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Streitfrage NZG

Flcuh oder Segen: Was bringt uns die Nachtzieltechnik? Foto: J. Krüger/CST

Die Rechtsgrundlagen


Jagdrecht: Das Bundesjagdgesetz verbietet beim Erlegen von Wild die Verwendung von Nachtzielgeräten, die einen Bildwandler oder eine elektronische Verstärkung besitzen und für Schusswaffen bestimmt sind (§ 19 Abs. 1 Nr. 5 a BJagdG). Ein etwaiger Verstoß ist bußgeldbewehrt. Die Untere Jagdbehörde kann das Verbot des § 19 Abs. 1 Nr. 5 a BJagdG durch Einzelanordnung aus besonderen Gründen einschränken (Art. 29 Abs. 5 Satz 2 i.V. m. Art. 49 Abs. 1 und 2, Art. 52 Abs. 3 BayJG).

Waffenrecht: Nach dem Waffengesetz (§ 2 Abs. 3 i.V. m. Anlage 2 Abschnitt 1 Nr. 1.2.4.2. WaffG) ist der Umgang mit für Schusswaffen bestimmten Nachtsichtgeräten und Nachtzielgeräten mit Montagevorrichtung für Schusswaffen sowie Nachtsichtvorsätze und Nachtsichtaufsätze für Zielhilfsmittel (z.B. Zielfernrohr), sofern die Gegenstände einen Bildwandler oder elektronische Verstärkung besitzen, verboten. Der Verstoß ist ein Straftatbestand.
Die o.g. Waffen sind jedoch keine Kriegswaffen nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Die Zulassung von Ausnahmen vom Umgangsverbot allgemein oder für den Einzelfall durch das BKA ist nach § 40 Abs. 4 Satz 1 WaffG auf Antrag möglich.
JD


Ein ausführliches Interview mit BJV-Chef Prof. Vocke finden Sie hier.




Die Vor- und Nachteile

Pro

Contra

Erlaubt werden nur legal zu erwerbende Nachtsichtgeräte (Vorsatzgeräte), die mit einem Adapter vorne auf das Zielfernrohr gesteckt werden
Militärisches Gerät und nach Waffengesetz verbotener Gegenstand

Ausnahmegenehigung wird nur für die Schwarzwildbejagung erteilt

Illegale Verwendung auf weitere Wildarten

Nachtzieltechnik erlaubt ein besseres erkennen, ansprechen und damit eine sichere Schussabgabe. Daraus ergibt sich i.d.R. eine besser Trefferlage, was zu weniger Nachsuchen führt.
Nicht tierschutzgerecht

Nachtsichtoptik erlaubt das genaue Erkennen und Unterscheiden von Menschen, Wild, Haus- Nutztieren sowie des Umfeldes.

Erhöhte Gefährdung Dritter

Nachtjagd auf Schwarzwild (und Füchse) schon jetzt sehr intensiv.
Zusätzliche Störung der Nachtruhe des Wildes

Niemand kann gezwungen werden, Nachtsichtgeräte zu erwerben und den entsprechenden Antrag für eine Ausnahmegenehmigung zu stellen.
Landwirte können Jäger zur Nachtjagd "zwingen"


Argumente gegen Vorbehalte

Ein Zielfernrohr mit Vorsatzgerät: Letzteres ist frei verkäuflich. Foto: D. Stiefel


Vorwurf: Militärisches Gerät

Stimmt nicht, denn: Nur legale, bereits jetzt von Jägern zum Beobachten von Wild eingesetzte Nachtsichtgeräte sollen verwendet werden. Diese werden mit einem Adapter vorne auf das Zielfernrohr gesteckt (sog. Vorsatzgeräte). Solche Geräte können bereits jetzt von jedermann frei erworben werden.Nur ein „Zusammenstecken“ soll per Ausnahmeregelungen erlaubt werden. Originäre Nachtzielgeräte - von Haus aus verbotene Gegenstände - werden ausgeschlossen.

Befürchtung: Illegale Verwendung

Nicht zu befürchten, denn: Jäger werden bereits mit Lösen des Jagdscheins auf Zuverlässigkeit geprüft. Es ist daher davon auszugehen, dass die Jäger rechtskonform mit dieser Technik umgehen.Die Ausnahmeregelungen sollen ausschließlich für die Schwarzwildjagd gelten. Zudem ist, bis auf den Fuchs, die Nachtjagd auf alles andere Wild verboten.

Vorwurf: Nicht waid- und tierschutzgerecht

Stimmt nicht, denn: Wildschweine können mit NZG optimal erkannt und angesprochen werden (fast so perfekt wie am Tage).Nicht nur das Wildschwein, sondern die gesamte Umgebung kann besser beobachtet werden.Die Trefferlage der Schüsse ist deutlich besser. Dies sorgt für weniger Nachsuchen und vermeidet so unnötige Qualen des Wildes (Tierschutz).Saubere Schüsse garantieren eine optimale Wildbretverwertung.

Vorwurf: Erhöhte Gefährdung Dritter

Genau das Gegenteil ist der Fall: Nach aktuellen Erkenntnissen erhöht der jagdliche Einsatz von NZG die Sicherheit für Dritte (Beobachtung des Hintergrundes). Die Geräte erlauben das genaue Erkennen und Unterscheiden von Menschen, Wild-, Nutz- und Haustieren. Beeindruckende Darstellungen des Bayerischen LKA, insbesondere Bilderserien zur Wahrnehmung des Umfeldes bei Verwendung von Nachtzieltechnik belegen den enormen Sicherheitsgewinn (siehe unten im Kasten „Quellen“).

Vorwurf: Schadet dem Ansehen der Jagd

Stimmt nicht, denn: Die Schwarzwildproblematik betrifft zunehmend die breite Bevölkerung (Übergriffe auf Jogger und Passanten, Beeinträchtigung Straßen- und Bahnverkehr, Eindringen in Städte). Die Bürger erwarten von der Jagd, diese Probleme auch durch neue Methoden schnell in den Griff zu bekommen.

Vorwurf: Zusätzliche Störung der Nachtruhe von Wildtieren

Stimmt nicht, denn: Schon jetzt werden zwei Drittel der Wildschweine nachts erlegt und auch Füchse werden nachts bejagt.
JD


Schweizer Studie belegt Effizienz der Nachtjagd


Was spricht für den Einsatz von NZG? Beim Expertenhearing des StMELF konnte der Vertreter aus dem Kanton Thurgau, Dr. Hannes Geisser, an Hand amtlicher Zahlen über die Abschüsse und Abschussbedingungen im Zeitraum von 20 Jahren den Effekt beim Einsatz von Nachtzietechnik belegen (S. 249 ff des anl. Berichts zum Hearing). Demnach stiegen mit den Ausnahmebewilligungen für NZG die getätigten Abschüsse. Im Jagdjahr 2013/14 wurden mit NZG etwas über 30 Prozent der Gesamtstrecke erzielt. Geisser zieht nach Abwägung aller Faktoren der Schwarzwildjagd in der Zusammenfassung die Schlussfolgerung, dass es aufgrund der geringen Tagesaktivität der Wildschweine unwahrscheinlich ist, dass alle Abschüsse mittels NZG mit Abschüssen bei Tage bzw. bei guten Mondbedingungen hätten kompensiert werden können. Dies bedeutet, dass durch den Einsatz von NZG mehr Wildschweine erlegt werden konnten.
Zu der gelegentlich zitierten Studie aus dem Kanton Aargau ist zu bemerken, dass sich die Einschätzung lediglich auf vier Schadensschwerpunktgebiete, in denen zwei Waffensysteme zum Einsatz kamen, bezogen. Statistisch abgesicherte Daten konnten nicht erhoben bzw. aufbereitet werden. Auch bei weiteren Recherchen wie zum Beispiel in USA, Australien, Tschechien etc. finden sich entsprechende Einschätzungen zum Einsatz von NZG bei der Schwarzwildjagd.
JD

Quellen: