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Waffenrecht: 10 Fehler, um seinen Jagdschein und WBK zu verlieren

Sascha Numßen, Chefredakteur © dlv
Sascha Numßen
am
Freitag, 29.04.2022 - 12:44
Aufbewahrungskontrolle-Aufmacher-1 © Sascha Numßen
Die Ehefrau ohne Sachkunde (meine Frau Julia hat den Jagdschein!) präsentiert den Kontrolleuren der Waffenbehörde Schlüssel und Code zu den Tresoren. Die Folgen sind klar …

Legaler Waffenbesitz ist kein Privileg – zumindest ist das meine Meinung. Jeder, der alt genug ist, seine körperliche, geistige (und politische) Zuverlässigkeit sowie sein Bedürfnis samt Sachkunde nachweisen kann, darf mit entsprechender Versicherung und unter bestimmten Aufbewahrungsvorschriften Schusswaffen besitzen. 

Allerdings gibt es auch wirklich dämliche Fehler, die es zu vermeiden gilt. Hier unsere Top-10 an Verstößen, die unweigerlich zur Aberkennung der ­waffenrechtlichen Zuverlässigkeit und damit zum Widerruf der waffenrechtlichen Erlaubnisse führen. 

Dümmer als die Polizei erlaubt

Platz 1: Da war die Waffenbehörde so fair und kündigt den Besuch an, um eine verdachtsunabhängige Kontrolle der Waffenaufbewahrung durchzuführen. Der Waffenbesitzer ist dennoch außer Haus. Was macht die treusorgende Ehefrau beim Anblick der Ordnungsmacht? Sie präsentiert die Zahlenkombination und den Schlüssel zu den Waffenschränken. Sollte sie selbst keine Sachkunde z.B. in Form eines Jagdscheins haben, kann man sich in der Regel von Jagdschein und WBK verabschieden. Denn damit hat eine nichtsachkundige Person Zugriff auf Schusswaffen samt Munition. Das Gleiche gilt für den Fall, dass den Behördenvertretern schon der offen am Schlüsselbrett hängende Tresorschlüssel neben der Eingangstür ins Auge springt. Ein frei zugänglicher Tresorschlüssel ist Einladung für Kind und Kegel, sich den Tresorinhalt mal genauer anzuschauen, sobald der Jäger ein Mittagsstündchen hält. Alkoholisiert eine Aufbewahrungskontrolle durchzuführen, ist genauso eine Kamikaze-Aktion und kann zum gleichen Resultat führen. Hier sollte man die Gattin vorschicken und ausrichten lassen, dass man indis­poniert ist bei gleichzeitiger Vereinbarung eines neuen Besuchstermins.

Schlüssel zum Untergang: Blitzt am Schlüsselbrett der frei zugängliche Tresorschlüssel den Kontrolleur an, ist Ärger programmiert.

Platz 2: Ein anderes Risiko stellt die gefährlichste der sieben Todsünden dar: die Eitelkeit! Wer für die sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram & Co. mal eben seinem Sprössling die Jagdwaffe am erlegten Bock in die Hand drückt oder ihn mit Waffe posieren lässt und das Foto anschließend hochlädt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er unerfreuliche Post von seiner Waffenbehörde bekommt. Denn auch hier überlässt man einer nichtsachkundigen Person, dazu noch einem Kind, eine Waffe – egal ob jene geladen ist oder nicht!

Platz 3: Wer auf dem direkten Weg zur Jagd mit der entladenen (!) Kurzwaffe im Holster eine kleine Erledigung macht, der handelt zwar rechtens, spielt aber dennoch mit dem Verlust der Zuverlässigkeit, sollte er dabei per Handyvideo gefilmt werden. Denn er muss dann der Ordnungsmacht nachweisen, dass Pistole oder Revolver tatsächlich entladen waren. Auch wenn etwas erlaubt ist, sollte man es heutzutage nicht unbedingt ausreizen!

Gedankenlosigkeit ist eine schlechte Ausrede

Platz 4: Ähnlich ist es um die eigene Schusselligkeit bestellt. Oft entwickeln sich im Auto Mittelkonsole oder Handschuhfach zu einer Art Mülldeponie oder Resterampe. Alles, was man in den Taschen findet, landet erstmal dort. Sollte bei einer Fahrzeugkontrolle durch die Polizei so auch nur eine einzelne scharfe Patrone gefunden werden, sagt man seinen waffenrechtlichen Papieren am besten gleich „Lebewohl“. Ordnung ist wie so häufig das halbe Leben!

Ordnung ist das halbe Leben: Schon eine im Auto vergessene Patrone kann dafür sorgen, dass Sie sich ein anderes Hobby suchen müssen.

Platz 5: Einige haben es offensichtlich immer noch nicht begriffen: Waffe und Munition sind strikt zu trennen. Wer mit geladener oder auch nur unterladener Jagdwaffe seine Fahrt ins Revier antritt und erwischt wird, ist seinen Jagdschein und seine Waffen ebenfalls los. Denn a) missachtet er den Gesetzgeber, und b) hat eine geladene Waffe unter dem Aspekt der Unfallverhütung nun rein gar nichts im Auto zu suchen. So praktisch die Handspannersysteme auch für die „Pirelli-Pirsch“ sein mögen …

Platz 6: Eine völlig unterschätzte Gefahr sind Restbestände alter Kurzwaffen-Munition, wenn man die dazugehörige Waffe längst verkauft hat. In der WBK wird hinter der Kurzwaffe in der Spalte 7 die Munitionserwerbsberechtigung gestempelt. Für Langwaffenmunition ist das nicht erforderlich, denn die kann man über den gültigen Jagdschein erwerben und besitzen. Wenn man Pistole oder Revolver verkauft, sollte man die dazugehörige Munition mitgeben, sofern der Käufer Spalte 7 gestempelt hat. Denn findet sich Restmunition etwa bei einer Aufbewahrungskontrolle, besitzt man sie illegal mit den bekannten Folgen. Tipp: Besonders vorsichtigen Zeitgenossen sei empfohlen, sich auch die Spalte 7 bei Langwaffen abstempeln zu lassen. Hat man mehrere Büchsen etwa in .308 Win., reicht ein Stempel in Spalte 7. Das ist zwar ein weiterer Verwaltungsakt, der mich schon mal 15 € gekostet hat, doch wenn man aus gesundheitlichen Gründen den Jagdschein mal nicht löst, besitzt man so wenigstens alle Langwaffenmunition legal. Darüber hinaus immer den Jagdschein lösen!

Kein Schlaf der Gerechten

Platz 7: Eine Treib- oder Drückjagd endet häufig in einem gewaltigen ­Schüsseltreiben. Glück haben die, die in der Nähe wohnen. Frisch machen, Waffe daheim im Tresor einsperren, schon kann’s losgehen. Liegt die Waffe während des Schüsseltreibens offen im Auto und wird von der Besatzung eines Streifenwagens gesehen, ist Ärger programmiert. Ist die Waffe nicht sichtbar im Kofferraum eingeschlossen und wird trotzdem geklaut, wird man ebenfalls in Erklärungsnot kommen. Tipp: Am besten kommt das gute Stück mit in die Kneipe und wird vom Wirt in einem separaten Raum eingeschlossen, zu dem nur er Zugang hat. Clever ist der, der bei Kipplaufwaffen den Vorderschaft abnimmt oder bei Repetierern den Verschluss entnimmt. Denn damit sind sie unbrauchbar!

Platz 8: Alkohol ist während der Jagd tabu. Wer noch nach Hause fahren muss, hält sich beim Schüsseltreibens ebenfalls zurück. Denn dank eines uneinsichtigen Jägers, der nach einer Alkoholfahrt mit Waffen den Entzug des Jagdscheins nicht akzeptieren wollte und bis vors Oberverwaltungsgericht Münster geklagt hatte, gilt für die gesamte Bundesrepublik nun 0,0 Promille, wenn Waffen genutzt oder auch nur transportiert werden. Nicht mal ein 0,33er Pils, wenn man an der Jagdhütte mit den Freunden über den Anblick diskutiert.

Platz 9: Hat man es nach dem Schüsseltreiben heil nach Hause geschafft und muss seine nassen Klamotten und die Jagdwaffe trocknen, lauert die nächste Gefahr: Man schläft ein, und die Waffe liegt offen herum und könnte von einem Unkundigen benutzt bzw. missbraucht werden. Ein Fall, der genau das schildert, ging gerade durch die einschlägige Jagdpresse. Der Schläfer ist seine waffenrechtlichen Berechtigungen erstmal los.

Rohr frei: Schalldämpfer sind vom Recht her Waffen gleichgesetzt und müssen auch so verwahrt werden. Tage auf der Heizung stehen – nein!

Platz 10: Das Gleiche gilt für Schalldämpfer! Sie sind waffenrechtlich einer Schusswaffe gleichgesetzt, müssen folglich genauso verwahrt, transportiert und auch behandelt werden. Wer also meint, einen Schalldämpfer, der eigentlich nur eine ungefährliche „Black Box“ ist, zum Trocknen auf der Heizung über Tage stehen lassen zu können, den wird die Waffenbehörde, wenn sie es mitbekommt, eines Besseren belehren!

Fazit: Der Teufel steckt im Detail. Dumme Angewohnheiten, Unwissenheit und die eigene Schusseligkeit schützen vor Strafe nicht. Deshalb waffenrechtlich auf dem neuesten Stand sein, den Kopf einschalten und immer schön sauber bleiben!


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