Home Praxis Mit Terriern auf Füchse im Stroh

Mit Terriern auf Füchse im Stroh

In den Rundballenmieten ist eine gute Nase gefragt. © EM

In den Rundballenmieten ist eine gute Nase gefragt.


Regen bei vier Grad und ein strammer Westwind machen diesen Sonntag wie geschaffen für eine entspannte Jagd mit ein paar verrückten Freunden. Berufsjäger Paul Rößler hat noch sechs Mieten auf seinem Zettel, die er regelmäßig kontrolliert. Neben den Natur- und Kunstbauen werden diese gut isolierten Strohmieten sehr gerne vom Raubwild angenommen – nicht nur vom Fuchs. Auch Marder und Waschbären richten sich gerne in dieser Fünf-Sterne-Behausung ein. Denn dort ist es nicht nur schön warm, auch Mäuse lassen sich dort leicht fangen. Die Kontrolle lohnt sich meist erst ab Anfang Dezember. Vorher sind die Temperaturen noch zu mild.

Raubwildverrückte Freunde

Interessiert schaut der junge Terrier, ob sein Herrchen auch aufpasst. © EM

Interessiert schaut der junge Terrier, ob sein Herrchen auch aufpasst.


Weil sich die Mieten nicht alleine bejagen lassen, braucht man Freunde, die genauso raubwildverrückt sind und ihren Sonntag gerne für eine Fuchsjagd opfern. Kim und Katja haben Flinte und Terrier dabei und folgen Paul zu zwei nebeneinanderstehenden Strohmieten. Sie sind mit grünem Vlies abgedeckt, aber an den Seiten offen. „Wenn die Mieten ganz abgedeckt sind, kann zwar Raubwild rein, springt aber meist nicht“, erklärt Paul. Der Niedersachse hat heute seine beiden Parson-Russel-Terrier „Hanni“ und „Ace“ dabei; beides sehr erfahrene Raubwildjäger. Katja hat „Ida“ an der Leine, eine Tochter von „Hanni“. Die beiden Terrier „Hauke“ und „Karla“ von Kim sind noch jung und sollen von den erfahrenen Hunden lernen. Die weißen Hunde flitzen in die Lücken zwischen den Rundballen und durchstöbern die Gänge nach Raubwild. „Hanni“ ist die Erfahrenste. Wenn sie Interesse an einem Rundballenlager hat, können die Jäger davon ausgehen, dass Raubwild steckt. Da sie nun zu Paul kommt und sich schüttelt, gibt er den anderen beiden ein Zeichen, dass sie entladen können. Auf zur nächsten.

Bewohnter Kunstbau

Die Strecke nach drei Stunden Raubwildjagd kann sich sehen lassen. © EM

Die Strecke nach drei Stunden Raubwildjagd kann sich sehen lassen.


Auf dem Weg zu den nächsten Rundballen wollen die drei noch schnell ein paar Kunstbaue kontrollieren. Im ersten steckt nichts. Doch als Katjas „Ida“ in die Röhre des zweiten Baus einfährt, gibt sie sofort Laut. Giftig tönt es aus der Röhre. Angespannt, die Flinten im Voranschlag warten die Jäger darauf, dass der Fuchs springt. Doch nichts passiert. Zwei Minuten vergehen. Katja steht dem Kessel am nächsten. „Hier brummt es gewaltig. Klingt nicht wie ein Fuchs“, sagt sie. Kurzentschlossen holt Kim einen Spaten aus dem Auto und hebt den Betondeckel an. Tatsächlich stecken zwei dicke Waschbären im Bau. Schnell wird mit dem Spaten der Zugang verstellt, damit der Hund nicht in den Kessel kann. Paul zieht seinen .22 lfB-Revolver und gibt den beiden Kleinbären einen Fangschuss. Nun darf der junge Hund an seine Beute und sie etwas beuteln. Doch nicht zu sehr, denn die Bälge gehen an „Fellwechsel“.

Die erste Beute des Tages

Diese beiden feisten Waschbären steckten zusammen im Kunstbau. © EM

Diese beiden feisten Waschbären steckten zusammen im Kunstbau.


Die erste Beute des Tages zaubert ein Lächeln auf die Gesichter der drei Raubwildjäger. Zwei leere Kunstbaue später fahren sie an einem Bauernhof vorbei und parken am Rand eines Feldweges. Hinter der Kuhkoppel stehen vier Strohmieten. Teilweise sind sie bereits eingefallen. „Stellt euch schnell auf die andere Seite! Hier steckt was“, ruft Paul seinen Freunden zu und lädt seine Flinte. Die anderen Hunde folgen „Hannis“ Beispiel und flitzen durch die Gänge zwischen den Ballen. Durch den Wind und den Regen hören die Jäger so gut wie nichts. Kim gibt Paul per Handzeichen zu verstehen, dass er den Laut eines Hundes gehört hat. Das bedeutet, dass Raubwild drin steckt. Die Minuten vergehen. Nichts passiert, nichts ist zu hören.

Schnelle Rotröcke

Der zweite Fuchs springt bei Kim und Katja. Beide treffen den Rotrock. © EM

Der zweite Fuchs springt bei Kim und Katja. Beide treffen den Rotrock.


Plötzlich springt direkt vor Paul der Fuchs, dicht gefolgt von „Ace“. Es ist kein sicherer Schuss möglich, da der Fuchs eine Runde dreht und sofort wieder zwischen den Ballen verschwindet. Verdammt! Den Ärger darüber kann man Paul am Gesicht ablesen. Keine vier Minuten später springt der Fuchs erneut und diesmal richtig. Paul schießt und trifft. Der Schuss lockt alle Terrier aus der Miete. Gemeinsam beuteln sie den Rotrock. Doch auch dieser wird ihnen wieder abgenommen, bevor der Balg Schaden nimmt.

„Hanni“ und Tochter „Ida“ mit zwei gesprengten Füchsen. © EM

„Hanni“ und Tochter „Ida“ mit zwei gesprengten Füchsen.

Fuchs rettet Balg

Nun scheinen auch die jungen Hunde die Verknüpfung zwischen Fuchs und Rundballenmiete hergestellt zu haben. Sie folgen nämlich „Hanni“ schnurstracks wieder in die Gänge. „Da steckt noch ein zweiter drin“, ruft Paul Katja und Kim zu. Beide nicken und machen sich schussbereit. Jetzt dauert es länger, doch dann gibt Kim wieder ein Zeichen, dass er den Laut eines Hundes gehört hat. Kaum dass er die Hände an der Waffe hat, springt der zweite Fuchs und fällt in den Schroten von Katja und Kim. „Wo steckt eigentlich ,Hanni‘?“, fragt Paul. Beide zucken mit den Schultern. Paul lädt seine Flinte und dreht sich um. Kaum hat er sich auf die Suche gemacht, springt der dritte Rotrock und verschwindet in der Nachbarmiete. „Hanni“ zischt hinterher. Kaum ist Paul an der anderen Seite angekommen, springt der Fuchs erneut und flüchtet in langen Sätzen. Der hinterhergeworfene Schuss geht fehl. Doch Paul gibt noch nicht auf. Der Fuchs hat sein Heil in Richtung eines kleinen Feldgehölzes gesucht. „Komm! Dadrin liegen zwei Baue. Vielleicht ist der Fuchs dort rein“, ruft der erfahrene Berufsjäger den anderen zu und rennt los.

Waschbär statt Fuchs

Die drei Jäger machen sich auf den Weg zur nächsten Rundballenmiete. © EM

Die drei Jäger machen sich auf den Weg zur nächsten Rundballenmiete.


Mit seiner Terrierhündin „Hanni“ klappert er die Röhren der Naturbaue ab. Doch die Hündin steckt nur kurz ihre Nase hinein und sucht weiter. „Da vorn ist doch noch ein Kunstbau“, sagt Katja und macht sich auf den Weg. Ein paar Hundert Meter weiter verschwindet „Hanni“ sofort im Eingang und gibt Laut. Doch da ist wieder dieses Brummen zu hören. Kim nickt und setzt den Spaten an. Keine fünf Minuten später gibt er dem dritten Waschbären des Tages den Fangschuss. Zwar konnte der dritte Fuchs seinen Balg retten, doch so haben sie noch eine dicke „Fellmütze“ bekommen. Die drei sind mit der Tagesstrecke mehr als zufrieden. Auch wenn der gefehlte Fuchs noch ein paar Tage an Pauls Nerven nagen wird.


Eike Mross Der Redakteur der UNSERE JAGD stammt aus dem Grenzgebiet von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt an der Elbe. Er ist leidenschaftlicher Sauen- und Rehwildjäger. Weitere Interessen sind Wildbiologie sowie Bau- und Fallenjagd.
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