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Tollwut: Situation in Deutschland und weltweite Ausbreitung

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Kathrin Führes
am
Montag, 28.09.2020 - 11:50
Deutschland gilt mittlerweile als "tollwutfrei". © PhotographyByMK - stock.adobe.com
Deutschland gilt mittlerweile als "tollwutfrei".

Tollwut ist eine der ältesten viralen Zoonsen der Welt, also eine vom Tier auf den Menschen übertragbare Infektionskrankheit. Auch wenn es in Deutschland ruhig um das Thema Tollwut geworden ist, spielt die Infektionskrankheit, ausgelöst durch das Rabiesvirus, speziell in Afrika und Asien noch immer eine wichtige Rolle.

Wie viele Menschen sterben jährlich an Tollwut?

Nach Angaben der WHO sterben jährlich rund 59.000 Menschen an Tollwut, wobei von einer deutlich höheren Dunkelziffer, speziell in Afrika und Asien, ausgegangen wird. Viele Opfer sind Kinder unter 15 Jahren.

Wie ist die Situation in Deutschland?

Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) angibt, wurde in Deutschland im Februar 2006 das letzte Mal Tollwut bei einem Wildtier (außer Fledermäusen) nachgewiesen. Seit 2008 gilt Deutschland damit offiziell als „tollwutfrei“. Aber nicht nur Deutschland hat es geschafft, durch eine orale Immunisierung von Füchsen Tollwut bei Wild-und Haustiere erfolgreich strategisch zu bekämpfen.

Wie ist die Situation in anderen europäischen Ländern?

Auch viele andere europäische Länder (u.a. Italien, Österreich, Frankreich, die Niederlande, Belgien und Luxemburg) haben mittlerweile den Status „tollwutfrei“. In unter anderem Polen, der Slowakei aber auch Ungarn wurden in den letzten Jahren noch sporadisch Tollwutfälle gemeldet, so das RKI.

Welche Ausbreitungsformen der Tollwut gibt es?

Silvatische Tollwut: Die seuchenhafte Erkrankung wildlebender Fleischfresser wie Fuchs, Marderhund oder Dachs. Gefährdet sind auch Schalenwildarten wie Rehwild.

Urbane Tollwut: Die Erkrankung von Haustieren. Die Primärquelle können auch hier Wildtiere sein, jedoch sind Hauptträger vor allem Hunde und Katzen.

Fledermaustollwut: Für die überwiegende Anzahl von Lyssaviren stellen Fledermäuse das Reservoir dar. Laut des RKI gab es zuletzt im Jahr 2002 in Schottland einen Todesfall bei einem Menschen, welcher durch einen Fledermausbiss ausgelöst wurde. Lyssaviren haben allerdings ein eher begrenztes geographisches Vorkommen. In Nord- und Südamerika sind Fledermäuse ein Hauptreservoir für das Rabies Virus der klassischen Tollwut.

Welche Tierarten können an Tollwut erkranken?

Bei uns stellen für die „klassiche Tollwut“ Hund, Fuchs, Waschbär und Marderhund das natürliche Reservoir dar. Wobei vor allem der Rotfuchs in Europa für die Ausbreitung der Seuche verantwortlich ist. Es wurden aber auch schon Infektionen bei Dachsen, Mardern Rehen aber Rindern, Schafen, Ziegen, Pferden und Katzen festgestellt, so dass RKI.

Wie ist der Infektionsweg?

Nach der Infektion eines Tieres kommt es am Ende der Inkubationszeit zur Virusvermehrung im Zentralnervensystem. Von dort wird der Erreger dann gestreut und die Viren im Speichel ausgeschieden. Auf den Menschen werden die Viren in der Regel über einen Biss übertragen, eine Infektion über Hautverletzungen ist jedoch auch möglich. Bei Katzen kann besonders eine Gefahr durch Kratzverletzungen ausgehen, da diese durch Putzen ihre Krallen mit Speichel benetzen.

Die Viren können darüber hinaus in Harn, Kot oder im Blut vorhanden sein. Allerdings wäre auch hier der Kontakt mit einer frischen Hautwunde erforderlich, damit die Erreger eindringen können.

Füchse, Hunde und Katzen sind gewöhnlich schon drei bis zehn Tage vor Auftreten klinischer Symptome sowie während der gesamten Dauer der Erkrankung ansteckend.

Sind Kadaver infektiös?

Laut Dr. Odward Geisel können Tierkadaver, je nach Witterungsverhältnisse und der Außentemperatur, bis zu 90 Tage infektiös bleiben. Im Boden bis zu fünf Wochen. Je wärmer es ist, desto schneller werden sie inaktiv.

Was sind Tollwut-Symptome?

Als erste Erscheinung tritt bei Fleischfresser nach Dr. Odward Geisel ein Juckreiz auf. Dieser äußert sich zum Teil auch durch Belecken, Benagen oder Aufbeißen von vielleicht schon wieder verheilten Wunden. Im weiteren Verlauf werden drei Stadien unterschieden.

Anfangsstadium: Das auch als "Stille Wut" bezeichnete Stadium geht mit einem veränderten Benehmen einher. Wildtiere verlieren ihre Scheu vor Menschen oder auch Feinden. Zu dem ist auf großer Bewegungsdrang ebenso auffallend wie vermehrte Lichtscheue, Schluckbeschwerden, Speichelfluss sowie ein schlaff herabhängender Unterkiefer.

Erregungsstadium: Die "Rasende Wut", wie das Stadium auch bezeichnet wird, macht sich durch eine gesteigerte Unruhe, Aggressivität, Beißsucht sowie Appetitlosigkeit bei gesteigerter Fressgier (z.B. mit der Aufnahme von Fremdkörpern wie Steinen) bemerkbar.

Paralysestadium: Die Krankheit endet schließlich in einer schlaffen Lähmung der Gliedmaßen, Unterkiefermuskulatur, der Augenmuskulatur und letztlich der Atemmuskulatur, was zum Tod durch Ersticken führt. Tollwut endet immer tödlich.

Quelle: Robert-Koch-Institut, Friedrich-Löffler-Institut, Merkblatt zum Thema Tollwut von Dr. Odward Geisel

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