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Über die Wildschärfe

Eine ausreichende Wildschärfe ist bei allen Nachsuchenhunden – hier eine Brandlbracke – zwingend notwendig. (Foto: E. Marek)


Für eine große Mehrheit der deutschen Jagdgebrauchshundführer scheint die Wildschärfe ein absolutes „MUSS“ zu sein, ein Fehlen wird als schwerer Mangel bis hin zur jagdlichen Unbrauchbarkeit angesehen. Die Wildschärfe ist eine unverzichtbare Notwendigkeit bei jeder gerechten Nachsuchenarbeit auf Schalenwild! Da beißt keine Maus den ­Faden ab! Jeder zu einer solchen Nachsuche eingesetzte Jagdgebrauchshund muss von seinem Können und Wollen her in der Lage sein, die Fährte des kranken Stückes nicht nur am Riemen auszuarbeiten, sondern das aus dem letzten Wundbett fortflüchtende Stück auch laut zu hetzen, scharf zu stellen und gegebenenfalls auch niederzuziehen.
Die Schweißarbeit ist aber nicht das ausschließliche Maß aller jagdlichen Brauchbarkeit! Jagdgebrauchshunde, mit denen auch nachgesucht wird, müssen eine ausreichende Wildschärfe haben. Diese Nachsuchenhunde sollten aber nur und ausschließlich aus den Rassen rekrutiert werden, die alle Voraussetzungen für eine fachgerechte Nachsuchen­arbeit mitbringen. Das sind neben einer aus­reichenden, genetisch verankerten Wildschärfe auch:
  • Nasenqualität beziehungsweise entsprechender ­Gebrauch der Nase ­(Fährtenarbeiter, kein ­Hochwindsucher),
  • Drang zur Folge ­(Fährtewille),
  • Konzentrationsfähigkeit,
  • Beherrschen des ­„Rezepts des jagenden Hundes“ (Bogenschlagen),
  • Fährtelaute Hetze.
Aber es gibt ja noch andere jagdliche Einsatzbereiche, in denen Wildschärfe nicht zwingend gefragt ist: Pointer und Setter in ihrem ureigensten Element bei Suche und Vorstehen in der freien Feldflur, Retriever bei der Wasserarbeit und dem Verlorenbringen von Haar- und Federwild, Beagles beim selbstständen und freien Stöbern auf Hasen und Rehwild. Sind diese beispielhaft genannten Rassen in ihren rassetypischen jagdlichen Einsatzbereichen nicht auch „brauchbar“?
Wir sollten die Wildschärfe – und auch die Schweißarbeit – nicht zum alleinigen Kriterium aller jagdlichen Brauchbarkeit machen. Und ver­gessen wir nicht: Auch unter den „normalerweise“ wildscharfen Jagdgebrauchshunderassen gibt es etliche Vertreter, die eben über keine ausreichende Wildschärfe (wie sie für den Nachsucheneinsatz erforderlich wäre) verfügen.
Nur wenn wir unsere Jagdhundrassen so einsetzen, wie es ihrem jeweiligen rassetypischen Anlagenspektrum entspricht, dann jagen wir waidgerecht.