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Vielseitigkeit als Trumpf

Raubkatzen fas­zinieren Karin Broszeit-Borchert ganz besonders, das gilt auch für den Puma.<br>(Foto: Karin Broszeit-Borchert)



Am Bodensee idyllisch gelegen ist der Wohnort Bonndorf der Wildtiermalerin Karin Broszeit-Borchert. Von den höchsten Erhebungen Bonndorfs, in der Nähe von Überlingen gelegen, öffnet ein ausgedehnter und weiter Blick auf den Bodensee die Gedanken und lässt immer wieder neue Ideen zu kunstvollen Ölgemälden werden. „Ich brauche die Ruhe und das Landleben hier“, sagt sie selbst, die seit 30 Jahren hier „an unserem See“, wie die Einheimischen das Schwäbische Meer gerne liebevoll bezeichnen, lebt und arbeitet. „Mit Öl male ich schon seit 40 Jahren“, erzählt sie gerne. Die Malerei liegt ihr sozusagen im Blut, schon ihre Mutter malte, und Paul Broszeit, ein bekannter ostpreußischer Landschafts­maler, war ihr Onkel. Anfangs füllten die Tiere, mit denen sie aufwuchs, ihre Skizzenblöcke, besonders Pferde. Kein Wunder, stellt sie für sich selbst fest: „Geritten bin ich wie der Deifel.“ Im jagdlichen Genre pflegte sie besonders mit Friedrich Reimann (Zeulenroda) und Fritz Laube, mit dem sie in Enschede ausstellte, Gedankenaustausch.
Während eines langen Aufenthalts in Afrika, insbesondere in Namibia, faszinierten sie die Motive afrikanischer Kulturen sowie die dortigen Menschen, die Landschaft und selbstverständlich die Tierwelt. „Da war ich ganz alleine und habe mit meinem Skizzenblock die Tiere aus nächster ­Nähe kennengelernt.“ Als der Verfasser die Künstlerin in ihrem Atelier am Bodensee besuchte, fiel ihm sofort ein Gemälde mit afrikanischem Großraubwild ins Auge; Löwe, Leopard und Gepard. Karin Broszeit-Borchert dazu: „Von den kräftigen, warmen Farben des Hintergrundes fühlen sich besonders jüngere Betrachter angezogen. Warum soll man nicht einmal darstellen, was es so in der Natur nie geben wird.“
Bei ihren Wanderungen in Süd- und Südwestafrika lernte sie auch die Ureinwohner kennen, was ihr künstlerisches Schaffen nachhaltig inspirierte. Ausgedehnte Studienreisen führten sie außerdem nach Nordamerika. Da malte sie unter anderem einen Indianer mit Büffel, Wolf und Weißwedelhirsch.
Eines ihrer Lieblingsmotive ist ein Puma: „Den male ich unheimlich gerne.“ Mit Freunden aus dem Lindauer Raum, die alle Jäger sind, geht sie häufig mit auf die Jagd. Daraus erwachte die Faszination, die heimische Tierwelt in das Bewusstsein des Betrachters zurückzurufen, die bei vielen unserer Zeitgenossen längst verloren gegangen scheint. Ansonsten entwickelt sie eine Vorliebe für brillante Farben und Details, Szenen und Stimmungen, die Tier und Landschaft als Einheit erscheinen lassen.
Alle Gemälde sind Unikate. „Das kriegt man nur einmal“, sagt die Malerin und ergänzt, ein zweites Mal wollte sie haargenau dasselbe Motiv gar nicht mehr malen. Warum sie überhaupt Tiere malt, beantwortet Karin Broszeit-Borchert ganz einfach: „Weil ich Tiere liebe.“
Ihre ganze Leidenschaft zur Malerei hat sie konsequent verfolgt. Die Gemälde von heimischen wie exotischen Wildtieren und Jagdszenen dienen immer wieder als Motive für Jagdkalender. Auch Titelbilder für Bücher hat sie bereits ge­staltet.
Auch die Außen- wie Innenwände von Jägerhäusern hat sie schon mit verschiedenartigen Tierszenen –ganz nach Kundenwunsch, doch aus eigener Inspiration heraus – geschmückt. Auch Landschaften und Biotope, etwa als Hintergrund für Dioramen weiß sie zu realisieren.
Durch ihre Tante Inge Kanapin, Züchterin des Deutschen Schäferhundes, hat sie die Liebe zu dieser Rasse entwickelt. Ein großes Schäferhundporträt ziert den Eingangsbereich des Hundevereins Kiel-Ellerbeck.
Ausstellungen in vielen Städten und Schlössern begleiteten Karin Broszeit-Borcherts künstlerische Karriere. Da gerät die Künstlerin fast schon ins Schwärmen, während sie sich an eine glamouröse Benefiz-­Ausstellung im Schloss Donau­eschingen erinnert. Gerne zeigt sie dann Fotos, auf denen sie gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Fürsten Joachim zu sehen ist – ein begeisterter und passionierter Jäger.
Gerade für diese Zielgruppe ergänzen kunstvoll gestaltete Schieß­scheiben das reichhaltige Repertoire. Beim Betrachten kommt einem unweigerlich der Gedanke, dass die Scheiben ­eigentlich viel zu schade sind, um darauf zu schießen. „Die werden genau wie ein Bild angefertigt. Der Balg eines Fuchses muss ganz genau stimmen. Das ist mein Ehrgeiz.“ Auch dreidimensional weiß sie ihre Eindrücke zu verewigen. Davon künden Bronzeskulpturen in ihrem Atelier: beispielsweise ein Elefantenbulle in misstrauischer Haltung oder etwa ein BGS, der einen Keiler stellt. Vielseitigkeit ist halt ihr Trumpf.