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Waffenrecht: Das müssen Sie zum Waffen erben und vererben wissen

Phil Kahrs © Phil Kahrs
Phil Kahrs
am
Mittwoch, 30.03.2022 - 16:06
Flinte-Waffen-erben © ©Severin Maksim - stock.adobe.com

Was muss nach dem Tod eines Waffenbesitzers unmittelbar gemacht werden?

Andreas Alfred Brandt: Wer nach dem Tod eines Waffenbesitzers Waffen oder Munition in seinen Besitz nimmt, muss dies der zuständigen Behörde unverzüglich anzeigen. Diese Verpflichtung gilt unabhängig davon, ob der Inhaber der tatsächlichen Gewalt über die Waffen und Munition Erbe oder Vermächtnisnehmer geworden ist oder nicht. Die Meldepflicht kann schriftlich, per E-Mail oder auch telefonisch gegenüber der Behörde erledigt werden.

Wie können Waffen im Todesfall weitergegeben werden?

Andreas Alfred Brandt: Beim Tod einer berechtigten Person, also dem Inhaber einer Waffenbesitzkarte mit den dort eingetragenen Waffen, fällt das Eigentum an den Waffen in den Nachlaß und steht damit grundsätzlich den gesetzlichen oder testamentarischen Erben zu. Wenn der verstorbene Waffeneigentümer testamentarisch hinsichtlich seiner Waffen ein Vermächtnis angeordnet hat, muss der Vermächtnisnehmer seinen Anspruch auf Übereignung der Waffen gegenüber dem Erben geltend machen und die Herausgabe verlangen.

Was ist zu tun, wenn ich zwar einen Jagdschein aber noch keine Waffenbesitzkarte besitze?

Andreas Alfred Brandt: Der gültige Jagdschein berechtigt zum Waffenerwerb auch durch eine Erbschaft oder ein Vermächtnis. Der Erwerb durch Erbschaft oder Vermächtnis ist wie auch nach einem Kauf gegenüber der zuständigen Behörde unverzüglich anzuzeigen und die erworbenen Waffen in eine gegebenenfalls neu auszustellende Waffenbesitzkarte einzutragen.

Welche Möglichkeiten bestehen, wenn ein Erbe weder einen gültigen Jagdschein noch eine entsprechende Waffenbesitzkarte hat?

Andreas Alfred Brandt: Der zuverlässige und persönlich geeignete Erbe eines verstorbenen Waffenbesitzers kann auch dann für sich eine Waffenbesitzkarte beantragen, wenn er, z.B. wegen eines fehlenden gültigen Jagdscheins, kein berechtigtes Bedürfnis für einen Waffenerwerb hat. Der Erbe hat in diesem Fall ein sogenanntes Erbenprivileg. Erforderlich ist dann der Einbau eines Blockiersystems in die Waffen. Diese werden dadurch zeitweilig unbrauchbar gemacht. Für Munition gilt das Erbenprivileg nicht.

Welche Vorschriften für die Lagerung der Waffen gelten in einem solchen Fall?

Andreas Alfred Brandt: Privilegiert ist ausschließlich der Erwerb der Waffen durch den Erben. Hinsichtlich der Aufbewahrung gelten dieselben strengen Vorschriften wie für andere berechtigte Waffenbesitzer.

Wer darf ein entsprechendes Blockiersystem einbauen?

Andreas Alfred Brandt: Büchsenmacher können sich von den verschiedenen Herstellern der Blockiersysteme zum Einbau lizensieren lassen.

Kosten für Blockiersystem

Welche Kosten kommen hier auf den privilegierten Erben zu?

Andreas Alfred Brandt: Die Kosten für den Einbau eines Blockiersystems belaufen sich derzeit auf ca. 300 € pro Patronenlager. Der Einbau eines Blockiersystems in einem Drilling kann also schnell bis zu 1.000 € an Kosten verursachen.

Was passiert mit möglicherweise zugehöriger Munition?

Andreas Alfred Brandt: Ist der Erbe nicht zum Erwerb der Munition berechtigt, weil er z.B. keinen gültigen Jagdschei besitzt, muss die im Nachlaß vorgefundene Munition an berechtigte Personen oder bei der zuständigen Waffenbehörde abgeben werden.

Wie halte ich eine Überlassung an beispielsweise Freunde vertraglich fest?

Andreas Alfred Brandt: Die Überlassung von Waffen und Munition an Nichterben setzt deren Erwerbsberechtigung, beispielsweise durch einen gültigen Jagdschein, voraus. Dabei ist unerheblich, ob die Waffen verkauft oder verschenkt werden. Die Überlassung sollte schriftlich festgehalten werden. Der waffenabgebende Erbe muss die Abgabe gegenüber der zuständigen Waffenbehörde melden und dort die Waffenbesitzkarte vorlegen. Der Erwerber muss die Waffen in seine Waffenbesitzkarte eintragen lassen.

Wie lange habe ich Zeit, um mich zu entscheiden und um diese Angelegenheit zu kümmern?

Andreas Alfred Brandt: Die eingangs angesprochene Meldepflicht ist unverzüglich zu erfüllen. Die Ausstellung einer Waffenbesitzkarte durch einen sonst nicht erwerbsberechtigten Erben muss binnen eines Monats nach Annahme der Erbschaft oder dem Ablauf der für die Ausschlagung der Erbschaft vorgesehenen Frist erfolgen. Bei Erben mit deutschem Wohnsitz beträgt diese sechs Wochen. Für einen Vermächtnisnehmer beginnt die Monatsfrist mit dem Erwerb der Schusswaffe.

Was mache ich, wenn ich die Waffen nicht erben möchte? 

Andreas Alfred Brandt: Neben einer Ausschlagung der gesamten Erbschaft kann der Erbe die im Nachlaß befindlichen Waffen ohne weiteres an berechtigte Erwerber abgeben. Neben einem Verkauf oder einem Verschenken an Freunde kommt auch eine Spende an die örtliche Kreisjägerschaft in Frage, z.B. verbunden mit der Auflage, die Waffen oder den Erlös aus dem Waffenverkauf für das jagdliche Schießen einzusetzen.

Erfahrenen Waffenbesitzer hinzuziehen

Wie geht man am besten bei einem Verkauf vor?

Andreas Alfred Brandt: Ist der Erbe nicht selbst sachkundig, empfiehlt es sich, regelmäßig einen erfahrenen Waffenbesitzer einzubeziehen. Das können beispielsweise Jagdfreunde des Verstorbenen sein. Möglicherweise können auch der Hegeringleiter oder der Kreisschießobmann Unterstützung leisten und dem Erben sowohl die Erledigung der Meldepflicht als auch die Abgabe der Waffen an berechtigte Personen abnehmen. Dafür sollte der örtlichen Jägerschaft zumindest ein Teil des zu erwartenden Kauferlöses als Aufwandsentschädigung überlassen werden, gegebenenfalls gegen Spendenquittung.

Wo erhalte ich weitere Informationen?

Andreas Alfred Brandt: Der DJV hat eine Informationsmappe herausgegeben, die von allen Mitgliedern seiner 15 Landesjagdverbände unter der E-Mail-Adresse erbschaft@jagdverband.de oder der Telefonnummer 030 209 13 94 45 angefordert werden kann. Außerdem können alle Mitglieder der deutschen Landesjagdverbände (mit Ausnahme des BJV) eine unentgeltliche telefonische Erstberatung unter 0 40 / 36 36 14 in Anspruch nehmen.

Das Gespräch führte Phil Kahrs


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