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Testkriterien für Zielfernrohre

Prüfung der Absehenverstellung. © Roland Zeitler

Kenndaten: Messungen hinsichtlich Feststellung der tatsächlichen Vergrößerung und des wirksamen Objektivdurchmessers (Eintrittspupillendurchmesser).

Sehfeld: Messung des tatsächlichen Sehfeldes (kleinste/ größte Vergrößerung). Die Prüflinge sind hier nicht direkt vergleichbar, da sie unterschiedliche Vergrößerungsbereiche aufweisen.

Augenabstand: Ermitteln des Augenabstands für geringste und höchste Vergrößerung mittels Randstrahlenmethode. Werte sollten sich größtmöglich überlappen. Es ergibt sich immer ein Variobereich, in dem die Augenpupille bewegt werden kann. Aus den Werten werden Durchschnittswerte rechnerisch gebildet.

Absehen-Verstellbereiche: Ermitteln maximaler Verstellbereiche für Höhe und Seite.

Wiederholgenauigkeit Absehenverstellung: Das Absehen wurde jeweils 10 Klicks in jede Richtung verstellt und danach wieder 10 Klicks zurückgestellt. Angegeben ist die Wiederholgenauigkeit auf 100 Meter. Der Test wurde an einem Kollimator mit angeschlossener Videokamera vorgenommen.

Visierlinienversatz: Bei Absehen in der 2. Bildebene wurde geprüft, wie weit sich die Treffpunktlage beim Vergrößerungswechsel von der höchsten zur geringsten Vergrößerung verändert.

Abdeckmaße Fadenkreuz/ Punkt: Die Abdeckmaße wurden gemessen. Bei Absehen in der 2. Bildebene ändern sich die Abdeckmaße mit der Vergrößerung.

Auflösung Bildmitte: Die Schärfeleistung in der Bildmitte wurde in Bogensekunden gemäß DIN-ISO 14490-7 festgestellt. Je geringer der Wert, desto kleinere/ feinere Details kann man erkennen.

Randschärfe: Ermittelt am „Siemensstern“ ohne Hilfsfernrohr.

Falschlicht: In der Praxis wurde geprüft, ob bei seitlichem Licht (Mond/ Sonne) helle Schleier, Halbmonde oder Abschattungen auftraten. Der Falschlichtanteil wurde in Prozent gemäß DIN-ISO 14490-6 mit der „Ulbricht-Kugel“ ermittelt. Der Falschlichtanteil sollte nicht über fünf Prozent liegen. Er fließt in den Gesamtbildeindruck ein.

Lichtdurchlass (Transmission): Für Tag- und Nachtsehen wurde die Lichttransmission in Prozent gemessen gemäß DIN-ISO 14490-5. Für jedes Zielfernrohr wurde die Lichttransmission über den gesamten sichtbaren Spektralbereich aufgezeichnet.

Farblängsfehler: Sie beeinträchtigen genauso wie andere Bildfehler (Koma, Astigmatismus, Kontrast) die Bildqualität und die Detailerkennbarkeit, vor allem unter schwierigen Lichtbedingungen. Die Farblängsfehler wurden immer mit zwölffacher bzw. höchster Vergrößerung (falls maximale Vergrößerung unter zwölffach) in Dioptrien gemessen. Je niedriger die Abweichung (der Wert), desto geringer der Farblängsfehler.

Kontrast: Ein sehr wichtiger Wert in Verbindung mit Lichttransmission und Bildfehlern. Nur bei hohem Kontrast ist auch unter schwierigen Lichtbedingungen sowie nachts bei geringstem Restlicht eine Detailerkennbarkeit gegeben. Etwa ob man gut Wild vor dunkler Dickung erkennt. Der Kontrast wurde deshalb mehrfach geprüft:

1) In der Praxis in der Dämmerung sowie bei Nacht mit seitlichem Mondlicht am abgeschatteten Kirrungsplatz.

2) Subjektive Kontrastermittlung am „Siemensstern“ bei höchster Vergrößerung mithilfe einer Kollimatorlinse (9,12 m Brennweite) und einem sechsfachen Hilfsfernrohr.

3) Mit MTF (Modulation Transfer Function) Methode nach DIN-ISO 9336-3. Hier wurde die Intensität von Punktbildern beurteilt. Als Wert wurde die Fläche unter MTF-Kurve im Verhältnis zum Beugungslimit angegeben. Bei der Ermittlung wird ein künstlicher Stern (Bildmitte monochromatisch 550 nm) über einen Parabolkollimator (farbfehlerfrei) auf einen Umlenkspiegel geleitet und geht danach durch das Zielfernrohr. Es entsteht ein Luftbild mittels Dekollimationslinse (= reelles Bild), das vergrößert auf eine CCD-Camera trifft und per Videoanlage sichtbar wird. Je höher die angegebenen Werte (einmal für maximalen Austrittspupillendurchmesser und einmal für 70 Prozent des Austrittspupillendurchmessers) desto besser. Je höher die Vergrößerung ist, desto aufwändiger ist es, eine hohe Kontrastleistung zu realisieren. Bei diesem Verfahren wurden von jedem Zielfernrohr Punktbilder (Punktverwaschung, Linien Spread Funktion) aufgenommen.

Schussfestigkeit: Sie wurde mit vier Schocks per Gummihammer quer zur optischen Achse ca. 200 g/1 ms (vorderer Mittelrohrbereich) geprüft, wie das in der Qualitätskontrolle üblich ist. Weiterhin wurde ein Schusstest (10 Schuss) mit der .340 Wby. Mag. (ca. 1800 G) durchgeführt. Ein erheblicher seitlicher Schlagtest, der den Fall eines Zielfernrohrs von einem niedrigen Hochsitz simuliert, wurde ebenfalls durchgeführt. Er übersteigt bei Weitem die Belastung des Zielfernrohrs, wie sie bei einem Schuss mit sehr starken Kalibern auftritt.

Dichtheit: 3-stündiges Wasserbad in 1 m Tiefe

Funktionstest: Bei -20 Grad Celsius

Praxis: Reviererfahrungen durch verschiedene Jäger. SYS