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Testbericht: Mauser 98

Bei modernen Systemen nach Mauser 98 - wie bei diesem von Gottfried Prechtl - wird bewusst auf das Daumenloch verzichtet. Foto: Roland Zeitler © Roland Zeitler

Bereits im Jahr 1898 wurde die Repetierbüchse Mauser 98 in Deutschland als Ordonanzwaffe angenommen. Konstruktionsgenie Paul Mauser entwickelte die Repetierbüchse bis zur Perfektion. Nach einigen Vorläufern wie den Modellen M 71, M 90, M 94 oder M 96 mündete seine Konstruktionsarbeit schließlich in den Mauser 98er, der - wie es scheint - eine zeitlose Erfindung wurde. Mauser 98er Büchsen gelten weltweit mit als die zuverlässigsten Repetierer. Laut Wikepedia ist die Gesamtzahl der gefertigten 98er Systeme bei 100 Millionen anzusiedeln und somit das meistgefertigte System der Welt.
Neben dem Standardsystem für die 8 x 57 IS und ähnliche Standardkaliber fertigte man auch verschiedene andere Systemgrößen. Weltberühmt wurde das Mauser 98-Magnumsystem für Großwildpatronen wie die .416 Rigby. Es erreichte unter Großwildjägern einen legendären Ruf. Englische Nobelfirmen wie Rigby, Jeffrey oder George Gibbs richteten es für ihre eigenen Großwildpatronen wie .416 Rigby, .500 Jefferey oder .505 Gibbs ein. Nach wie vor werden damit auch Waffen von Holland & Holland oder Westley Richards gebaut. Neben Standard- und Magnumsystem gab es auch ein Kurzsystem. Man brachte darin Patronen wie .250 Savage, 6,5 x 54 oder 8 x 51 unter. Es gab aber auch zahlreiche weitere Variationen wie das meist für Rigby gebaute Intermediate System für die .303 British: Es hat einen längeren Hülsenkopf und eine kürzere Kammer als das Standardsystem. Auch das sogenannte Mexican Mauser 98er System hat etwas andere Maße als ein Standardsystem.
Mauser fertigte ferner Waffen mit Single oder Double Square Bridges. Nach dem II. Weltkrieg wurden noch einige Systeme nach Art Mauser 98 gefertigt. Auch gab es zahlreiche Kopien in mehr oder weniger guter Ausführung. Die hohe Qualität der Vorkriegs-Mauser 98er - genannt seinen hier solche aus den Deutschen Waffen- und Munitionswerken (DWM) Berlin oder von Mauser in Oberdorf/ Neckar - erreichten diese Klone nie.
Oft wurden wesentliche Teile zugunsten einer preiswerteren Fertigung umkonstruiert. Merkmale des Mauser 98er wie den langen Auszieher weisen beispielsweise auch Repetierer wie Dakota 76, Winchester 70 Classic oder CZ 550 auf.
In jüngerer Zeit werden wieder klassische 98er Systeme mit modernen CNC-Fertigungsmethoden und hochwertigen Stählen in verschiedenen Größen, teils auch als Linkssystem und auf Wunsch mit verschiedenen seitlichen Drei-Stellungs-Schlagbolzensicherungen produziert. Ihrerseits kostenaufwendig, dienen sie als Grundlage für hochwertige Manufakturbüchsen. In PIRSCH 1/ 2012 (S. 56 - 59) wird so eine Kundenanfertigung von Gottfried Prechtl (www.prechtl-waffen.de) vorgestellt. RZ/SYS