Home Praxis Zur Strecke gelegt: Ein Blick auf das Jagdjahr 2010/11

Zur Strecke gelegt: Ein Blick auf das Jagdjahr 2010/11

Sauen-Strecke wird versorgt © Naturfoto Schilling

Bundesjagdgesetz und Länderjagdgesetze stellen zwei gleichrangige Forderungen an die Jägerschaft: Anpassung der Wildbestände an die Landeskultur und Schaffung bzw. Erhaltung gesunder Wildbestände. Das bedeutet für die zu erzielenden Jagdstrecken, Quantität und Qualität müssen stimmen, damit die verbleibende lebende Population zahlenmäßig an die landeskulturellen Verhältnisse angepasst und möglichst naturnah gegliedert ist. Hinsichtlich der Qualität lassen sich aus einer nackten Streckenzahl keine Schlüsse ziehen. Es geht also hier zunächst nur um Quantität, also um die Menge erlegten Wildes. Man sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass erst die Auswertung von nach Alter und Geschlecht gegliederten Streckenzahlen Grundlage einer vernünftigen Wildbewirtschaftung darstellt. Eine kurze Zusammenfassung der Auswertung der Streckenzahlen des Jagdjahres 2010/11 könnte lauten: „Es gibt keine aufregenden Besonderheiten. Alles ist normal.“ So einfach sollte man es sich aber nicht machen.

Eine Übersicht der Jahresstrecken 2011 und deren Veränderung gegenüber den Jahren 2009 und 2010. [PDF, ca. 100 kb]


<b>Schalenwild dominiert</b><p>

Zunächst fällt auf, wir befinden uns weiterhin auf dem Weg zu überwiegend auf Schalenwild ausgerichteten Revieren. Die Strecken von Hase, Fasan, und Rebhuhn gehen weiter zurück. Und dies besonders in den klassischen Niederwildländern wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In großen Flächenländern wie Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern spielen Hase und Co. jagdlich ohnehin keine Rolle mehr. Dort gilt die ganze Aufmerksamkeit, der Not gehorchend, vor allem dem Schalenwild und da besonders den Sauen. Der Wildschadensdruck ist dort und in anderen Ländern so hoch, dass Fuchs und Hase im Zweifel nicht erlegt werden, weil ja noch die Sauen kommen könnten. Womit wir beim „Problemwild Nr. 1“ wären, dem Schwarzwild.

<b>Sauen ohne Ende?</b><p>

© Erich Marek

Schaut man sich die Streckenentwicklung der Schwarzkittel im Lauf der letzten Jahrzehnte an, so ist ein stetiger Aufwärtstrend unübersehbar. Bekanntermaßen spielen dabei klimatische Veränderungen und damit einhergehend meist sehr geringe Frischlingssterblichkeit und die Veränderungen in der Landwirtschaft, Stichwort Schlaraffenland, eine große Rolle. Man sollte allerdings die zunehmende „Vermaisung“ unserer Agrarlandschaft nicht ungeprüft als Hauptursache des Bestandesanstiegs bei Sauen verantwortlich machen. In Hessen und in Rheinland-Pfalz spielt Mais im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen eher eine untergeordnete Rolle. Dennoch sind gerade in beiden erstgenannten Bundesländern die Sauenstrecken in den letzten Jahren enorm angestiegen. Eine wichtige Rolle spielen sicher auch die in immer kürzeren Abständen zu beobachtenden Vollmasten im Wald. Einerseits wird den Sauen dadurch Fraß ohne Ende geliefert und andererseits fällt das Ergebnis der Kirrjagd in Mastjahren eher mager aus.

<b>Verantwortung der Grünen Zunft</b><p>

Wir Jäger haben allerdings in Sachen Schwarzkittel auch keine ganz reine Weste. Offenbar schaffen wir es in den meisten Jahren nicht, zumindest den Zuwachs, der so um die 300% des Frühjahrsbestandes betragen dürfte, abzuschöpfen. Außerdem erlegen wir ausgerechnet bei der Schalenwildart mit der höchsten und flexibelsten Reproduktionsrate stets mehr männliches als weibliches Wild. Und wenn heutzutage bereits ein Großteil der Frischlinge geschlechtsreif wird und über 50% der Frischlingsbachen beschlagen werden oder bereits als Frischlinge frischen, dann ist klar, wo der jagdliche Schwerpunkt gesetzt werden muss. Die Fachleute sagen uns, erst wenn wir nachhaltig 80% der Frischlinge eines Jahrgangs strecken, ist ein langsamer Rückgang des Bestandes zu erwarten. Davon sind wir meist weit entfernt.

<b>Sauen weiter scharf bejagen!</b><p>

Die von Jahr zu Jahr zu beobachtenden, teilweise starken Schwankungen der Sauenstrecke sind einer Reihe von Ursachen geschuldet, die man oft nicht genau benennen kann. Da spielt der Wechsel von Jahren mit mehr oder weniger starker Waldmast ebenso eine Rolle wie die Witterung. Eine schlechte Mondphase hat bundesweit sicher einen erheblichen Streckenrückgang zur Folge, der sich im hohen 2-stelligen Tausenderbereich bewegen dürfte. Ein kalter Winter wie 2005/06 hatte im darauffolgenden Jahr wegen der hohen Frischlingsverluste einen regelrechten Streckeneinbruch zur Folge. Landauf landab war damals das Klagelied zu hören: „Wir haben keine Sauen mehr, wir haben zu stark eingegriffen“. Und nur zwei Jahr später gab es dann einen neuen Streckenrekord mit fast 650 000 Sauen. Im Jagdjahr 2010/11 ist die Strecke wieder um fast 140 000 Stück gegenüber dem Vorjahr (439.906 Stück) angewachsen. Die Leute, die im letzten Jahr den Streckenrückgang als Bestandesreduktion interpretiert und die Jäger dafür gelobt hatten, lagen also erwartungsgemäß falsch. Nach wie vor muss die Parole lauten, Sauen bei jeder sich bietenden Gelegenheit scharf zu bejagen und schon früh bei den gestreiften Frischlingen anzufangen. Selbstverständlich fällt es dem Revierinhaber, bei dem die Sauen stark abgenommen haben, recht schwer, intensiv weiter zu jagen. Einmal ist es schwieriger, die wenigen Sauen erfolgreich zu bejagen und zweitens wird eben dann sozusagen instinktiv geschont, wenn man meint, keine Sauen mehr zu haben. Der Blick auf die hier gezeigte Gesamtstrecke aber und die Verantwortung jedes einzelnen Weidmannes für das Ganze sollten aber doch die Notwendigkeit weiterer scharfer Sauenbejagung deutlich machen.

<b>Stiefkind Rotwild?</b><p>

Bei Rot- und Damwild haben sich die Strecken auf Bundesniveau nur unwesentlich verändert. Auffällig ist hier allerdings eine extrem ungleichmäßige Verteilung. Während zum Beispiel in Brandenburg mit etwas über 2,9 Mio ha Jagdfläche knapp 9.000 Stück Rotwild erlegt wurden, beträgt die Rotwildstrecke in Bayern mit mehr als doppelt so großer Jagdfläche (ca. 6,7 Mio ha) „nur“ etwa 11.000 Stück. Ein Extrem besonderer Art stellt Baden-Württemberg dar. Dort wurden 2010/11 auf etwas über 3,2 Mio ha Jagdfläche 1.620 Stück Rotwild erlegt. Obwohl genetische Verinselung im Zusammenhang mit extremer Lebensraumbeschränkung in aller Munde ist, wird unser größtes einheimisches Säugetier in vielen Bundesländern immer noch in sog. Einstandsgebieten eingesperrt, die auf die Lebensraumansprüche dieser Wildart oft keine Rücksicht nehmen. Und Baden-Württemberg ist hier in einer beschämenden Vorreiterrolle. Offenbar wird dort, wie übrigens an vielen anderen Stellen, die Forderung nach Anpassung der Wildbestände an die Landeskultur überbewertet, während diejenige nach gesunden Wildbeständen, zumindest was das Rotwild angeht, gleichermaßen vernachlässigt wird.

<b>Damwild im Osten und Norden stark</b><p>

Verbreitungsschwerpunkte des Damwildes sind nach wie vor die nördlichen und östlichen Bundesländer. Brandenburg ist mit einer Strecke von 13.672 Stück Spitzenreiter, gefolgt von Niedersachsen (13.040 Stück), Mecklenburg-Vorpommern (11.223 Stück) und Schleswig-Holstein (9.498 Stück). Trotz der im Vergleich zum Reh- oder Schwarzwild geringen Bestände und Streckenzahlen können örtliche Konzentrationen, z. B. auf landwirtschaftlichen Kulturen, auch beim Damwild zu erheblichen Schäden in der Landwirtschaft führen. In Wolfsgebieten sind gelegentlich sog. „Angstrudel“ von weit über 100 Stück zu beobachten. Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben durch die Einführung einer gemeinsamen Hege- und Bejagungsrichtlinie vor 10 Jahren versucht, lokal auftretende zu hohe Bestände von Dam- und Rotwild in den Griff zu bekommen. Die liberalen Vorgaben zur Bejagung haben auch tatsächlich dazu geführt, dass die bis etwa 2002 zu beobachtenden rasanten Streckenanstiege abgebremst wurden, Bestände also tatsächlich auf einem Niveau gehalten wurden. Es bleibt aber immer zu bedenken, Bestände lassen sich nicht ohne weiteres aus Strecken ableiten. Wenn aber Strecken bei vermutlich gleicher Bejagungsintensität kontinuierlich steigen, dann müssen auch die Bestände gestiegen sein. Der umgekehrte Schluss ist allerdings nicht zulässig. Bei Bejagungsverzicht, aus welchen Gründen auch immer, sinkt die Strecke naturgemäß, ohne dass daraus auf Bestände oder Besätze geschlossen werden kann.

<b>Rehwild allerorten</b><p>

Häufigste und flächendeckend verbreitete Schalenwildart bleibt das Rehwild mit einer Jahresstrecke 2010/11 von fast 1,4 Mio Stück. Eine der Ursachen ist darin zu suchen, dass Rehwild extremer Kulturfolger ist und sich rasch und erfolgreich an unterschiedlichste Lebensraumsituationen anpassen kann. Der Streckenrückgang gegenüber dem Vorjahr von etwas über 14.000 Stück ist unbedeutend und liegt im Rahmen der jährlichen Schwankungen. Es entspricht also weder der Wahrheit noch ist es hilfreich, wenn unterschiedliche Jägerfraktionen sich gegenseitig vorwerfen, das Rehwild ausrotten zu wollen. Wenn im Zuge des aus unterschiedlichen Gründen gerade in Mode gekommenen Waldumbaus lokal Rehwildpopulationen extrem ausgedünnt werden, dann braucht sich darüber eigentlich niemand aufzuregen. Bei nachlassender Jagdintensität werden sich die Bestände rasch erholen. Das gleiche wird übrigens der Fall sein, wenn der Erfolg des geringeren Rehwildbestandes, nämlich eine dichte Bodenvegetation, da ist. Dann sieht man die Rehe nämlich kaum noch und die Bejagung wird sehr schwierig und zeitaufwendig.

<b>Streckenzahlen sind nicht alles</b><p>

Die hier vorliegende Zahl erlegter Rehe, dokumentiert den mehr oder weniger gelungenen Versuch, Rehwildbestände an die Landeskultur anzupassen. Über das Geschlechterverhältnis im Abschuss lässt sich nichts aussagen. Das wäre aber sehr wichtig, wollte den zweiten gesetzlichen Auftrag, Schaffung bzw. Erhaltung gesunder Wildbestände, näher beleuchten. Und gerade in diesem Punkt kann man zur Zeit zwei Extrempositionen beobachten. In vielen Revieren gewinnt man den Eindruck, dass der Abschuss weiblichen Rehwildes vernachlässigt wird. Motto: „Ricken bringen die Kitze, die schieß ich doch nicht tot.“ Da sieht man dann in einem Wintersprung leicht 30 und mehr weibliche Rehe und nur eine handvoll Böcke dabei. Das andere Extrem sind die Versuche, die Jagdzeit für Böcke bis zum 31. Januar zu verlängern, damit in der Drückjagdsaison wahllos jedes Reh erlegt werden kann. Dies führt dazu, – in Brandenburg gibt es dazu bereits konkrete veröffentlichte Zahlen und in Thüringen Einschätzungen der Beteiligten - dass mehr Böcke als vorher, eigentlich logisch, aber auch weniger weibliche Rehe erlegt werden. Langfristig ist beides kontraproduktiv, da das Abschussgeschlechterverhältnis nicht stimmt und damit ein Anwachsen der Population vorbestimmt ist.

<b>Unfallzahlen zu hoch</b><p>

Bei Wildunfällen sind Reh- und Schwarzwild naturgemäß am häufigsten beteiligt. Die Unfallwild-Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr. Auch ist deren Erfassung in den einzelnen Landkreisen und Bundesländern auf unterschiedlichem Niveau. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man über die Polizeistatistik mancher Landkreise lachen. Da gibt es z. B. große Rehe (Rot-und Damwild) und kleine Rehe (Rehwild). Neben den vielfältigen Warn- und Abschreckvorrichtungen zur Vermeidung von Wildunfällen, die allesamt unterstützenswert sind, sollte sich aber bei den Revierinhabern auch herumsprechen, dass Bejagungsschwerpunkte an unfallträchtigen Straßenabschnitten ein sehr gutes Mittel sind, Unfälle zu vermindern. Die Antwort auf viele Wildunfälle auf der Straße sollte also nicht sein, deswegen den Abschussplan abzusenken, weil „alles überfahren wird“. Die Antwort muss lauten, so viel wie möglich rechts und links von der Straße zu erlegen.

<b>Boviden jagdlich eher unbedeutend</b><p>

Muffel-, Gams- und Sikawild, das selbstverständlich nicht zu den Boviden gehört, haben in dieser Reihenfolge nur geringe und lokal begrenzte jagdwirtschaftliche Bedeutung. Obwohl in Bundesländern mit erwähnenswerten Muffelbeständen Wolf (Sachsen, Brandenburg) und Luchs (Sachsen-Anhalt) Einfluss auf das dortige Muffelwild nehmen und lokal bereits zum Erlöschen kleinerer Populationen geführt haben, lässt sich dies an den Strecken nicht so deutlich ablesen. In Sachsen ist die Muffelstrecke z. B. gegenüber dem Vorjahr leicht angestiegen. Man muss sich allerdings voreiliger Schlüsse enthalten. Hier kann auch die Überlegung „lasst uns das Muffelwild noch schnell erlegen, bevor der Wolf alles gefressen hat“ eine Rolle spielen. In Sachsen-Anhalt ist ein deutlicher Streckenrückgang zu verzeichnen (17 %), was wohl vor allem den Harzluchsen geschuldet sein dürfte.
Die Gamsstrecke ist mit knapp 4.500 Stück nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr. 9% der Strecke werden in Baden-Württemberg erzielt, 91% in Bayern. In Sachsen soll es durchaus noch die eine oder andere Gams geben, allerdings ist seit über 20 Jahren kein Gamsabschuss aus Sachsen aktenkundig.

<b>Hase und Co. sind Opfer der Intensivierung der Landwirtschaft</b><p>

© Erich Marek

Hase

Von den 1980er bis zum Ende der 1990er Jahren ist die Hasenstrecke in Deutschland beängstigend gesunken. Sie hatte um 2004 herum mit über 550.00 Stück wieder ein passables Niveau erreicht, ist aber bis zum letzten Jahr mit gut 367.000 Stück wieder stark abgesunken. Die Gründe dafür sind sicher vielfältig.
Man liegt aber wohl nicht ganz falsch, wenn man den Veränderungen in unserer Agrarlandschaft und der Vernachlässigung der Raubwildbejagung hier die Hauptverantwortung zuschiebt.

Kaninchen

Noch Anfang der 1990er Jahre wurden in Deutschland über 860.000 Karnickel gestreckt. 2003/04 war mit nur noch knapp über 145.000 Stück ein Tiefpunkt erreicht. Der Einbruch der Kaninchenbesätze war wohl vor allem der sog. Chinaseuche geschuldet.
Viele Vorkommen haben sich seitdem nie wieder erholt. Immerhin ist die Strecke seitdem wieder angestiegen und scheint sich nun bei um die 260.000 Stück einzupendeln.

Fasan

Beim Fasan liegt die Sache ähnlich wie beim Hasen. Mit verschiedenen Aufs und Abs geht die Zahl erlegter Fasanen seit über 20 Jahren zurück.
Im letzten Jagdjahr hat sie mit nur noch knapp über 204.000 Stück einen fast historisch zu nennenden Tiefstand erreicht. Neben den schon für den Rückgang der Hasenstrecken genannten Faktoren dürften bei den Bodenbrütern auch Ausbreitung und Bestandesanstieg der Sauen eine erheblich negative Rolle spielen.

Rebhuhn

Wurden Anfang der 1980er Jahre noch über 30.000 Rebhühner erlegt, so ist deren Zahl auf nur noch knapp über 5.000 gesunken.
Die Rebhuhnstrecke könnte allerdings ein Beispiel für die schon oben angesprochene Tatsache sein, dass eine gesunkene Strecke nicht automatisch auch gesunkene Besätze anzeigt, da das Rebhuhn vielerorts wegen der geringen Besätze nicht bejagt wird.


Was sonst noch fliegt

Bei Tauben, Enten und Gänsen werden die Streckenzahlen leider nicht nach Arten differenziert. Die Rückgänge der Strecke bei Tauben und Enten sind bei den insgesamt sehr hohen Strecken eher unbedeutend. Bei Gänsen scheint sich der Aufwärtstrend fortzusetzen. Dennoch ist die realisierte Strecke anscheinend ohne Einfluss auf die Populationsentwicklung der verschiedenen bejagten Gänse. Dies belegen die immer lauter werdenden Klagen über Gänseschäden.
Der Bejagung des Vogels mit dem langen Gesicht, der so herrliche Frühjahrsstrich, ist seit vielen Jahren in Deutschland verboten, obwohl die bei uns erzielte Schnepfenstrecke unter 5% der in Europa geschossenen Schnepfen ausmacht. Schnepfen werden also fast nur noch nebenbei im Herbst erlegt. Dennoch ist ihre Strecke nach einem Tiefpunkt 1997/98 mit 4256 Stück bis 2008/09 auf fast 19.000 gestiegen. Nach leichtem Rückgang 2009/10 ist die Strecke im letzten Jahr mit 10.275 Stück regelrecht eingebrochen. Bis dato lassen sich dafür keine Ursachen erkennen.

Raubwild

Die Strecken des Baummarders (4.831 Stück) liegen etwa bei 10% derjenigen des Steinmarders (44.622 Stück). Die Streckenzahlen von Iltis (11.387 Stück) und Hermelin (8.995 Stück) sind gleichbleibend gering. Diese Zahlen sind wohl ein Beleg dafür, dass die Fallenjagd nur noch von wenigen passionierten Weidgenossen ausgeübt wird.

Füchslein rot . . .

Die Fuchsstrecke hatte seit dem Ende der 1980er Jahre einen stetigen Anstieg zu verzeichnen. Mit über 690.000 gestreckten Füchsen war Mitte der 1990er Jahre ein Höhepunkt erreicht.

Inzwischen ist die Strecke wieder abgesunken und scheint sich so im Bereich von etwas über 500.000 Stück einzupegeln. Vergleicht man Hasen- und Fuchsstrecke, so scheint sich der alte Spruch zu bewahrheiten: „Viele Füchse sind des Hasen Tod.“

Grimbart und Co.

Seit Dachse nicht mehr im Bau vergast werden und seitdem die deshalb vielerorts geübte Schonung des Dachses aufgegeben wurde, ist deren Strecke kontinuierlich gestiegen. Im letzten Jahr wurde mit fast 60.000 gestreckten Dachsen ein vorläufiger Rekord erreicht. Fuchs- und Dachstrecken zeigen übrigens, dass die Neubürger Marderhund und Waschbär wohl keine ernsthaften Lebensraumkonkurrenten der Alteingesessenen darstellen. Die Marderhundstrecke sinkt übrigens seit etwa drei Jahren, was möglicherweise Krankheiten geschuldet ist, währen die Waschbären ihre Landnahme offenbar äußerst erfolgreich fortsetzen. Mit fast 68.000 Stück wurde im letzten Jagdjahr eine Rekordstrecke beim Waschbären erzielt.

Biodiversität ändert sich mit der Kulturlandschaft

Wir beklagen den seit Jahrzehnten zu beobachtenden Rückgang der Artenvielfalt beim Niederwild und bei nichtjagdbaren Arten. Individuenzahlen der Vögel in der Agrarlandschaft sind in den letzten 30 Jahren um über die Hälfte zurückgegangen. Lerche und Kiebitz seien nur beispielhaft genannt. Die Intensivierung der Landwirtschaft ist hier Hauptverursacher. Wir sollten aber gelegentlich auch daran denken, dass die Artenvielfalt, deren Verlust wir zu Recht beklagen, erst in der vom Menschen im Laufe der letzten 2000 Jahre in Mitteleuropa geschaffenen Kulturlandschaft möglich wurde. Wir Jägern müssen versuchen, im Angesicht von nunmehr sieben Milliarden Menschen auf der Erde mit allen Naturnutzern gemeinsam einen vernünftigen Weg zwischen Schutz und Nutzung der Natur zu suchen.

Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel