+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 103 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 28.10.2020) +++
Home Praxis Waldbewohner oder Stubentiger?

Waldbewohner oder Stubentiger?

am
Freitag, 12.11.2010 - 04:09
© J. Borris

Ursprünglich war die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) im kontinentalen Europa von der Iberischen Halbinsel bis etwa zur Dneper-Niederung und zum Baltikum im Osten verbreitet und im Norden bis Schottland.
In Deutschland überlebte die Wildkatze an verschiedenen Stellen. Aktuell scheint sich die Population sogar auszubreiten, bzw. es gelingen mehr und mehr Nachweise, dass Wildkatzen in für sie geeignet erscheinenden Habitaten auch tatsächlich vorkommen (Ein großer Bericht dazu findet sich in PIRSCH 22/2010, Erscheinungstag: 17. November).
Es gibt einen östlichen und westlichen Schwerpunkt des Vorkommens, wobei die westliche Population mit der in Frankreich und Belgien in Verbindung steht, sich aber genetisch etwas unterscheidet.
Der Nachweis von Wildkatzen in mehr und mehr Gebieten geht sicherlich auch auf die verstärkten Aktivitäten in allen Bundesländern zum Nachweis und dem Schutz der Art einher, das heißt es werden vermutlich auch schon länger existierende Vorkommen aufgespürt.
Für Jägerinnen und Jäger ergibt sich daraus verstärkt die Notwendigkeit, Wildkatzen als solche erkennen zu und sicher von ähnlichfarbenen Hauskatzen unterscheiden zu können. Hier die wichtigsten Merkmale:


Hauskatze
Wildkatze
Körperbau: Schlank, Läufe wirken lang und dünn
Fell: kürzere Haare
Fellfarbe: große Bandbreite der grau bis beige Färbung, wirkt glänzend

Fellmuster: am Körper kräftigere, klarere Musterung, meist mehr getigert
Gewicht: variabel, kann deutlich schwerer als 5 Kilogramm sein oder leichter, weniger starke jahreszeitliche Schwankung


Körperbau: gedrungener, plumper, Läufe wirken stämmiger und kürzer
Fell: längere Haare, seidig
Fellfarbe: gelblichgraues Fell, heller Kehlfleck scharf abgegrenzt – aber nicht immer vorhanden
Fellmuster: immer streifig gezeichnet, aber verwischt
Gewicht: im Durchschnitt 5 Kilogramm, starke jahreszeitliche Schwankung



Kopf: Schädel zarter und langgestreckter, schmalerer Fang, Nasenspiegel oft dunkel, Gehöre wirken größer
Nackenzeichnung: wenn dunkle Streifen vorhanden, verschwimmen diese eher

Stimme: heller und höher

Kopf: wuchtiger Schädel und größerer Fang, Nasenspiegel hell, Gehöre wirken kürzer

Nackenzeichnung: am Hinterkopf und Nacken deutlich abgesetzte 4-5 dunkle Streifen

Stimme: dunkler und tiefer

Aalstrich: wenn vorhanden, zieht sich der Aalstrich meist auf den Schwanz, zum Teil bis zur Schwanzwurzel

Schwanzform: Schwanz kürzer, spitzendig, wirkt dünner, da kürzere Haare
Schwanzmusterung: große Bandbreite der Musterung, wenn geringelt, dann ist Musterung oft verwischt, höchstens Schwanzspitze dunkel und ein dunkler Ring deutlich abgesetzt, Färbung eher silbergrau statt schwarz


Aalstrich: endet meist scharf an der Schwarzwurzel, nie bis zur Schwanzspitze
Schwanzform: Schwanz hat mindestens halbe Körperlänge, stumpfendig, buschig behaart

Schwanzmusterung: mindestens 3 dunkle Ringe, scharf abgegrenzt von hellen Ringen, schwarze Schwanzspitze




<br>Literatur zum Thema Wildkatze:

  • BIRÓ, Zs., LANSZKI, J., SZEMETHY, L., HELTAI, M. & E. RANDI (2005): Feeding habits of feral domestic cats (Felis catus), wild cats (Felis silvestris) and their hybrids: trophic niche overlap among cat groups in Hungary. - Journal of Zoology 266, 187-196.
  • BOBACK, A. W. (1964): Achtung Wildkatzen! - Unsere Jagd 14, 154-156.
  • Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.; 2009): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Bd. 1: Wirbeltiere. - Naturschutz H. 70 (1) u. Biol. Vielfalt - Bonn-Bad Godesberg.
  • BÜTTNER, K. (1991): Zwischenbilanz der Wiedereinbürgerung der europäischen Wildkatze in Bayern anhand der Auswertung von Fragebögen über Sichtbeobachtungen und Totfunde in den Ansiedlungsgebieten. - Wiesenfelder Reihe 8, 70-88.
  • BÜTTNER, K. (1991): Katzenjammer vorbei? Bilanz des Wiederansiedlungsprojetes Wildkatze in Nordbayern. - Nationalpark 4/1994, 17-21.
  • ECKERT, I., SUCHENTRUNK, F., MARKOV, G., & G. B. HARTEL (2010): Genetic diversity and integrity of German wildcat (Felis silvestris) populations as revealed by microsatellites, allozymes, and mitochondrial DNA sequences. - Mammalian Biology 75, 160-174.
  • FROBEL, K. & J. THEIN (2006): Die Wildkatze in Bayern: Stand und Ausblick. - NAH Akademie-Bereichte 5 Kleine Katzen - Große Räume, 109-114.
  • GERMAIN, E. (2007): Approche éco-éthologique de l’hybridation entre le Chat forestier d’Europe (Felis silvestris silvestris Schreber 1777) et le Chat domestique (Felis catus L.). Dissertation Univ. Raimes Cahmagne-Ardenne.
  • GÖTZ, M. & M. ROTH (2006): Reproduktion und Jugendentwicklung von Wildkatzen Felis silvestris silvestris im Biosphärenreservat „Karstlandschaft Südharz“ - eine Projektvorstellung. - NAH Akademie-Berichte 5, 91-99.
  • GÖTZ, M. & M. ROTH (2007): Verbreitung der Wildkatze (Felis s. silvestris) in Sachsen Anhalt und ihre Aktionsräume im Südharz. - Beiträge Jagd- u Wildforschung 32, 437-447.
  • GÖTZ, M., JEROSCH, S. & M. ROTH (2009): Reproductive parameters of European Wildcat and the importance of dead wood structures. - Mammalian Biology, Special Issue to Volume 74, Abstracts.
  • HALTENORTH, T. (1957): Die Wildkatze. - Neue Brehm Büch. 189. Wittenberg Lutherstadt.
  • HERTWIG, S.T., SCHWEIZER, M., STEPANOW, S. JUNGNICKEL, A., BÖHLE, U.-R., M. S. FISCHER (2009): Regionally high rates of hybridization and introgression in German wildcat populations (Felis silvestris, Carnivora, Felidae). - J. Zool. Syst. Evol. Res. 47: 283-297.
  • HÖTZEL, M., KLAR, N., SCHRÖDER, S., STEFFEN, C. & C. THIEL (2007): Die Wildkatze in der Eifel - Habitate, Ressourcen, Streifgebiete. - Ökologie der Säugetiere Bd. 5.
  • LEYHAUSEN, P. (1988): Katzen. - In: Grizmeks Enzyklopädie Säugetiere. Bd. 3, 580-636. (Wildkatze 619-620, 634-653) München.
  • MALO, A., LOZANO, J., HUERTAS, D. L. & VIRGÓS, E. (2004): A change of diet from rodents to rabbits (Oryctolagus cuniculus). Is the wildcat (Felis silvestris) a specialist predator? - J- Zool. Lond. 263, 401-407.
  • MEINIG, H. (2002): Erste Ergebnisse von Mageninhaltesanalysen bei 8 Wildkatzen (Felis silvestris) aus West-Deutschland mit Hinweisen zur Artbestimmung. - Säugetierkundliche Informationen 5(26), 211-217.
  • MÖLICH, T. & S. KLAUS unter Mitarbeit von A. NÖLLERT (2003): Die Wildkatze in Thüringen. - Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen 40(4), 109-135.
  • PIECHOCKI, R. (1990): Die Wildkatze Felis silvestris. - Neue Brehm Bücherei A. Ziemsen Verlag, Wittenberg, 232 S.
  • RAIMER, F. (1994): Die aktuelle Situation der Wildkatze in Deutschland. - Wiesenfelder Reihe 13, 15-39.
  • SLÁDEK, J. (1973a): Jahreszeitliche und jahresbedingte Veränderungen der Nahrung der Wildkatze (Felis silvestris, Schreber 1777) in den Westkarpaten. - Zool. Listy 22, 127-144.
  • SLÁDEK, J. (1973b): Beitrag zur Kenntnis der Ernährung der Wildkatze (Felis silvestris Schreber 1777) in den Westkarpaten. - Lynx (N. S.) 14, 38-53.
  • STEFEN, C. & GÖRNER, M. (2009): Wildkatze in Deutschland und Mitteleuropa - zum Stand der Forschung und Konsequenzen für den Schutz. Säugetierkundliche Informationen 7(38), 1-216.
  • STUBBE, M. & A. STUBBE (2001): Wiederbesiedlung des nördlichen Harzvorlandes durch die Wildkatze. - Beiträge zur Jagd- und Wildforschung 26, 179-180.
  • WITTMER, H. U. (2001): Home range size, movements, and habitat utilization of three male European wildcats (Felis silvestris Schreber, 1777) in Saarland and Rheinland-Pfalz (Germany). - Zeitschrift für Säugetierkunde 66, 365-370.