel, auch Stecher genannt. Er hat in der Spitze viele Nervenenden und Sensoren und ist zudem abknickbar. So können die Schnepfen ihre Hauptnahrung, nämlich Würmer, durch Stochern im Waldboden aufspüren und sogar tief im Boden noch ergreifen.

3. Geschlechteransprache

Durch einen Bauchschnitt und das Hochheben der Darmschlingen sind die Hoden bzw. die Eierstöcke ersichtlich und damit das Geschlecht eindeutig zu bestimmen.

Bereits Ende der 1970er Jahre wurde die These der Geschlechterbestimmung an Hand des Gefieders aufgestellt. Neue Untersuchungen bestätigen die Aussagekraft vor allem der vier Bänder der Rücken- und Schulterfedern. Diese weisen bei Hähnen überwiegend Grautöne, bei Hennen vorwiegend Gelbtöne auf. Es wird vermutet, dass diese Farbgebungen der Außenfahnen im Alter deutlicher ausgeprägt sind. Aber Vorsicht, eine hundert Prozent sichere Methode stellt die Gefiedererkennung nicht dar.

4. Anteil der Hähne am Frühjahrsabschuss

Der Anteil an männlichen Schnepfen an der Jagd am Frühjahrsstrich beträgt, wo er noch erlaubt ist, bis zu 95 Prozent! Bislang wurde das mit der Balzzeit erklärt: Es würden vermehrt Hähne streichen, um nach Hennen zu suchen. Auch Stecherpaare, also zwei sich streitende Hähne, sind aktiv zur abendlichen Dämmerungszeit.

Nach neueren Thesen hat der Schnepfenstrich aber eher mit der zurückgelegten Strecke in die Brutgebiete, in denen später die Balz stattfindet, zu tun: Den Hennen ist es im Gegensatz zu den Hähnen auf Grund ihrer physischen Konstitution nicht möglich, die gleichen Strecken (500 bis zu 700 Kilometer in einer Nacht!) zurückzulegen. Sie starten erst später in der Nacht, legen kürzere Etappen zurück und entziehen sich so eher einer Erlegung.

5. Begleitvögel verraten, wann sie da ist

Die hervorragende Tarnung der Waldschnepfe mit ihrem rotbraunen Falllaubmuster an der Oberseite des Gefieders lässt sie sehr gut mit ihrem Lebensraum verschmelzen. Diese Fähigkeit macht es uns Menschen auch fast unmöglich, sie zu zählen oder sogar einfach ihre Anwesenheit zu belegen.

In einigen Regionen hilft dafür die Anwesenheit anderer Vogelarten. Die Bachstelze als typischer Kurzstreckenzieher beispielsweise ähnelt in ihrem Jahresrhythmus stark der Schnepfe und liefert alljährlich entscheidende Hinweise auf deren Ankunft. Die Bachstelze und auch die Bekassine können also als direkte Begleitvögel gelten.

Diese Arten erscheinen während ihres Frühjahrszuges innerhalb weniger Tage gemeinsam mit der Waldschnepfe.

6. Notfall-Taxi und Schnepfendreck

Wohl einzigartig in der Vogelwelt ist die Transportmöglichkeit der Henne für ihre Küken: Bei Gefahr klemmt sie den Nachwuchs zwischen Beine und Bauch und fliegt mit ihm davon. Welch ein Flugmanöver und beeindruckender Kraftakt!

Übrigens: Der sogenannte Schnepfendreck, die Eingeweide der Waldschnepfe mit Ausnahme des Magens, gilt mancherorts mit fein gehackten Zwiebeln, Petersilie, Speck und Ei auf geröstetem Brot als Delikatesse. Bevor man sich zu dieser Art des Genusses entscheidet, sollte man sich über den Würmer-Speiseplan und eventuelle Parasitengesellen im Darmtrakt der Waldschnepfe im Klaren sein. Guten Appetit!