Auf der Strecke

Während im Jagdjahr 2006/2007 bei fast allen erfassten Wildarten zum Teil nur sehr geringe Streckenzahlen gemeldet wurden, sind die Strecken­ergebnisse, vor allem die des Schalen- und des Raubwildes, im zurückliegenden Jagdjahr wieder auf dem 'Normalniveau' angelangt. War es 2006/2007 insbesondere zu einem Einbruch beim Schwarzwild und zu einer Streckenzunahme bei den Wildgansarten gekommen, lag dies im vergangenen Jagd­jahr genau umgedreht vor: Gans und Iltis sind 2007/08 die einzigen Wildarten, von denen im Vergleich zum Vorjahr weniger gestreckt wurden, das Streckenergebnis des Schwarzwildes hat nicht nur aufgeholt – es erreicht in einigen Bundesländern Höchstzahlen.

Schalenwild


Ein verhältnismäßig leichter Anstieg der Strecke (Bundes­durchschnitt 2 %) ist beim Rehwild zu verzeichnen. Damit bleibt unsere kleinste Schalenwildart mit mehr als ­einer Million erlegter ­Rehe (wie bei allen Zahlen ist auch dort das Fallwild mit eingerechnet) die zahlen­mäßig häufigste Jagdbeute in der Bundesrepublik. Obwohl es einen vergleichs­weise milden, schneearmen Winter­ im zurückliegenden Jagdjahr gab und die Jagd­­be­dingungen nicht ideal ­waren, ist die Schwarzwildstrecke sprichwörtlich explodiert. Sie verzeichnet eine Zunahme im Bundesdurchschnitt von fast 65 Prozent (!) zum Vorjahr. Mit 471 495 erlegten Sauen verfehlt die Schwarzwildstrecke nur knapp die Halbe-Million-Marke. Dabei wurden etwa in Baden-Württemberg 119 Prozent und in Bayern 85 Prozent mehr Schwarzkittel erlegt als im Vorjahr. Nord­rhein-Westfalen verzeichnet mit 30 469 Stück die höchste Sauenstrecke, die je in diesem Bundesland erzielt wurde. Damit hat das Schwarzwild wieder einmal gezeigt, wie schnell es durch seine hohe Reproduk­tions­rate in der Lage ist, Populationsein­brüche auszugleichen. Doch trotz hoher Erlegungszahlen in 2007/2008 scheint das Schwarzwild insgesamt nicht nachhaltig reduziert worden zu sein. Landauf, landab klagen Jäger und Landwirte auch im laufenden Jahr über enorme Schäden durch zu hohe Sauen­bestände. Auch bei den ­übrigen Schalenwildarten sind in den Bundesländern meist Zuwächse der Strecken­daten zu verzeichnen. Mit Ausnahme von Brandenburg, wo insgesamt in Bezug zum Vorjahr knapp 20 Prozent weniger Rotwild gestreckt wurde, schwanken die Erlegungszahlen beim Rot-, Gams-, Muffel- und Damwild eher geringfügig.

Haarwild


Erfreulicherweise sind in den meisten Bundesländern die Hasenstrecken wieder angestiegen. In Bayern wurden zum Beispiel 28 Prozent mehr Feldhasen erlegt als im Jahr zuvor und im streckenstärksten Bundesland NRW (Gesamtstrecke 170 222 Hasen) kamen immerhin zehn Prozent mehr Langohren zur Strecke, gefolgt von Niedersachsen (Gesamt 121 105 Stück) und Schleswig-Holstein (Gesamt 50 270 Stück). Mit gut 13 Prozent Zu­nahme im Bundesdurchschnitt wurde so der Streckenrückgang im Vergleich zum Vorjahr wieder ausgeglichen. Vor allem der zweite Satz wird dabei von den hervor­ragenden Witterungsbedingungen im Frühjahr 2007 (Trockenheit, warme Temperaturen) erheblich profitiert haben.
Ebenfalls erfreulich: Der Trend der langsam (aber stetig) steigenden Wildkaninchenstrecken setzte sich auch in 2007/2008 fort. So kamen im zurückliegenden Jagdjahr im Bundesgebiet 267 660 Lapuze zur Strecke. Das sind rund 41 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In Rheinland-Pfalz wurden sogar 136 Prozent (Gesamt 38 782 Stück) mehr Kaninchen erlegt als im Vorjahr. Hierbei scheint sich die ­Erholung der Wildkaninchenbesätze von dem mutmaßlich seuchenbedingten Niedergang zu erholen. In NRW (Gesamtstrecke 133 735 Stück) meldeten Reviere verschiedener Regionen nun erstmals ein Wieder­auftreten von Kanin­chen in zuvor verwaisten Gebieten und lokal starke Besatzerholungen.
Demgegenüber steht jedoch auch ein starker Streckenanstieg bei allen Raubwildarten. Insbesondere die Fuchsstrecken sind in allen Bundesländern wieder annähernd auf dem Niveau des Jagdjahres 2005/2006. Somit weist die bundes­wei­te­ Gesamtstrecke 562 188 Füchse für das zurückliegende Jagdjahr auf. Auch der Dachs setzt seinen Aufwärtstrend in der Strecken­statistik kontinuierlich fort, sodass auch im vergangenen Jagdjahr Meister Grimbart 52 433 Mal als geschossen oder als Fallwild gemeldet wurde.
Sorge bereiten sollte weiterhin der Vormarsch von Waschbär und Marderhund (siehe dazu Waschbär-Beitrag ab Seite 40). Beide Neubürger liegen nun mit einer Gesamtstrecke von je rund 35 000 Stück (mit ­regional unterschiedlichen Schwerpunkten) gleichauf. Mittlerweile nähert sich die Marderhundstrecke (23 134) in Meck­lenburg-Vorpommern schon sehr der der Füchse (31 816) an. Die Jagdstrecke des Marderhundes hat sich damit innerhalb von zehn Jahren verzehnfacht!
Insgesamt scheint sich kein Negativtrend bei den Raubwildarten abzuzeichnen – im Gegenteil: Im Sinne des Nieder­wildes sollte bei deren Bejagung keine Nachlässigkeit einkehren.

Federwild


Die Zahl der erlegten Fasanen­ stieg im vergangenen Jagdjahr im Bundesdurchschnitt um knapp 27 Prozent an. Bayern legte dabei mit 66 Prozent mehr gestreckter ­Fasane im Vergleich zum Vorjahr am meisten zu (Gesamt 60 416 Stück), gefolgt von NRW (+ 23 %) und Nieder­sachsen (+ 22 %).
In diesen drei Ländern werden außerdem auch die meisten Rebhühner erlegt. Bei dieser Wildart wurden im vergangenen Jagdjahr im gesamten Bundesgebiet 11 575 Vögel erbeutet. Das waren elf Prozent mehr Rebhühner als im Vorjahr. Insgesamt betrachtet sollte jedoch beim Feldhuhn im Hinblick auf die Erlegungszahlen nicht zu viel Euphorie aufkommen – nach wie vor bewegen sich die Besatzzahlen auf einem sehr niedrigen Niveau, weshalb in vielen Regionen freiwillig auf ihre Bejagung verzichtet wird.
Der Besatz der Waldschnepfe scheint hingegen erfreulicherweise weiterhin zuzunehmen. Von rund 18 000 erlegten Schnepfen wurden alleine im Land Nieder­sachsen rund 10 000 Stück gemeldet.
Einzig rückläufig fallen die Streckenzahlen bei den Wildgänsen aus. Allerdings beträgt der Streckenrückgang gerade einmal knapp drei Prozent. Dies kann jedoch damit ­sicherlich als eine normale Schwankung gewertet ­werden.