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Strahlenpilz am Lecker – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
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Freitag, 25.02.2022 - 10:00
Lecker-Strahlenpilz-Damwild © Archiv Dr. Armin Deutz
Bei starkem Befall – wie auf dem Bild zu sehen – können Futtertröge verunreinigt werden. Normalerweise übertragen sich die Bakterien nicht von Tier zu Tier.

Die Aktinomykose oder umgangssprachlich als „Strahlenpilz“ bezeichnete Infektionskrankheit wird durch Bakterien und nicht durch Pilze verursacht. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der Knochenaktinomykose (Erreger: Actinomyces bovis oder Actinomyces israelii), die meist im Bereich Ober- oder Unterkiefer schwammartige Knochenauftreibungen verursacht – und der beim Wild sehr seltenen Weichteilaktinomykose (Erreger: Actinobacillus lignieresii), die meist am Lecker auftritt.

Knochenaktinomykose kommt am häufigsten beim Rehwild vor, kann aber alle Haarwildarten betreffen. Die Erreger kommen als Umweltkeime im Erdboden und auf Pflanzen vor, und sie können auch als harmlose Begleitkeime auf der Mundschleimhaut, auf den Schleimhäuten der Verdauungswege sowie auf der äußeren Haut vorhanden sein, ohne eine Erkrankung auszulösen. Von Tier zu Tier ist die Aktinomykose i. d. R. nicht übertragbar, außer es kommt zu einer massiven Erregerausscheidung – wie im gezeigten Fall anzunehmen – und dann beispielsweise zu einer Verunreinigung von Futtertrögen. Einzelfälle beim Menschen traten früher hauptsächlich nach dem Lutschen an Stroh- oder Grashalmen auf.

Lecker-Actinomykose-Damwild © Archiv Dr. Armin Deutz

„Strahlenpilz“ tritt nicht nur am Kiefer auf – hier ein befallener Damwildlecker.

Letztlich beim Wild immer tödlich

Die Infektion erfolgt meist über kleine Verletzungen im Bereich der Maulschleimhaut (z.B. durch harte oder spitze Futterpartikel, Zahnwechsel) oder Hautverletzungen. Zunächst bilden sich kleine Entzündungsherde, aus denen sich später geschwulstartige Knochenauftreibungen entwickeln. Im weiteren Verlauf kommt es je nach Sitz des Geschwulsts zu fortschreitender Beeinträchtigung (z.B. Äsungsaufnahme, Wiederkäuen). Durch Auflösung der Knochensubstanz entstehen kleinere und größere Höhlen und Gänge, die mit graugelbem Gewebe (Granulomen) und Eiter ausgefüllt sind. Letztlich endet die Krankheit – wenn auch unter Umständen erst nach ein bis zwei Jahren – immer tödlich.